Frauen gründen – anders?

Aus der IHKFrauen gründen – anders?

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Düsseldorf hatten am 26. November zu einer Veranstaltung für Existenzgründerinnen eingeladen – es ging um Beratungsangebote, Fördermöglichkeiten und Netzwerke.

Autorin: Beate Werthschulte

Auch wenn Prioritäten, Fragestellungen und Rahmenbedingungen bei Frauen und Männern, die gründen möchten, heute weitgehend ähnlich sind, zeigen sich weiterhin Unterschiede. Aktuell liegt der Anteil von Gründerinnen bei 36 Prozent, im Start-up-Bereich bundesweit bei rund 19 Prozent – damit weiterhin unter dem Männeranteil. In NRW lag der Gründerinnenanteil bei Start-ups 2023 bei 20 Prozent, bei allen Selbstständigen bei 37 Prozent. Diese Zahlen nahmen die IHK NRW und die Bergische Universität Wuppertal zum Anlass, 2023 zu untersuchen, wie mehr Frauen als Gründerinnen und Unternehmensnachfolgerinnen gewonnen werden können. Ein Ergebnis: Vielen Teilnehmerinnen fehlen Netzwerke oder sie kennen entsprechende Angebote nicht; zudem mangelt es an sichtbaren und nahbaren weiblichen Vorbildern.

Auch Christiane Kubny, Beraterin für Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Düsseldorf, bestätigt, dass die Gründungsszene nach wie vor männerdominiert ist. Frauen seien oft sehr gut vorbereitet, gingen aber häufig vorsichtiger ins Risiko. „Männer verkaufen sich in Verhandlungen meist besser“, so Kubny. Mit regelmäßig angebotenen Formaten, die sich speziell an Frauen richten, wollen die Partner im Gründungsnetzwerk Düsseldorf und Kreis Mettmann Gründerinnen gezielt stärken, Orientierung geben und den Zugang zu Netzwerken erleichtern.

Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten nutzen

Rund 30 Frauen waren der Einladung am 26. November gefolgt und informierten sich über die zahlreichen Beratungs- und Fördermöglichkeiten, die Gründungswilligen zur Verfügung stehen. In Düsseldorf und im Kreis Mettmann gibt es ein besonders dichtes, gut abgestimmtes Beratungsangebot. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit plant – ob haupt- oder nebenberuflich, im klassischen Gewerbe, im freien Beruf, im Handwerk oder mit einer innovativen Idee – findet bei den Startercentern NRW kompetente Anlaufstellen und kurze Wege. Die Startercenter helfen beim Strukturieren der Geschäftsidee, geben Orientierung zu formalen Schritten, prüfen Fördermöglichkeiten und vermitteln bei Bedarf an weitere Netzwerkpartner. Wertvoll ist dabei der Blick auf die individuellen Voraussetzungen der Gründerinnen und Gründer – etwa Qualifikation, Finanzierung, Marktchancen oder die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Familie.

Wer aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit starten will, kann finanzielle Starthilfe erhalten. Der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit richtet sich an Menschen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Er soll den Lebensunterhalt in den ersten sechs Monaten überbrücken: Gezahlt werden das bisherige Arbeitslosengeld I plus 300 Euro monatlich zur sozialen Absicherung. Läuft das Unternehmen an, kann die 300-Euro-Pauschale für weitere neun Monate verlängert werden. Voraussetzung sind ein tragfähiger Businessplan und eine fachkundige Stellungnahme, etwa von IHK oder Handwerkskammer. Für Bürgergeld-Beziehende kann zudem das Einstiegsgeld des Jobcenters in Frage kommen. Beide Instrumente können helfen, gute Ideen erfolgreich auf die Straße zu bringen.

Der rote Faden für Gründungswillige: der Businessplan

Grundlage auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit ist ein belastbarer Businessplan. Entscheidend ist die Finanzkalkulation mit seriöser Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung. „Der Businessplan ist die Regieanweisung, der rote Faden, der sich durch jede Gründung zieht“, betonte Christiane Kubny. In der Beratung geht es häufig darum, mögliche Schwachstellen früh zu erkennen und zu beheben.

Wie wichtig solide Planung und ein gründlicher Blick auf die Zahlen sind, zeigte auch Gründerin Janina Schwieger. Gemeinsam mit einer Freundin hat sie das Unternehmen „Stick a pear“ aufgebaut. Das Duo entwickelt reflektierende Stickersets, unter anderem für Lastenräder und sorgt damit für bessere Sichtbarkeit und Sicherheit im Straßenverkehr. Entstanden ist die Idee unkonventionell: aus eigenem Bedarf – und weil auch Freunde und Bekannte sich solche Sticker wünschten. Der Start in die Selbstständigkeit war zunächst pragmatisch, ein Businessplan spielte anfangs nur eine Nebenrolle. Erst durch eine intensive Beratung bei den Wirtschaftssenioren NRW wurde er ausgearbeitet. Mit wachsendem Unternehmen wurde diese strukturierte Planung unverzichtbar, um das Geschäftsmodell professionell weiterzuentwickeln.

Von Netzwerken profitieren

Um langfristig erfolgreich zu sein, sind gute Netzwerkpartner entscheidend – darin waren sich alle Vortragenden einig.

Die IHK Düsseldorf ist im Gründungsnetzwerk Düsseldorf & Kreis Mettmann mit zahlreichen Akteuren verbunden. Durch die enge Zusammenarbeit profitieren Ratsuchende von gebündeltem Know-how, klaren Zuständigkeiten und einer schnellen Vermittlung an die jeweils passende Stelle.

Speziell für Frauen wurde zudem „INSPIRE! geschaffen – eine Düsseldorfer Plattform für weibliche Startups und Female Entrepreneurship in ganz NRW.


Weitere Artikel zum Thema Gründung finden Sie hier.

NEUES AUS DER RUBRIK