Der Defence Innovation Summit in Düsseldorf zeigt: Sicherheitstechnologien sind nicht nur politisch relevant, sondern eröffnen Chancen für Unternehmen – durch Dual-Use-Nutzen und ganz neue Absatzmärkte. Die IHK Düsseldorf setzt sich für ein Start Up Ökosystem ein, das eine bessere Verteidigung ermöglicht.
Autorin: Natascha Plankermann (01/2026)
Die vielbeschworene Zeitenwende ist mehr als ein Schlagwort – sie führt zu sicht- und spürbaren Veränderungen. Beim Defence Innovation Summit NRW in der NRW.BANK wurde klar, dass Verteidigung und Sicherheit kein Randthema mehr bilden, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Mehr als das: dadurch eröffnen sich für Unternehmen neue Geschäftsfelder, gerade im so genannten Dual-Use-Bereich, wo Technologien für zivile und militärische Anwendungen gleichermaßen genutzt werden.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst machte in seiner Eröffnungsrede die strategische Dimension deutlich: „Im Hinblick auf die vielfältigen Bedrohungen unserer kritischen Infrastruktur ist technologische Souveränität entscheidend – und sie muss industriell skalierbar sein.“ Das sei sicherheitspolitische Realität. Laut Wüst gilt es, über den Wert der Verteidigungsfähigkeit zu sprechen: „Ich verstehe mögliche Bedenken in alteingesessenen Firmen – vor dem Hintergrund unserer Geschichte. Aber diesmal stehen Sie auf der richtigen Seite, auf der Seite der Freiheit.“ Spontaner Beifall im Saal.
Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, betont in diesem Zusammenhang: „Es gibt ein Sondervermögen, weil Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärken muss.“
Herausforderung und Chance für Unternehmen
Die Bedrohungslage ist komplex: Drohnen, Cyberangriffe oder schlichte Brandstiftung können die Energie- und Wasserversorgung, die Kommunikation oder die (über)lebenswichtige Arbeit in Krankenhäusern lahmlegen. Die Dynamik, die in diesem Zusammenhang entsteht, war ein zentrales Thema. „Beim Summit wurde an einem Beispiel sehr deutlich: In der Drohnenabwehr währt ein technischer Vorsprung oft nur etwa sechs Wochen, dann hat sich der Gegner bereits angepasst.“, erklärte Dr. Nikolaus Paffenholz, Abteilungsleiter Unternehmensservice der IHK Düsseldorf. „Das zeigt, dass Innovationen im Bereich der Verteidigung in deutlich kürzeren Zyklen umgesetzt werden müssen. Dafür ist das Tempo von Start-ups erforderlich, das etablierte Unternehmen am ehesten in enger Zusammenarbeit mit ihnen erreichen.“ NRW bringt dafür aus Sicht von Dr. Paffenholz starke Voraussetzungen mit: Forschung, Entwicklung und Umsetzungskompetenz in relevanten Technologiefeldern. Die IHK verstehe sich dabei als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Bundeswehr, damit sich ein belastbares Ökosystem entwickeln kann.
Startschuss für den DefenceTech-Inkubator
Der Summit war mehr als eine Konferenz: Er markierte den Start des DefenceTech-Inkubator.NRW. Dr. Klemens Gaida, Initiator des Inkubators und Geschäftsführer des Innovationsunternehmens 1stMOVER, betonte: „Defence ist Teamwork. Wir bauen eine Brücke zwischen Start-ups, Hochschulen, Industrie und denjenigen, die Bedarf an neuen Technologien haben. Acht ausgewählte Start-ups öffnen wir den Markt – mit verantwortungsvoller Dual-Use-Orientierung.“
Wie der doppelte Nutzen aussehen kann, zeigen Beispiele, die während des Summits in einer Ausstellung vorgestellt wurden: Exoskelette, die beispielsweise Mitarbeitenden in Paketzentren vor Rückenproblemen schützen, können auch Soldaten helfen, schwere Lasten zu tragen. In diesem Bereich forscht und entwickelt unter anderem die Firma Auxys aus Aachen. Fox Composites, ein Spin-Off des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR), beschäftigt sich mit widerstandsfähigen und hitzebeständigen Keramikmaterialen. Sie können einerseits die empfindliche Steuerungstechnologie von Flugkörpern schützen, andererseits etwa Elektroautos davor bewahren, bei einem Batteriebrand komplett in Flammen aufzugehen.
Start-Ups präsentierten sich
Drei Start-ups erhielten während des Summits die Chance, sich kurz auf der Bühne zu präsentieren – darunter Wienburg aus Düsseldorf. Gründer Christian Sander präsentierte unter anderem das „Tactical Spatial Auditing Display“. Die Idee dahinter: Wenn die Sicht gleich null ist – etwa für Soldaten im Einsatz oder Feuerwehrleute in verrauchten Gebäuden – hilft die akustische Intelligenz bei der Orientierung. Das System analysiert Geräusche wie Stimmen oder Schritte und erstellt eine Art „Hörkarte“, die auf einem Display angezeigt wird. So wissen Einsatzkräfte, wo ihre Kameraden sind, und können sich sicherer bewegen. Ein Paradebeispiel für Technologien, die gleichermaßen militärisch und zivil sinnvoll eingesetzt werden können.
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