A 44: Eine Unendliche Geschichte?

Der Lückenschluss zwischen Ratingen und Heiligenhaus lässt auf sich warten

So soll die Angerbachtalbrücke nach ihrer Fertigstellung 2021 aussehen.

Text: Thomas Reuter, Fotomontage: Keipke Architekten

Ist es Wut? Oder ist es Galgenhumor? Der Heiligenhauser Unternehmer Peter Röskes, Röskes Logistics GmbH: „Wenn neue Fertigstellungsdaten aufgerufen werden, kann ich nur noch lachen. Ich glaube da nichts mehr. Erst wenn ich über die Straße wirklich einmal selber gefahren bin.“ Die Rede ist vom letzten Lückenschluss der Bundesautobahn 44 zwischen Heiligenhaus-Hofermühle und Ratingen Kreuz Ost. Der Bau der A 44 – eine unendliche Geschichte?
Das weiß auch die Politik: „Beim Thema A 44 rechne ich mit allem. Ich wage keine Zeitprognosen mehr.“ Martin Sträßer, CDU-Landtagsabgeordneter für Heiligenhaus, Wülfrath und Mettmann, gibt sich da keiner Illusion hin. „Immer neue Verzögerungen: Das ist einfach ärgerlich. Weil der Lückenschluss der A 44 eine Entlastung für die ganze Region wäre.“

„Beim Thema A 44 rechne ich mit allem“

Martin Sträßer, CDU-Landtagsabgeordneter

Seit rund 50 Jahren wird der Lückenschluss zwischen Velbert und dem Autobahnkreuz Ratingen-Ost geplant – eine Strecke von 9,8 Kilometern. Im April 2018 ist das Teilstück zwischen Velbert-Hetterscheid und Heiligenhaus für den Verkehr freigegeben worden. Den zweiten Bauabschnitt plant die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES). Sie realisiert im Auftrag des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen den Bau des Westabschnitts. Er verläuft vom Autobahnkreuz Ratingen-Ost bis zur neuen Anschlussstelle Heiligenhaus in der Ortslage Hofermühle – eine Strecke von etwa 4,4 Kilometer. Im Jahr 2024 soll dieser für den Verkehr frei gegeben werden. Klagen gegen den für Mitte 2021 erwarteten Planfeststellungsbeschluss könnten aber für weitere Verzögerungen sorgen. Die Grünen aus Ratingen erwarten, dass dieser Zeitplan nicht zu halten ist. Sie rechnen nicht mit einer Fertigstellung vor dem Jahr 2025.

50 Jahre Planung

Mehr als 50 Jahre wird dieser Lückenschluss inzwischen kontrovers diskutiert, geplant, umgeplant und scheibchenweise realisiert. Die A 44 wurde einst als Ost-West-Verbindung von Aachen bis in den damaligen Ostblock geplant, reicht heute bis zur thüringischen Landesgrenze. Die Autobahn ist in Teilstücken verwirklicht worden; insbesondere ab Dortmund Richtung Kassel. Nach dem augenblicklichen Planungsstand wird es keine durchgehende A 44 geben. Im Bereich Essen-Hattingen-Bochum sind zwar vereinzelt Teilstücke in einem anderen Zusammenhang vorgesehen beziehungsweise realisiert worden, eine durchgehende A 44 befindet sich nicht in Planung.

Der schnelle Weg zum Flughafen Düsseldorf

Erste Überlegungen wurden schon 1927 angestellt, als der Netzplan eine Autobahnverbindung von Dortmund über Kassel nach Erfurt vorsah. Als A 44 tatsächlich bezeichnet wurde 1963 das erste Teilstück freigegeben – zwischen Aachen-Brand und dem Autobahnkreuz Aachen. In der Region Düsseldorf folgte 1983 der Abschnitt Ratingen-Schwarzbach bis Ratingen-Ost. 1985 folgten Stockum – Düsseldorf-Messe sowie Velbert-Nord – Langenberg. 1992 dann wurde die Lücke zwischen der Landeshauptstadt und die Anbindung an Ratingen-Ost geschlossen – der schnell Weg Niederbergs zum Düsseldorfer Flughafen. Ratingens Innenstadt erfuhr seinerzeit eine starke Entlastung. Es sollten aber noch Jahre ins Land gehen, bis mit dem Bau des anschließenden Teilstücks von Ratingen-Ost bis Velbert begonnen wurde. Dieses ist jetzt seit zehn Jahren im Bau. 2018 wurde bekanntlich der Abschnitt zwischen Velbert und Heiligenhaus in Betrieb genommen.

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Marcus Stimler, Leiter der IHK-Zweigstelle Velbert, erklärt in dem Video die Bedeutung des Lückenschlusses der A 44.

Mit dem Bau der Brücke über das Angerbachtal wurde bereits im Jahr 2016 begonnen. Hier ist es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Bis Mitte 2021 soll sie jetzt aber fertiggestellt werden. „Mittlerweile haben bereits zwei Verschübe beim zweiten Teilbauwerk (Überbau Süd) stattgefunden und ein Dritter steht unmittelbar bevor“, so die DEGES auf IHK-Anfrage. Die Stahllieferungen aus Zwickau würden kontinuierlich laufen. Die Stahlteile werden nach Anlieferung auf der Baustelle verschlossert und verschweißt.
Dass seit der Inbertriebnahme des Teilstücks 2018 kein wirkliches Vorankommen spürbar ist, macht vielen zu schaffen. Insbesondere denen, die auf diese Wegeverbindung zwischen Landeshauptstadt sowie Niederberg und Ruhrgebiet angewiesen sind: Pendler und Unternehmer, die ihre Waren auf der Straße transportieren.

„Die LKW brettern nun durch unsere Dörfer“

Peter Röskes, Röskes Logistics GmbH

Peter Röskes beispielsweise beobachtet das „Treiben“ auf den Straßen rund um Heiligenhaus mit Unbehagen. „In Teilen hat sich das nach der Eröffnung des Teilstücks vor zwei Jahren noch verschlechtert. Wie im Stadtteil Hofermühle, durch den der Schwerlastverkehr von der Autobahn-Ausfahrt Hetterscheidt in Richtung Düsseldorf gelenkt wird.“ Anstatt über vernünftig ausgebaute Straßen fahren zu können, „brettern die Lkw nun durch unsere Dörfer“, sagt er mit Unverständnis.
Dieses Unverständnis kann Mettmanns Landrat Thomas Hendele nur teilen: „Die leistungsstarke Straßenverbindung Velbert – Ratingen-Ost fehlt. Für viele im Kreis ist aber eben diese Strecke von Bedeutung: für das tägliche Pendeln, für den Warentransport oder eben den Anschluss an den Düsseldorfer Flughafen.“

Über dieses Thema haben wir auch im IHK Quarterly 04/2020 berichtet.

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