Unser Jahresempfang 2026

Aus der IHKNetzwerkUnser Jahresempfang 2026

Autorin: Dagmar Haas-Pilwat; © Andreas Endermann; Felix Gemein; Wilfried Meyer; Melanie Zanin; Stand 01/2026

Unbestritten bleibt er die Nummer eins in seiner Liga: Der traditionelle Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) gilt in der Landeshauptstadt als die Top-Veranstaltung im Reigen der geselligen Treffen von Verbänden, Firmen und Institutionen zu Beginn eines jeden Jahres. Auch 2026 kamen rund 1300 Gäste aus Wirtschaft, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sowie Verwaltung im Maritim Hotel am Flughafen zusammen.

Es war einer dieser seltenen Abende mit gleich zwei bemerkenswerten Reden, die noch lange nachhallen, für kontroverse Diskussionen und reichlich Gesprächsstoff in der Stadt sorgen. Neben Andreas Schmitz, Gastgeber und Präsident der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf, der zum Auftakt der Netzwerk-Veranstaltung mehr Geschwindigkeit in der Wirtschaftspolitik forderte, stellte Sigmar Gabriel, Vorsitzender der Atlantikbrücke e.V. und Wirtschafts-, Umwelt- und Außenminister a.D., die neue, globale Weltordnung und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft in den Fokus seiner Keynote. 

Der IHK-Präsident plädierte so sachlich wie deutlich für einen konsequenteren Reformkurs in der Wirtschaftspolitik: „Was wir brauchen, ist mehr Tempo: schnellere Steuerentlastung, radikaler Bürokratieabbau, klare Haushaltsdisziplin“. Die Re-Ökonomisierung unserer Gesellschaft sei das Gebot der Stunde. Und diese gehöre in die Hände von Unternehmern, Selbständigen, Gründern und Handwerksmeistern. Angesichts der strukturellen Probleme, die Deutschland hat, betonte er: „Wer Industrie halten will, muss Steuern, Abgaben und Umlagen senken – und das nicht nur für drei Jahre, sondern nachhaltig. Dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Subvention, sondern durch verlässliche, marktkonforme Rahmenbedingungen“, so Schmitz. Die Bundesregierung brauche den Mut für eine große Agenda, in der die Politik alle Instrumente nutzt, um der Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Dafür müsse das Sondervermögen zielgerichtet eingesetzt werden, mahnte der IHK-Präsident. 

Die Zustimmung der Gäste im Saal war ihm sicher. Neben den prominent besetzten Reihen (NRW-Ministerin Mona Neubaur, Oberbürgermeister Stephan Keller, Landrätin Bettina Warnecke, Simone Bagel-Trah, Henkel-Aufsichtsratsvorsitzende, Charlotte Beissel (Stadtwerke-Vorstand), die Flughafen-Chefs Lars Redeligx und Pradeep Pinakatt, die Hochschul-Rektorinnen Edeltraud Vomberg und Anja Steinbeck, der Präsident der Handwerkskammer, Andreas Ehlert, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Mitglied des Europäischen Parlament), die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus den zehn Städten des Kreises Mettmann, die Vizepräsidenten der IHK Düsseldorf, Marcel Abel, Karl Hans Arnold, Désirée Bleckmann, Burkhard Dahmen, Dirk Lindner, Julien Mounier, Juliane Niederdrenk und Kerstin Rapp-Schwan), hatten sich diesmal nicht nur auffallend viele Ehrenämtlerinnen und Ehrenämtlern – ohne deren Engagement eine IHK nicht funktioniert – versammelt, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter aus regionaler Wirtschaft und Politik.

Und sei die regionale Wirtschaft, die stärker denn je in globale politische und wirtschaftliche Zusammenhänge eingebettet sei. „Diese globalen Veränderungen wirken sich bis auf die regionale Ebene  aus“, bekräftigte der Gastgeber und hatte dabei vor allem im Sinn die Interessen der rund 99.000 IHK-Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der Landeshauptstadt Düsseldorf und den zehn Städten des Kreises Mettmann.

