Unter dem Motto „Ausbildung im Wandel: Psychische Gesundheit im Fokus“ hatte die IHK Düsseldorf Ausbilderinnen und Ausbilder zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Die Gäste konnten sich darüber informieren, welche Wege es gibt, Azubis gut zu begleiten, um Ausbildungsabbrüche möglichst zu vermeiden.
Autorin: Beate Werthschulte; © Melanie Zanin; Stand 02/2026
Rund 40 interessierte Ausbilderinnen und Ausbilder waren der der Einladung der IHK gefolgt und erlebten zwei spannende Vorträge, in denen Möglichkeiten dargelegt wurden, Auszubildende in Krisensituationen zu unterstützen – denn eine gute Ausbildungsbegleitung und das Ernstnehmen der Belastungen, die sie erleben, seien es Leistungsdruck, neue Verantwortlichkeiten oder auch finanzielle Sorgen, können dabei helfen, frühzeitig gegenzusteuern. Zu Beginn der Veranstaltung stellte Dr. Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung, ‑stellenvermittlung und ‑projekte bei der IHK Düsseldorf, die aktuelle Situation junger Menschen beim Übergang von der Schule in die Berufswelt sowie die vielfältigen Anforderungen, mit denen sie in dieser neuen, sehr sensiblen Lebensphase konfrontiert sind, dar. Dabei verwies er unter anderem auf die so genannte COPSY (COrona und PSYche)-Studie, die bereits seit 2020 gezeigt hat, wie stark sich Stress und psychische Auffälligkeiten während der Coronapandemie verstärkt haben. Ausgewertet wurden Daten von knapp 3.000 Familien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von sieben bis 22 Jahren. Dabei stellte sich heraus, dass die psychische Gesundheit der jungen Menschen sich zwar in den Folgejahren nach der Pandemie wieder verbesserte, aber weiterhin beeinträchtigt blieb. Gleichzeitig haben die Sorgen wegen neuer Krisen, etwa der Ukrainekrieg oder der Klimawandel, zugenommen. Auch die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025“ zeige, so Jürgen Holtkamp, dass die psychische Belastung der 14- bis 29-Jährigen hoch bleibe.
„Die Jugend“ gibt es nicht
Die IHK Düsseldorf hat sich aber nicht nur mit den Belastungen der Jugendlichen beschäftigt, sondern auch damit, wer diese Jugendlichen sind – und dafür einen Blick in die Sinus-Jugendstudie geworfen, die die Lebenswelten und den Alltag junger Menschen untersucht hat. „Das Ergebnis ist kein einheitliches Bild, sondern eine hochgradig ausdifferenzierte Jugendlandschaft. Besonders wichtig für uns als Ausbildende ist dabei: Psychische Belastungen entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern immer im Zusammenspiel von Persönlichkeit, sozialem Umfeld und äußeren Anforderungen“, erläuterte Jürgen Holtkamp. Parallel dazu hören die Ausbildungsberater der IHK Düsseldorf auch aus den Schulen, dass Basiskompetenzen und Selbstorganisation bei vielen jungen Menschen nicht selbstverständlich sind, und hat vor diesem Hintergrund bereits vor eineinhalb Jahren das so genannte Sorgentelefon, eine Hotline für Auszubildende und Ausbildende, ins Leben gerufen.
Telefonische psychosoziale Beratung
Hierfür wurde ein Vertrag mit der BG prevent GmbH geschlossen, die bundesweit Unternehmen in Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit sowie im betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützt. Unter anderem wird ein Employee Assistance Program (EAP), also eine externe, vertrauliche Beratung für Beschäftigte bei beruflichen und privaten Belastungen, angeboten. Die Diplom-Psychologin, Gesundheitsmanagerin und Systemische Beraterin Regina Behrendt von der BG prevent GmbH, bestens vertraut mit dem Sorgentelefon, erläuterte in ihrem Vortrag, wie das EAP bei der IHK ganz praktisch unterstützt und welche Themen für Azubis und Ausbildende in den Beratungsgesprächen wichtig sind – denn gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen führt sie für die IHK diese Gespräche durch, telefonisch und bei Bedarf und Interesse auch persönlich. „Bei rund 30 Prozent der Anruferinnen und Anrufer geht es um die Belastung am Arbeitsplatz, bei knapp 18 Prozent um psychische Belastungen. Manchmal geht es um Konflikte und Mobbing oder die Auswirkungen von Krankheit, immer mal wieder melden sich Ausbilder zu Führungsfragen, aber die Mehrheit der Hilfesuchenden sind Auszubildende“, erklärte Regina Behrendt. Anhand anonymisierter Beispiele stellte die Beraterin dem hochinteressierten Publikum einige typische Fälle vor, etwa Angst vor Prüfungen, mangelnde Unterstützung durch die Eltern, aber auch ernsthafte psychische Probleme oder depressive Symptome, die am Arbeitsplatz nicht auf genügend Verständnis stoßen. Bei großen psychischen Problem kann das Sorgentelefon – Regina Berendt nennt es übrigens lieber „SprechZeit“ – helfen, die Wartezeit bis zum Beginn einer Therapie zu überbrücken.
Krise oder psychische Erkrankung?
Allerdings ist – trotz Versagensängsten, Stress oder Überforderung – nicht jede Krise gleich eine psychische Erkrankung, die einer Therapie bedarf. So reagieren junge Menschen ganz unterschiedlich auf die verschiedenen Anforderungen, denn was den einen motiviert, kann für die andere überfordernd sein. Univ.-Prof. Dr. med. Eva Meisenzahl sprach in ihrem abschließenden Vortrag über die Grenzen zwischen Krise und Krankheit. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie leitet am LVR-Klinikum Düsseldorf die universitäre Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Dort gibt es das Angebot des Centrums für Diagnostik und Therapie psychiatrischer Ersterkrankungen, das sich insbesondere an Betroffene in der Phase der Adoleszenz, also der Phase vom 18. bis zum 27. Lebensjahr richtet. „Psychische Erkrankungen wie affektive Störungen oder Depressionen beginnen häufig im Alter junger Erwachsener“, erklärte Eva Meisenzahl. Eine frühzeitige Abklärung der Symptome ist insbesondere in der Phase der Adoleszenz wichtig, um die entsprechende Behandlung zu gewährleisten – zur Verbesserung der Lebensqualität. Eine Krise lässt sich daran erkennen, dass sie zeitlich begrenzt und eine „normale“ Reaktion – normales Verhalten bezeichnet das Verhalten der Mehrheit der Menschen – auf ein erkennbares Ereignis, wie beispielsweise eine Trennung oder der Verlust des Jobs ist. Die Entwicklung einer psychischen Erkrankung dagegen geht eher langsam vonstatten, oft ohne Ursache oder aufgrund vieler unterschiedlicher Faktoren. So sind eben nicht alle Auffälligkeiten psychische Erkrankungen – aber, wenn doch, lassen sie sich in der Regel sehr gut behandeln.
Das Sorgentelefon der IHK steht Auszubildenden und Ausbildenden gleichermaßen zur Verfügung.
Die kostenlose Hotline 0800 00 10387 ist rund um die Uhr besetzt. Fachpersonal für psychosoziale Beratung bietet am Telefon sofort Unterstützung an, bei Interesse wird ein persönlicher Gesprächstermin vor Ort vermittelt. Bis zu drei Sitzungen können kostenlos in Anspruch genommen werden.
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