Wie gelingt ein erfolgreicher Start in einem neuen Land beruflich, sprachlich und persönlich? Antworten darauf erhielten die Teilnehmenden bei der Informations- und Netzwerkveranstaltung „Erfolgreich arbeiten in Deutschland. Interkulturelle Kompetenzen, Resilienz und Sprache für Expats, internationale Fachkräfte und Unternehmen“, zu der der Expat Service Desk ME&DUS am 26. Februar ins Haus der Universität Düsseldorf eingeladen hatte. Insgesamt 45 Teilnehmende aus 17 Nationen, darunter Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland sowie Japan, Brasilien, Indien oder die USA, sowie Unternehmen nutzten die Gelegenheit zum regen Austausch und zur Weiterbildung.
Autorin: Simone Fischer; © Florian Freimuth; Stand 03/2026
Resilienz im Kontextwechsel: Wie Stress entsteht und bewältigt werden kann
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete der Psychologe und Neuropsychologe Douman Seidisarouei mit einem Vortrag über Stress und Resilienz im internationalen Kontext. Migration bringe zwar ähnliche äußere Anforderungen für viele Menschen mit sich, erläuterte er, werde jedoch sehr unterschiedlich erlebt: „Dieselbe Migration kann sich für den einen wie eine Bedrohung und für den anderen wie eine Herausforderung anfühlen.“ Entscheidend seien individuelle Ressourcen und persönliche Bewertungen der Situation. Stress entstehe vor allem dann, wenn Anforderungen größer seien als die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten.
Welche Auswirkungen diese Belastung auf das Denken und Handeln haben kann, erklärte Seidisarouei anhand neurowissenschaftlicher Erkenntnisse. Unter Stress arbeite der präfrontale Kortex, der für unsere Planung, Selbstkontrolle und Entscheidungsfähigkeit zuständig ist, weniger effizient. Die Folge könne sein, dass Betroffene impulsiver reagieren, den Überblick verlieren oder an einmal gewählten Strategien festhalten, obwohl sich die Situation verändert hat. Ein zentraler Schlüssel zur Stabilisierung liege darin, den Kontextwechsel bewusst zu akzeptieren: „Stress nimmt in dem Moment ab, in dem man aufhört, gegen das neue Umfeld zu kämpfen, und beginnt, es zu verstehen“, motivierte er.


Sprache lernen ohne Perfektionsdruck: Realistische Erwartungen und emotionale Faktoren
Im zweiten Vortrag widmete sich Sprachwissenschaftlerin und Deutsch-Dozentin Ekaterina Rauzin den Voraussetzungen erfolgreichen Sprachenlernens. Sie verglich Deutsch mit einer komplexen Fähigkeit wie dem Klavierspielen oder Autofahren und stellte zunächst die Frage: Wer würde erwarten, ein Instrument nach wenigen Wochen Unterricht zu beherrschen? Unrealistische Erwartungen seien einer der häufigsten Gründe für Frustration. „Deutschlernen scheitert selten an mangelnder Intelligenz, sondern eher an fehlender Sicherheit und zu hohen Erwartungen an sich selbst“, betonte Rauzin. Selbstvertrauen entstehe nicht durch Perfektion, sondern dadurch, dass man sich erlaubt, Fehler zu machen. Es wachse durch regelmäßige Übung und aktives Sprechen in einem unterstützenden Umfeld.
Neben linguistischen Faktoren spielen laut Rauzin auch kulturelle und emotionale Aspekte eine wichtige Rolle. Humor, positive Erfahrungen und soziale Interaktion könnten den Lernprozess deutlich erleichtern, da sie emotionale Anker schaffen und Hemmungen abbauen. Gleichzeitig richtete sie den Blick auch auf Unternehmen: Förderliche Lernbedingungen, realistische Zeitrahmen und eine konstruktive Fehlerkultur seien entscheidend, damit internationale Fachkräfte ihre sprachlichen Kompetenzen nachhaltig entwickeln können.


Vernetzung als Schlüssel zur erfolgreichen Integration internationaler Fachkräfte
Die Veranstaltung verband wissenschaftliche Perspektiven mit praxisnahen Empfehlungen und bot zugleich Raum für Austausch und Vernetzung. „Es war eine hervorragende Veranstaltung mit einem engagierten Publikum und vielen wertvollen Impulsen sowohl für Expats als auch für Unternehmen. Interkulturelle sowie psychologische und sprachliche Aspekte sind maßgeblich für das erfolgreiche Ankommen im deutschen Berufsalltag. Mit dieser Veranstaltung konnten wir Personalverantwortlichen und internationalen Fachkräften praxisnahe Tipps und konkrete Empfehlungen an die Hand geben, um ihren beruflichen Einsatz in Düsseldorf und im Kreis Mettmann nachhaltig, wirkungsvoll und zukunftsorientiert zu gestalten“, freut sich Svitlana Bayer, Leiterin des Expat Service Desk ME&DUS.
Die lebhaften Gespräche und die intensive Vernetzung im Anschluss zeigten einmal mehr, wie wichtig gezielte Unterstützung für ein erfolgreiches Ankommen für internationale Fachkräfte und Unternehmen ist. Denn Integration beginnt nicht erst im Arbeitsalltag, sondern bereits mit Orientierung, Austausch und dem Verständnis für kulturelle Unterschiede. Mit Formaten wie diesem stärkt der Expat Service Desk der IHK Düsseldorf sowie den Wirtschaftsförderungen der Landeshauptstadt Düsseldorf und des Kreises Mettmann die internationale Fachkräfteintegration in der Region. Der Expat Service Desk vernetzt Unternehmen und internationale Talente, informiert und berät sie auf ihrem Weg und stärkt damit zugleich die Fachkräftebasis sowie die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes.



Weitere Angeboten und kommenden Veranstaltungen finden Interessierte auf der Website des Expat Service Desk.
Diesen und weitere aktuelle Beiträge zum Thema finden Sie in der Rubrik Fachkräftesicherung.




