Interview mit Ingo Mommertz, Direktor E-Commerce IT/CTO von Douglas, zur Ausbildung im neuen Berufsbild Kauffrau/-mann im E-Commerce

Text: Sylvia Rollmann, Fotos: Paul Esser

Herr Mommertz, wie viele Auszubildende hat Douglas aktuell?

In Deutschland sind es zurzeit rund 500.

Wie viele davon werden zur Kauffrau beziehungsweise zum Kaufmann im E-Commerce ausgebildet?

Im August dieses Jahres haben drei junge Leute in unserer Düsseldorfer Zentrale mit dieser Ausbildung begonnen.

Der Kaufmann im E-Commerce ist ein neues Berufsbild. Was lernt man in der Ausbildung?

Die Auszubildenden beschäftigen sich mit drei großen Bereichen: mit der Entstehung eines Onlineshops, dem Shop-Betrieb und der Auftragsabwicklung. Zunächst geht es also darum, zusammen mit Softwarespezialisten und Webdesignern einen Onlineshop zu entwickeln und diesen mit Produkten, Bildern, Texten und Preisinformationen zu füllen. Dann geht es ans Performance-Marketing. Dabei stellt sich die Frage: Wie können die Waren im Shop bestmöglich beworben werden, und was muss man tun, damit sie von Internet-Suchmaschinen wie Google gut gefunden und möglichst weit vorne gelistet werden? Natürlich lernen die Azubis auch, wie die Buchführung, Preiskalkulation und Zahlungsabwicklung funktioniert und wie das bestellte Produkt schnellstmöglich zum Kunden kommt. Am Ende der Ausbildung sind sie Experten rund ums Thema Onlinehandel. Sie verfügen nicht nur über Qualifkationen in einzelnen Fachgebieten, sondern über ein Gesamtverständnis im Bereich E-Commerce. Warum ist es Ihnen wichtig, in diesem neuen Beruf auszubilden? Der Internethandel ist ein hart umkämpfter Markt. Will ein Unternehmen in diesem Segment erfolgreich sein, dann braucht es Mitarbeiter, die gut ausgebildet sind und gleichzeitig eine gewisse Affinität für dieses Geschäftsfeld haben. Zurzeit sind solche Leute noch rar gesät und heißbegehrt. Findet man einen geeigneten Kandidaten, kann man ihn in der Regel nur mit sehr attraktiven Angeboten gewinnen und man muss einiges tun, damit er dem Unternehmen lange erhalten bleibt. Angesichts dieser Situation ist es sinnvoll, den Nachwuchs selbst und mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse auszubilden. Unser Ziel ist es, Kaufleute mit Douglas-DNA aufzubauen, die wir nach ihrem Abschluss übernehmen können.

Der Startschuss für den E-Commerce, wie wir ihn heute kennen, fiel schon Mitte der 1990er Jahre, als die ersten großen Suchmaschinen entstanden und bedeutende E-Commerce-Unternehmen gegründet wurden. War das neue Berufsbild längst überfällig?

Ja, auf jeden Fall. Nahezu jedes Unternehmen bietet heute seine Produkte und Dienstleistungen im Internet an und versucht, mit immer neuen Mitteln die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden zu gewinnen. Die Kundenwünsche und die technischen Möglichkeiten befinden sich in einem ständigen Wandel, daraus ergeben sich für die Unternehmen immer neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder. Vor diesem Hintergrund brauchen wir eigens ausgebildete Fachkräfte, die über technische Kenntnisse ebenso verfügen wie über kaufmännische Qualifikationen und Marketingwissen, die nicht in Kategorien denken und bereit sind, unkonventionelle Wege zu beschreiten. Der Kaufmann im E-Commerce ist ein solcher Allrounder. Er hat den Überblick über alle Bereiche und weiß, welche Spezialisten er heranziehen muss, damit sein Unternehmen erfolgreich im Internet handeln und langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann.

