Wie bleibt das Rheinland erreichbar, wenn überall gebaut wird? Diese Frage stand im Zentrum des Mobilitätskongresses, der gemeinsam von der IHK-Initiative Rheinland (IIR) und Die Schlüsselregion e.V. in Düsseldorf ausgerichtet wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung diskutierten über die Zukunft der Infrastruktur und die Herausforderungen, Baustellen richtig zu planen, um den Wiederaufbau der Infrastruktur voranzutreiben. Moderiert wurde die Veranstaltung von WDR-Journalistin Gisela Steinhauer.
Verkehrsinfrastruktur als Standortfaktor
Autorin: Natascha Plankermann; Copyright © Andreas Endermann
Für die Wirtschaft ist die marode Verkehrsinfrastruktur in Nordrhein-Westfalen längst zum Standortfaktor geworden – und zum Risiko. Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, machte zur Begrüßung deutlich: „Wenn wir nicht handeln, gefährden wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.“ NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer setzte in seinem Impuls ein klares Zeichen: „Wir sollten aufhören, uns von Baustellen gestört zu fühlen. Sie sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass Zukunft entsteht.“
In einer großen Sanierungsoffensive werden nach seinen Worten in den nächsten zehn Jahren 400 problematische Brücken wiederhergestellt. Auch für das Schienennetz lägen Pläne vor, um es auf- und auszubauen. Mit einem bildhaften Vergleich brachte Krischer seine Botschaft auf den Punkt:
Die Blaskapelle darf nicht nur spielen, wenn etwas neu eröffnet wird – sie sollte auch auftreten, wenn etwas instandgesetzt wird.
Hoffnungsfroh stimmt Krischer in diesem Zusammenhang das bundesweite Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, mit dessen Hilfe Verkehrswege wieder zu Lebensadern werden sollen. Langwierige Bewilligungsverfahren dürfe es allerdings nicht geben, um die Chance nutzen zu können.




Generationenaufgabe Infrastruktur
Den Wiederauf- und -ausbau der Infrastruktur in NRW bezeichnete Krischer als Generationenaufgabe: „Wir wollen Menschen mehr Mobilität, mehr Flexibilität und mehr Auswahl an Verkehrsträgern ermöglichen.“ Dafür müssten alle Akteure zusammengebracht und die Aktivitäten der verschiedenen staatlichen Ebenen koordiniert werden.
Auch Felix Heinrichs, Oberbürgermeister von Mönchengladbach und Vertreter der Metropolregion Rheinland, betonte die Bedeutung der Abstimmung zwischen Kommunen, Land und Verkehrsunternehmen. „Wir brauchen gemeinsame Zeitpläne und klare Kommunikationswege.“ Damit diese Ziele bestmöglich umgesetzt werden könnten, müsste mehr Fachkräften der Spaß vermittelt werden, an den hochfliegenden Plänen für die Infrastruktur mitzuarbeiten.
Wahrnehmung von Baustellen: Fluch oder Segen?
In seiner Keynote „Baustellen auf allen Wegen – Fluch oder Segen?“ analysierte Professor Roman Suthold vom ADAC Nordrhein die allgemeine Wahrnehmung von Baustellen. Während sie kurzfristig für Staus und Umwege sorgen, seien sie langfristig unverzichtbar für eine leistungsfähige Infrastruktur. Der Wissenschaftler plädiert unter anderem für eine Anlaufstelle für Betroffene vor Ort, die tagesaktuell informiert: „Wenn Menschen verstehen, warum gebaut wird und wie lange es dauert, steigt die Akzeptanz.“ Um die Vorhaben besser zu synchronisieren, könne auch eine Landesplanungsgesellschaft NRW eingerichtet werden.

Wirtschaftliche Auswirkungen und internationale Perspektiven
Wie dramatisch die derzeitige Lage aus wirtschaftlicher Sicht ist, machte Robert Lamers, Geschäftsführer der Fortin Mühlenwerke in Düsseldorf, deutlich. Sein Unternehmen ist auf funktionierende Brücken angewiesen – für die Lkw, die Rohstoffe anliefern oder Waren abholen. Sperrungen sorgten für große Umwege, was Zeit und Geld koste. Zudem könne der Rhein als Transportweg durch den häufig niedrigen Wasserstand nicht ausreichend genutzt werden. „Die Vertiefung der Fahrrinne kommt nicht voran“, sagte Lamers. Er sprach sich dafür aus, Baustellen auch über Wochenenden laufen zu lassen – bevor der Wirtschaftsstandort leide, müsse der Individualverkehr hintanstehen. In diese Richtung ging auch der Rat des niederländischen Gastes Paul Hanraets, Programmmanager bei der Rijkswaterstaat in Limburg: „Gewöhnt euch an Staus – und überlegt Vollsperrungen, damit rund um die Uhr in Schichten gearbeitet werden kann.“
Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
In den Paneldiskussionen des Mobilitätskongresses wurde dann einmal mehr deutlich: Baustellen sind nicht nur technische, sondern auch kommunikative Herausforderungen. Wenn sie gut geplant, kompromissbereit abgestimmt und erklärt werden, können sie als Zeichen des Fortschritts wahrgenommen werden. Dr. Jan Lohoff, Leiter der Landesverkehrszentrale NRW, forderte Kommunen und Kreise dazu auf, große Baustellen digital zu melden, um sie besser koordinieren zu können.


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