Europa in einer unbequemen Welt: Sigmar Gabriels geopolitische Analyse

Gastredner Sigmar Gabriel, der zum Thema „Europa in einer unbequemen Welt“ sprach, eröffnete eloquent neue Perspektiven auf die aktuelle Geopolitik und -ökonomie. In einem unterhaltsamen Parforceritt durch die Geschichte plädierte er dafür, dass die europäischen Staaten einen eigenen starken Pfeiler innerhalb der Nato bilden. Dies sei besser, als „sich darauf zu verlassen, dass die Amerikaner wie in der Vergangenheit die Kohlen aus dem Feuer holen. Die alte Weltordnung ist schon länger vorbei, denn Amerika zieht sich als globale Ordnungsmacht zurück, und zwar nicht erst mit Donald Trump als Präsident. Amerika konzentriert sich auf den neuen Herausforderer China und das ist der Beginn der neuen Zeitordnung, in der wir erstmal in einer Phase ohne globale Ordnung leben, denn niemand kann die Rolle Amerikas übernehmen.“ Der ehemalige SPD-Chef empfahl, dass die europäischen Staaten eigene Interessen stärker herausstellten, sowohl sicherheitspolitisch als auch ökonomisch. Derzeit strebten die Staaten innerhalb der Europäischen Union mitunter in verschiedene Richtungen. Es werde immer schwieriger sicherzustellen, dass die Nationalstaaten, die Europa als Interessensgemeinschaft bilden, dieses Europa auch wollten. Ähnlich wie der IHK-Präsident bemängelte auch Gabriel bei seiner Einschätzung der Lage, dass Deutschland sich zu lange auf seinen Erfolgen ausgeruht habe. „Wir brauchen in Deutschland mehr Konflikt, weil Streit Kommunikation auslöst. Nur so wird klar, dass wir unsere Einstellungen verändern müssen. Uns ging es allen zu lange zu gut. Wir sind eine 75-Prozent-Gesellschaft geworden, haben es aber mehr und mehr zu tun mit 150-Prozent-Gesellschaften, die alle der Armut entkommen möchten. Wir müssen uns in Deutschland wieder mehr anstrengen.“

Beide Redner waren sich einig, dass „Pessimismus ein Luxus ist, den wir uns nicht leisten können“ (Zitat Golda Meir). Das Fazit lautete: „Bleiben wir Optimisten – nicht trotz, sondern gerade angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage. Seit Jahrzehnten zeigen wir Deutsche unter Druck ungeahnte Come-back-Qualitäten – von der Wiedervereinigung über die Agenda 2010 bis zur Bewältigung großer Krisen. Entscheiden können wir selbst. Wir können Verantwortung übernehmen und dafür den Preis zahlen oder wir können abwarten, dann dürfte der Preis aber deutlich höher ausfallen. Wir haben es in der Hand“, sagte unter großem Applaus IHK-Präsident Andreas Schmitz. 

Mutmachende Praxisbeispiele und ein Abend mit Nachhall

Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis demonstrierte anschließend nicht nur der Filmbeitrag „Präsentation von Spitzenleistungen von Fachkräften und Startups in unserem IHK-Bezirk“, sondern in erster Linie der Live-Auftritt von drei Protagonisten. Im Kurz-Interview erzählte Nathalie Lorse, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, wie sie es mit Hilfe einer Teilqualifizierung zur Verkäuferin geschafft hat, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Duy Nguyen aus Vietnam ist es gelungen, mit Unterstützung der IHK Deutsch zu lernen und in Düsseldorf eine Anstellung zu finden. Sonja Sironen hat in Velbert mit der Nachfolge-Übernahme von marie.-w.-Naturkosmetik quasi ihr Startup 2.0. gegründet. 

Mit solch mutmachendem Bekenntnissen endete unter großem Applaus das offizielle Programm, das abschließende Get Together zur Musik von „Fresh Music Live“ hingegen noch lange nicht.


Weitere Bilder des Abends finden Sie in unserer Bildergalerie.

NEUES AUS DER RUBRIK