Gute Chancen für das EU-Mercosur-Abkommen?

Aus der IHKGute Chancen für das EU-Mercosur-Abkommen?

Unter dem Motto „Das EU-Mercosur-Abkommen: Aktueller Stand und Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in Brasilien und Argentinien“ hatte die IHK Düsseldorf Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Kammerbezirk zu einem Webinar eingeladen. Die Teilnehmenden erfuhren Aktuelles aus Brüssel und erhielten ein Stimmungsbild aus Südamerika.

Autorin: Beate Werthschulte; (Stand 02/2026)

Das Interesse am Webinar war groß – Katrin Lange, Referentin Amerika, Asien, Australien bei der IHK Düsseldorf und Moderatorin der Veranstaltung, konnte sich über rund 240 Anmeldungen freuen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Mitglieder von Verbänden und Organisationen verfolgten spannende Vorträge rund um das EU-Mercosur-Abkommen – und erhielten wertvolle Informationen zu den aktuellen Chancen und Möglichkeiten. Bei dem Abkommen handelt es sich um ein Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Urugay). Verhandelt wird dieses Abkommen bereits seit mehr als 25 Jahren, denn die 1991 gegründete Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur plant seitdem ein solches Freihandelsabkommen, dessen wichtigste Ziele der Abbau von Zöllen und Handelshindernissen sowie die Erhöhung des Warenaustauschs zwischen der EU und den Mercosur-Staaten sind. Mit dem Abkommen werden schrittweise rund 90 Prozent aller auf EU-Waren anfallenden Zölle bei der Wareneinfuhr in den Mercosur abgebaut.

„Durch das Abkommen könnten sich deutlich mehr hiesige Unternehmen in Südamerika engagieren“

Am 17. Januar dieses Jahres wurde das Abkommen feierlich in Paraguay unterzeichnet – allerdings kann es derzeit nicht in Kraft treten, da das EU-Parlament beschlossen hat, seine Vereinbarkeit mit den EU-Verträgen vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen – aktuell rechnet man mit einer Prüfdauer von einem bis zwei Jahren. „Durch das Abkommen könnten sich deutlich mehr hiesige Unternehmen in Südamerika engagieren. Die Unternehmen in unserem Kammerbezirk haben ein großes Interesse daran, dass das Abkommen zustande kommt, weil es ihnen die Chance eröffnet, neue Märkte zu erschließen und einfacher in Südamerika Fuß zu fassen“, erläuterte Katrin Lange im Rahmen ihrer Einführung in das Webinar. Denn es ergebe sich eine Win-Win-Situation auf beiden Seiten, so die Expertin weiter, nämlich die Abschaffung von Zöllen und nicht tarifären Handelshindernissen wie etwa Importquoten, einheitliche Zertifizierungsstandards, Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen oder Regeln zum Schutz von geistigem Eigentum. Gerade Deutschland könnte als Exportnation – beispielsweise in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Chemie- und Pharmaindustrie sowie Automobilindustrie – von dem Handelsabkommen profitieren.

„Es wäre ein Boost sowohl für Firmen, die schon vor Ort sind, als auch für neue Unternehmen“

Vorläufige Anwendung im ersten Halbjahr 2026 möglich

Die große Bedeutung des Freihandelsabkommens betonte auch Klemens Kober in seinem Vortrag. „Wenn es in Kraft tritt, wird es ein starkes Zeichen dafür sein, dass mit Europa weiterhin zu rechnen ist, und zudem der Startschuss für weitere Abkommen“, erklärte der Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen der DIHK Brüssel. Das Abkommen besteht aus zwei Teilen: Das Interimsabkommen umfasst ausschließlich Handelsfragen und muss lediglich vom Europäischen Parlament ratifiziert werden – dieses Ratifizierungsverfahren ist nun zwar zunächst ausgesetzt, dennoch könnte das Abkommen vorläufig in Kraft treten, sobald der erste Mercosur-Staat den Vertrag ratifiziert hat – und dies werde bereits für den März erwartet, erläuterte Klemens Kober. Deshalb lautete sein Rat an alle interessierten Unternehmen, sich schnellstmöglich darauf vorzubereiten.

Brasilien benötige ein wenig mehr Zeit, aber auch hier, so Kober weiter, rechne man bis zum Sommer mit der Ratifizierung. Und das bestätigte auch der aus Berlin zugeschaltete Gesandte für Wirtschafts-, Handels- und Energiefragen in der Botschaft der Föderativen Republik Brasilien, Luiz Eduardo Gonçalves. Das Abkommen sei für Brasilien immens wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen und die Resilienz der Wirtschaft zu stärken. Die Exporte in die EU und insbesondere die Importe aus der EU würden sich durch das Abkommen deutlich erhöhen, sagte er im Rahmen seines Vortrags. Er erwartet die Ratifizierung des Abkommens im ersten Halbjahr 2026, insbesondere auch vor dem Hintergrund der im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahl in Brasilien.

Auch Argentinien wird das Abkommen ratifizieren und erhofft sich einen weiteren Ausbau der ohnehin schon guten Wirtschaftsbeziehungen mit der EU und insbesondere mit Deutschland. So bezeichnete Ana Fernández Blanco, Vizekonsulin des Argentinischen Generalkonsulats in Bonn, Deutschland als einen der wichtigsten Handelspartner des Landes. Und für Deutschland sei Argentinien, nach Mexiko, Brasilien und Chile, der viertwichtigste Handelspartner in Lateinamerika, ergänzte Annika Klump in ihrem Vortrag. Die Bereichsleiterin Innovation und Institutionelle Entwicklung / Leiterin Umwelt und Energie – Technologie und Innovation bei der AHK Argentinien war aus Buenos Aires zugeschaltet und gab einen Überblick über die Branchen mit guten Wachstumsprognosen, in die sich Investitionen lohnen – wie etwa Bergbau und Energiesektor.

So ist die Stimmung zum EU-Mercosur-Abkommen in Brasilien und Argentinien aktuell durchaus optimistisch – trotz der langen Verhandlungszeit hofft man nun zumindest auf eine schnelle, vorläufige Anwendung des Handelsteils, auch, wenn der Zeitpunkt für das vollständige Inkrafttreten zunächst offenbleibt. „Die IHK setzt sich weiterhin für freien Handel ein“, erklärte Katrin Lange und wies zum Schluss darauf hin, dass ein neues Webinar rund um das Thema Zölle aufgesetzt werde, sobald das Datum für die Anwendbarkeit des Handelsabkommens feststehe.


Weiterführende Informationen zu den aktuellen Entwicklungen rund um MERCOSUR finden Sie hier.

NEUES AUS DER RUBRIK