Der Kongress Defence.NRW brachte unter dem Motto „Nordrhein-Westfalen als Motor für Sicherheit und Verteidigung in Deutschland und Europa“ Politik, Bundeswehr und Wirtschaft zusammen, um über die Herausforderungen der Zeitenwende zu sprechen.
Autorin: Beate Werthschulte; © © Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW; Stand 03/2026
Nordrhein-Westfalen gehört zu den führenden Standorten für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Mit seiner industriellen Basis, vielen mittelständischen Unternehmen sowie international aufgestellten Konzernen und renommierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen steht NRW für technologische Leistungsfähigkeit und Innovationskraft in diesem Bereich – und übernimmt damit Verantwortung für Sicherheit und Verteidigung in Europa. Genau das betonte auch die stellvertretende Ministerpräsidentin und NRW Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Sie eröffnete die Veranstaltung in Vertretung von Ministerpräsident Hendrik Wüst, der kurz zuvor zum zweiten Mal Vater geworden und aus diesem Grund nicht vor Ort war. Die kleine Tochter Clementine wurde mit einem herzlichen Applaus im Leben willkommen geheißen.
Geopolitische Lage erfordert tiefgreifende Anpassungen
In den verschiedenen Keynotes und Workshop-Sessions ging es vorrangig um technologische Entwicklungen, industriepolitische Rahmenbedingungen und Kooperationsmöglichkeiten von – insbesondere mittelständischen – Unternehmen und Startups sowie Wissenschaft und anderen Stakeholdern. So sprach die Ministerin in ihrer Begrüßungsrede über die rasanten Veränderungen der geopolitischen Lage, unter anderem durch den seit vier Jahren andauernden Ukrainekrieg und den Krieg im Iran, durch den ein möglicher Flächenbrand in der Region droht. Das zentrale Thema in NRW sei die Verantwortung, die wir tragen, erklärte sie. So gehe es darum, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Demokratie zu stärken, den Frieden in Europa zu sichern, die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu fördern sowie Abhängigkeiten zu minimieren. Und genau deshalb bündelt Nordrhein-Westfalen seit Herbst vergangenen Jahres mit Defence.NRW als zentraler Plattform seine Aktivitäten zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Um die wirtschaftliche Perspektive ging es in der anschließenden Keynote von Prof. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Er erklärte, dass Europa zu wenig Geld für Verteidigung investiere und dieses Geld auch nicht gut, sondern für alte Technologien ausgebe – und stellte dazu die aktuelle Studie des IfW Kiel „Time to spend smart“ vor. Unter anderem schlägt der Ökonom vor, künftig zehn Prozent der Rüstungsausgaben in Forschung und Entwicklung zu investieren. Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, Inspekteur des Kommandos Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, sprach in seinem folgenden Opening Statement über „Hybride Angriffe und das gläserne Gefechtsfeld – Herausforderungen der Bundeswehr im 21. Jahrhundert“. Angriffe im Cyber- und Informationsraum stellten Deutschland vor große Herausforderungen, die Firewalls glühten rund um die Uhr, sagte er. Deshalb sei es notwendig, digital kriegstüchtig zu werden und die Bundewehr bis 2029 entsprechend aufzustellen.
Beschaffungsprozesse müssen effizienter gestaltet werden
Ein besonderer Schwerpunkt des – ausgebuchten – Kongresses lag auf drei Fachforen zu Themen wie Beschaffung für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Innovationen und Defence-Tech sowie Chancen internationaler Kooperation in Europa. In einer dieser, von Dr. Ulrich Biedendorf, Fachpolitischer Sprecher Wirtschaft und Verteidigung der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen, geleiteten und moderierten Workshop-Sessions ging es unter der Überschrift: „Bedarfe sichern und Fähigkeiten ausbauen: Wie gelingt eine schnelle und effiziente Beschaffung?“ um Strukturen, Prozesse und Anforderungen im Spannungsfeld von Bedarfsträgern und Industrie – ein wichtiges Thema gerade für den Mittelstand. So zeigt nämlich die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern, dass rund 15 Prozent der Industrieunternehmen in NRW bereits heute direkt oder über Wertschöpfungsketten im Verteidigungssektor aktiv sind und weitere 13 Prozent einen Einstieg planen. Darüber diskutierte Ulrich Biedendorf mit Cathrin Wilhelm, Vorstand und Mittelstandbeauftrage des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. und Gesellschafterin der Avilus GmbH, Prof. Michael Eßig, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Beschaffung und Supply Management an der Universität der Bundeswehr München, Michael Humbek, CEO der Dynamit Nobel Defence GmbH, sowie Matthias Mantey, Leiter des Justitiariats beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
Die Podiumsteilnehmenden sprachen unter anderem darüber, wie wichtig es sei, in intelligente autonome Waffensysteme zu investieren, Beschaffungsprozesse zu beschleunigen, Mittelständler und Startups beim Eintritt in die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) zu unterstützen, bürokratische und finanzielle Hürden abzubauen und deutlich mehr gesellschaftliche Akzeptanz für die Rüstungsindustrie zu schaffen. „Deutschland muss in einer geopolitisch neuen Welt seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen, um Herausforderungen aggressiver Staaten erfolgreich begegnen zu können. Die hierfür nötigen Militärgüter bieten der heimischen Wirtschaft eine Gelegenheit, ihre Produktionsanlagen nach drei Jahren der Rezession und Stagnation wieder auszulasten“, so Ulrich Biedendorf abschließend.
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