Wie eine Agentur Arbeitgeber zu Marken macht

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Im Kampf um gutes Personal brauchen Unternehmen heute ein starkes Profil. Die Düsseldorfer Agentur Wybe hat sich auf Employer Branding spezialisiert und unterstützt ihre Kunden dabei, durch gezielte Aktionen aus der Masse herauszustechen. Entscheidender Faktor ist die eigene Belegschaft.

Autorin: Gesa van der Meyden; © Wybe; (Stand: 01/2026)

Jörg Wolf, Inhaber der Agentur Wybe, hat vor vielen Jahren eine wichtige Entscheidung getroffen. Nach anderthalb Jahren hat er sein BWL-Studium abgebrochen, weil er spürte, dass es ihn nicht glücklich macht. „Es ging dabei viel um Zahlen und Buchhaltung. Ich aber wollte gestalten. Kreativ sein“, sagt der 47-Jährige. Also ging er nach Hamburg und heuerte bei einer großen Werbeagentur an, einige Zeit später schrieb er sich für Kommunikations-Design in Dortmund ein. Während dieser Zeit baute er viele Kontakte in der Branche auf, entwickelte Kampagnen, gewann Preise. „Man kann nur gut in etwas sein, das man mit Herzblut macht“, sagt der gebürtige Bochumer.

Diese persönliche Erfahrung hat entscheidenden Einfluss darauf, wie seine Employer-Branding-Agentur Wybe heute arbeitet. Sie hat sich darauf spezialisiert, Arbeitgeber als Marken aufzubauen, ihr Profil zu schärfen und sie auf diese Weise von der Konkurrenz abzuheben. Menschen, die auf Jobsuche sind und sich mit diesen Unternehmen beschäftigen, sollen genau wissen, was sie erwartet. Dabei geht Employer Branding über bloße Werbung hinaus. Es vermittelt eine Haltung, ein Arbeitsethos, eine Überzeugung. „Niemand kann diese Botschaften besser vermitteln als die eigenen Angestellten. Wenn sie sich wohl fühlen und das nach außen kommunizieren, ist das die beste Werbung, die ein Arbeitgeber haben kann“, sagt Jörg Wolf.

Echte Mitarbeiter in Werbespots

Bevor er Mitte vergangenen Jahres Wybe gründete, war er knapp 20 Jahre lang in verschiedenen Funktionen bei der Düsseldorfer Agentur Castenow GmbH beschäftigt, ab 2018 als Geschäftsführer und ab Ende 2022 als Mitinhaber. Als die Agentur damals eine Kampagne für eine große Burgerkette entwickeln sollte, traten in den Spots nicht Schauspieler auf, um für das Unternehmen zu werben, sondern echte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das war damals ungewöhnlich und neu, hatte aber einen großen Effekt, weil es authentisch war. Heute ist es Standard. Die Mitarbeitenden arbeiten aktiv mit, und gemeinsam erzielen wir ausgezeichnete Ergebnisse“, erzählt der Familienvater. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in Jörg Wolfs Karriere war die Webserie „Die Rekruten“, die junge Menschen bei der Bundeswehr während ihrer Grundausbildung begleitete.

Wybe besteht aus einem kleinen Team, aber das ist durchaus gewollt. „Nach vielen Jahren in einer großen Agentur wollte ich wieder näher an die Kunden, tiefer in die Details einsteigen und mir für jeden Auftrag die nötige Zeit zu nehmen.“ Dabei kann Jörg Wolf auf ein weit verzweigtes Netzwerk aus Expertinnen und Experten zurückgreifen und zieht auch Inspiration aus seiner Tätigkeit als Autor (aktuelles Buch: „Employer Branding im Öffentlichen Sektor“), Redner auf Kongressen und Veranstaltungen und als Dozent an der Hochschule Düsseldorf.

Employer Branding besonders für Mittelstand interessant

Jede Kampagne beginnt mit einer intensiven Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wofür stehe ich morgens gern auf? Was gefällt mir, was nicht? Daraus entwickelt Wybe gemeinsam mit dem Unternehmen einen Markenkern, der zunächst nach innen und später nach außen kommuniziert wird. Zu ihm gehören ein stringentes Design in Optik und Sprache, das sich in allen öffentlichen Auftritten, Aktionen und Social-Media-Posts widerspiegelt. „Wichtig ist, das Unternehmen in einen Dialog mit der Außenwelt treten und ihre Identität und Überzeugungen erkennbar werden“, sagt der Experte.

Er sieht seine Agentur als eine Art Sparringspartner. „Wir wollen Wegbereiter sein und die Leute befähigen, Ideen selbst zu entwickeln und umzusetzen. Das erhöht die Identifikation der Belegschaft und macht das Employer Branding noch glaubwürdiger“. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, in denen die Hierarchien oft flacher und die Verbindung zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft enger sind, können von diesem Ansatz profitieren. Kleine Teams können sich viel eher als Familie mit gemeinsamen Werten präsentieren als Großunternehmen mit hunderten von Angestellten.

Zum Gesamtkonzept gehört auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, allerdings eher im organisatorisch-analytischen Teil, nicht im kreativen. „Beim Employer Branding geht es um die Botschaft, und die muss von den Menschen kommen. Die KI kann aber Daten auswerten, Rechercheergebnisse einordnen, Bezüge herstellen und Geschichten erkennen, die es wert sind, erzählt zu werden. Auch bestimme Tools wie etwa der sogenannte Bindungsradar, den wir entwickelt haben und der regelmäßig die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen überprüft, ist sehr hilfreich“, sagt der Agenturchef.


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