Exoskelette und digitale Assistenz: Technik als Unterstützung im Arbeitsalltag

Aus der IHKExoskelette und digitale Assistenz: Technik als Unterstützung im Arbeitsalltag

Wie können körperlich belastende Tätigkeiten in Handwerk und Industrie erleichtert werden? Welche Rolle spielen technische Assistenzsysteme dabei, Beschäftigte zu entlasten und gleichzeitig Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Exoskelette & Co – Hilfen für den Betriebsalltag“, zu der die Handwerkskammer Düsseldorf (HWK) und die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf (IHK) in die Räume der HWK eingeladen hatten.

Autorin: Simone Fischer; © Wilfried Meyer ; Stand 03/2026

Bereits zum vierten Mal brachten beide Kammern Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Anbieter technischer Lösungen zusammen. Und das Interesse war groß. Denn: „Das Thema trifft einen Nerv. Im Handwerk ebenso wie in der Industrie“, sagt Dr. Nikolaus Paffenholz, Geschäftsführer des Bereichs Unternehmensservice bei der IHK Düsseldorf. Viele Betriebe stünden vor ähnlichen Herausforderungen: Besonders in Produktion, Logistik oder im Lager werde täglich körperlich anspruchsvolle Arbeit geleistet. Gleichzeitig verschärften Fachkräftemangel und demografischer Wandel den Druck auf die Unternehmen. „Das bedeutet: Jede Arbeitskraft ist wertvoll“, so Paffenholz. Umso wichtiger sei es, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass Beschäftigte gesund arbeiten und möglichst lange im Beruf bleiben können.

Fachkräfte sichern durch ergonomische Arbeitsplätze

Technische Assistenzsysteme können dabei eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen etwa sogenannte Exoskelette. Gemeint sind damit tragbare Stützsysteme, die wie eine äußere Muskelstruktur wirken und Beschäftigte bei körperlich belastenden Tätigkeiten unterstützen. Auch Hebe- und Transporthilfen oder digitale Assistenzlösungen können dazu beitragen, körperliche Belastungen zu reduzieren und Arbeitsprozesse ergonomischer zu gestalten. Solche Technologien entlasten Beschäftigte, ohne ihnen die Arbeit abzunehmen.

Zugleich eröffnen technische Assistenzsysteme neue Möglichkeiten für Inklusion, etwa wenn Arbeitsplätze so angepasst werden können, dass auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen weiterhin im Betrieb tätig sein können.

Die Veranstaltung setzte deshalb bewusst auf Praxisnähe. Neben Fachvorträgen konnten Besucherinnen und Besucher verschiedene Systeme wie Exoskelette, ergonomische Arbeitsplatzlösungen oder Anwendungen aus den Bereichen Virtual und Augmented Reality direkt ausprobieren und mit Herstellern ins Gespräch kommen.

Ein Beispiel aus der Praxis lieferte die KBK Europe GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen ist eine deutsche Tochter des japanischen Handelsunternehmens Kyokuto Boeki Kaisha Ltd. Konkret ging es dabei um ein passives Exoskelett für die unteren Gliedmaßen, also ein mechanisches Assistenzsystem ohne Motor oder Elektronik. Das System funktioniert wie eine flexible Stehhilfe: Individuell anpassbare Metallschienen werden an den Beinen befestigt und unterstützen den Körper dabei, längere Zeit im Stehen zu arbeiten. Rücken, Beine und Füße werden entlastet, während die Nutzerinnen und Nutzer weiterhin beweglich bleiben. Die Konstruktion hilft dabei, das Körpergewicht besser auszubalancieren und körperliche Belastungen zu reduzieren.

In Japan werde die Technologie bereits seit einiger Zeit in der Industrie eingesetzt, so Ichiro Ogura, Geschäftsführer der KBK Europe. Speziell bei Tätigkeiten in Produktion, Montage oder Logistik könne das System dazu beitragen, Rückenschmerzen vorzubeugen.

Auf dem europäischen Markt vertreibt das Unternehmen die Stehhilfe seit 2022. „Aber es braucht seine Zeit, bis Menschen auf diese Möglichkeiten aufmerksam werden“, sagt Ogura. Inzwischen zeichne sich jedoch eine positive Entwicklung ab: „Wir merken, dass das Interesse steigt.“

Lösungen für mehr Inklusion und unterschiedliche körperliche Voraussetzungen

Dass sich neue ergonomische Lösungen oft erst schrittweise im Arbeitsalltag durchsetzen, zeigt sich auch bei anderen Assistenzsystemen. Das Düsseldorfer Unternehmen Burkhardt Medical stellte beispielsweise verschiedene ergonomische Spezialstühle vor, die Beschäftigte bei ihrer Arbeit unterstützen können.

Die Stühle ermöglichen es, Tätigkeiten flexibel im Sitzen auszuführen, auch dort, wo normalerweise im Stehen gearbeitet wird. Einige Modelle lassen sich so einstellen, dass Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel besser aufstehen können oder eine deutlich erhöhte Arbeitsposition erreichen. Dadurch können beispielsweise Menschen mit Kleinwüchsigkeit oder Personen im Rollstuhl auch Ordner aus höheren Regalen entnehmen oder an höher gelegenen Arbeitsflächen arbeiten. Andere Modelle sind besonders stabil konstruiert und richten sich etwa an Menschen mit Adipositas, für die herkömmliche Arbeitsstühle oft nicht geeignet sind. So können Arbeitsplätze besser an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen angepasst werden.

„Diese Lösungen helfen Unternehmen, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen ihre Tätigkeit langfristig ausüben können“, sagt Geschäftsführer Christoph Gehm. Gleichzeitig beobachte auch er ein wachsendes Interesse der Betriebe: „Das Thema Ergonomie und die Gesundheit der Mitarbeitenden rücken immer stärker in den Fokus.“


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