Die Xponential Europe brummt, doch auf der Messe in Düsseldorf geht es um mehr als Technik. Es geht um Innovation unter Druck – um Geschwindigkeit, die Leben schützen soll. Und um Chancen für Unternehmen. „Frontline Innovation – Opportunities in Ukraine & the Baltics“ heißt die Session, zu der die IHK Düsseldorf mit Partnern der Auslandshandelskammern eingeladen hat. Der Titel trifft den Kern: Wer heute Sicherheits- und Verteidigungstechnologien entwickelt, arbeitet in einem Ausnahmezustand.
Autorin: Natascha Plankermann; © Felix Gemein; Stand 03/2026
Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf, führt durch den Nachmittag. Sein Ziel: „Durch enge Kooperationen verschiedener Partner wollen wir dafür sorgen, dass das Wissen schnell bei den Unternehmen ankommt.“ So könne man gemeinsam Resilienz, aber auch eine Stärkung von Wirtschaft und Gesellschaft erreichen. Die IHK Düsseldorf arbeitet seit Monaten auf unterschiedlichen Wegen daran: Delegationsreise ins Baltikum, Webinare, Konferenzformate, ein Positionspapier mit der IHK NRW zur sicherheitspolitischen Zeitenwende und ihren Konsequenzen für die wirtschaftliche Basis. Die Session auf der Xponential ist ein weiterer Baustein dieses Engagements.



Lernen von der Ukraine und dem Baltikum
Stefan Kägebein von der Deutschen Industrie- und Handelskammer verdeutlicht in diesem Zusammenhang: Deutschland kann von der Ukraine lernen – von einer Verteidigungsindustrie, die unter Kriegsbedingungen Innovationen quasi im Wochenrhythmus hervorbringt. Und vom Baltikum, das sich intensiv mit Cyberresilienz und digitaler Verteidigung befasst.
Florian Schröder, CEO der Deutsch-Baltischen Auslandshandelskammer, führt diesen Punkt weiter aus. Er stellt die Baltic Defence Line vor – ein gemeinsames Projekt von Estland, Lettland und Litauen, dem „magischen Dreieck“, so nennt er es. Es geht darum, die östlichen Grenzen zu Russland und Belarus zu stärken. Dazu dient auch der Baltic Drone Wall, ein Schutzwall von Norwegen bis Polen. Moderne Drohnen und Abwehrsysteme spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Technologien prägen auch die Use-Case-Pitches der ukrainischen und baltischen Unternehmen, die sich bei der Veranstaltung vorstellen.
Reiner Perau, CEO der Deutsch-Ukrainischen Auslandshandelskammer, liefert Zahlen, die die Dynamik der ukrainischen Verteidigungsindustrie sichtbar machen. „Made in Ukraine schlägt made abroad“, sagt er. Sein Rat an die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer: Partnerschaften eingehen. Gerade der deutsche Mittelstand sei für ukrainische Firmen attraktiv, weil er flexibel, spezialisiert und verlässlich sei.
Ein Name fällt immer wieder: Brave1. Die ukrainische Innovationsplattform bündelt Entwicklungen der Verteidigungsindustrie. Dass Brave1 auf der Xponential präsent war, ist einer gemeinsamen Initiative der IHK Düsseldorf und der Messe Düsseldorf zu verdanken. NRW.Global Business und die DIHK haben den Stand ermöglicht und finanziert – als Signal für eine wachsende Zusammenarbeit. Olha Popovych, Leiterin der Ecosystem-Abteilung bei Brave1, spricht unter anderem von einer „eine Art Amazon des Krieges“. Drohnen lassen sich online bestellen, neue Technologien unter realen Einsatzbedingungen testen. Für deutsche Unternehmen ist das ein Zugang zu Frontline‑Erfahrungen – und ein Türöffner für Kooperationen.



Regulierung und Finanzierung im Spannungsfeld
Doch Innovationen und Regeln. Verena Becker vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erklärt, wie der Export von Dual-Use-Technologien kontrolliert wird. Sie zeigt, wie komplex die Balance zwischen Tempo und Sicherheit ist. Finanzierung ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Benjamin Krahmer von Verne Capital Advisory erläutert, wie Venture Capital in diesem Umfeld funktioniert und welche Kriterien Investoren anlegen. Danach stellt Dr. Lino Schneider-Bertenburg den European Defence Fund vor – und damit konkrete Fördermöglichkeiten für industrielle Projekte.
Zum Schluss spricht Dr. Christian Steinborn, Leiter Geschäftsentwicklung – Start-up-Aktivitäten bei der Rheinmetall AG. Er beschreibt einen gesellschaftlichen Wandel. „Verantwortungsvolle Verteidigung ist gefragt.“ Die Herausforderung liege in der Lieferung: Waffensysteme entstehen nicht auf Vorrat, Produktionslinien müssen sich schnell anpassen. Was ihm wichtig ist: „Wir verbinden die Stärke großer Unternehmen mit derjenigen von Start-ups.“ Die einen bringen robuste Systeme und Möglichkeiten zur Skalierung, die anderen frische Ideen und unkonventionelles Denken.
Die Session endet, das Networking beginnt und der Impuls bleibt: Kooperationen zwischen NRW, der Ukraine und dem Baltikum entstehen jetzt – die IHK Düsseldorf baut dafür die Brücken.



Mehr zur Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft lesen Sie hier.

