Die Kraft der Kultur auch in der Krise?

Neues Talkformat „Rheinischen Kulturfragen“ als digitale Podiumsdiskussion

Text: IHK-Redaktion

Die Corona-Krise hat das Leben in Deutschland ebenso auf den Kopf gestellt wie das der Kultur. Wie sehr, darüber diskutierten bei den „Rheinischen Kulturfragen“ am 5. Juli die Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, Autor und Medientheoretiker Professor Holger Noltze und Yilmaz Dziewior, seines Zeichens Direktor des Museums Ludwig und Kurator des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig 2022. Die Diskussion eröffnete den Rheinischen Kultursommer der Metropolregion Rheinland.

Ein digitaler Ausweg?

Alle Gesprächspartner sind eng mit der Kultur im Rheinland verbunden und sie alle kennen die Einschränkungen, die diese seit Monaten erlebt. Immerhin muss die Kultur nicht nur hierzulande seit Ausbruch der Pandemie mit geschlossenen Konzerthäusern, abgesagten Theaterpremieren und zugesperrten Museen kämpfen. Während Restaurants sich mit Essen zum Mitnehmen über Wasser hielten, gab es solche Möglichkeiten in der Kultur allenfalls begrenzt. Der einzige Ausweg, das wird in der Diskussion klar: das Digitale.
Streams und Übertragungen können ganz neue Zuschauer anziehen, glaubt etwa Noltze. Er sieht gar im Digitalen einen Appetitanreger für das Analoge. Beides könne nebeneinander existieren kann – und müsse es vielleicht sogar. Er selbst plädiert aber dafür, nicht alles ins Netz zu stellen, was sich eben so finde, und dann auch noch gratis. Das würde den Wert der Kunst und Kultur eher kaputt machen, als dass es Rettungsanker in solch schwierigen Zeiten sein kann.

Potenziale nutzen

Das ist allerdings ein Gedanke, den Dziewior nur zu Teilen unterstützen kann. Das machte er bei der Diskussion deutlich. Auch er sieht viele Chancen im Digitalen, darin, auch auf den verschiedenen Plattformen unterwegs zu sein. So zeigte sein Museum beispielsweise eine ganze Eröffnung einer Ausstellung im Netz. Über die Foto-Plattform Instagram kommentierten die Menschen von zu Hause aus live. Eben solches Potenzial möchte er künftig noch mehr nutzen, sagt er und pflichtet damit Holger Noltze bei – doch denkt er anders übers Geld. Denn ein Eintritt von beispielsweise 13 Euro sei immer noch viel Geld, gerade für Familien. Wolle man aber inklusiv denken, müsse man auch über neue Modelle nachdenken, sagte er.
Und auch Isabel Pfeiffer Poensgen, Kulturministerin in NRW, dachte laut über Geld nach. So sieht sie vor allen Dingen ein Problem in der mangelnden Absicherung der freien Künstler. Da brauche man einfach mehr als die Künstlersozialkasse. Sie mache heute nur das Nötigste für Freiberufler, die im Bereich der Kultur unterwegs sind. Eins aber, das war ganz klar für sie, werde so schnell nicht wiederkommen: die Realität, wie es sie vor der Krise gab. Zwar würde sie sich das wünschen, doch müsse man eben realistisch sein. Und wenn nichts funktioniere, bleibe eben die Flexibilität, aufs Digitale auszuweichen.

Der Rheinische Kultursommer

Die Diskussion war Auftakt des Kultursommers der Metropolregion Rheinland. Der Rheinische Kultursommer ist eine regionale Kulturkooperation der NRW-Kulturregionen Niederrhein, Aachen, Bergisches Land und Rheinschiene unter der Federführung der Metropolregion Rheinland. Innerhalb einer übergreifenden „Klammer“ werden Formate aller kulturellen Bereiche (Theater, Musik, Literatur, Kunst, Film, Kunterbunt) gemeinsam präsentiert. Mehr Informationen und die gesamte Diskussion gibt es auf der Internetseite des Rheinischen Kultursommers.

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