Klingt, als wäre der Kaufmann im E-Commerce ein Beruf mit Zukunft …

Ja, unbedingt. Die digitale Transformation schreitet voran. Für Unternehmen ist die Präsenz im Internet längst unverzichtbar. Selbst traditionelle Branchen wie der Lebensmittelhandel machen sich inzwischen die neuen technischen Möglichkeiten und Absatzkanäle zunutze. Der rasante Wandel stellt die Beschäftigten vor immer neue Herausforderungen, deshalb wächst in nahezu allen Bereichen der Bedarf an Fachkräften mit E-Commerce-Kompetenzen. Für die angehenden Kaufleute im E-Commerce stehen die Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung also mehr als gut. Sie haben eine umfassende Ausbildung in allen relevanten Bereichen durchlaufen und können quasi für jedes Unternehmen arbeiten, das Waren oder Dienstleistungen im Internet anbietet, verkauft oder vertreibt.

Auszubildende Luisa Kampka im Gespräch mit Ingo Mommertz.

Was war denn nötig, um die neuen Ausbildungsplätze bei Douglas einzurichten?

Ehrlich gesagt, haben wir für die neuen Azubis nur Telefone und Laptops bestellt. Das war’s. Wir sind in allen Bereichen breit aufgestellt und in der glücklichen Lage, den Auszubildenden das gesamte Spektrum des Internethandels vermitteln zu können, ohne große Klimmzüge machen zu müssen. Mit einem jährlichen Umsatz von über 500 Millionen Euro gehören wir zu einem von Deutschlands zehn größten Online-Shop-Betreibern. In unserer Zentrale sind über 150 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Douglas-Shop zu betreiben und stetig weiterzuentwickeln. Zusätzliche 30 kümmern sich um das Performance-Marketing. Unsere Azubis finden daher in allen Bereichen einen kompetenten Ansprechpartner und den passenden Arbeitsplatz.

Wie haben sich die Ausbilder auf die neue Aufgabe vorbereitet? Für sie ist dieses Berufsbild ja auch neu.

Als klar war, dass wir in diesem neuen Beruf ausbilden wollen, habe ich mir den Ausbildungsrahmenplan angeschaut und entschieden, welche Person in welchem fachlichen Bereich für die Auszubildenden zuständig sein wird. Für die Mitarbeiter, die ich ausgewählt habe, ist die Arbeit mit den angehenden Kaufleuten keine große Herausforderung, auf die sie sich erst noch vorbereiten mussten, nein, sie vermitteln vielmehr das, womit sie sich seit Jahren tagtäglich beschäftigen. Aufgrund unserer Größe decken wir alle Segmente des E-Commerce ab, und das daraus resultierende Wissen geben wir an unsere Azubis weiter. Sie lernen in allen Bereichen von erfahrenen Praktikern. Zusätzlich gibt es alle zwei Wochen ein festes Meeting mit mir, dem Ausbildungsleiter, dabei reden wir ganz offen über alle Probleme und Wünsche.

Ein modernes Berufsbild, ein namhafter Arbeitgeber – wie groß war das Interesse an Ihren neuen Ausbildungsplätzen?

Wir haben mehr als 60 Bewerbungen bekommen. Zwei Drittel kamen von Frauen, ein Drittel kam von Männern, was bei einem Parfümeriekonzern wie Douglas wohl auf der Hand liegt. Es freut uns, dass so viele junge Menschen bereit waren, ihre Ausbildung bei uns zu absolvieren und sich über zweieinhalb Jahre an uns zu binden. Diese Zielstrebigkeit und Konstanz ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Was war Ihnen bei der Auswahl der richtigen Bewerber wichtig?

Alle jungen Bewerber haben per se einen großen Vorteil: Sie sind mit den neuen Medien groß geworden. Für sie ist es normal, online einzukaufen und soziale Netzwerke wie Instagram zu nutzen. Sie kennen keine Berührungsängste und sind neuen Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Das ist schon fast die halbe Miete. Davon abgesehen ist es gut, wenn die angehenden Kaufleute gewisse technische und mathematische Fähigkeiten besitzen, wenn sie Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen haben und offen im Umgang mit Kunden sind – denn all das ist E-Commerce. Aber was uns noch viel wichtiger ist, ist die Persönlichkeit eines Bewerbers, seine Begeisterungsfähigkeit und Motivation. Diese Eigenschaften zählen mehr als gute Noten.

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