Video-Chat mit Dr. Angela Merkel

Azubis diskutieren mit der Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin im Gespräch mit Acelya Akyol, Auszubildende bei Tünkers Maschinenbau in Ratingen

Text: Jürgen Grosche

Wann hat man einmal die Gelegenheit, sich anderthalb Stunden mit Angela Merkel zu unterhalten? Auszubildende aus verschiedenen Regionen Deutschlands, darunter drei aus dem Bezirk der IHK Düsseldorf, nutzten jetzt die Chance, der Bundeskanzlerin im Rahmen eines Bürgerdialogs zu schildern, wie ihre Ausbildung bislang in der Corona-Zeit lief, worüber sie sich Sorgen machen und worauf sie hoffen. Pandemiebedingt tauschte man sich natürlich virtuell, per Videokonferenz aus.
„Das war eine Erfahrung, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde“, sagt Dana Gärtner im Anschluss, „und ich kann nur allen, denen diese Chance auch einmal geboten wird, sagen, dass sie diese unbedingt nutzen sollen“. Die 22-Jährige absolviert in einem Düsseldorfer Postservice-Unternehmen seit August eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Die Kanzlerin wollte von den 18 Auszubildenden und Ausbildern erfahren, wie sie die vergangenen Monate mit der Pandemie erlebt haben und was für sie besonders herausfordernd war. IHKs und Handwerkskammern hatten die Kontakte vermittelt.

„Nicht die Flinte ins Korn werfen“

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Interessiert hörte sich Merkel die Geschichten der Azubis an, wie etwa Dana Gärtner ihren Weg vom Freiwilligen Sozialen Jahr mit Praktikum im Kreißsaal über das Arbeiten in der Gastronomie und Tests bei der Arbeitsagentur zu kaufmännischen Berufen fand und sich mit Unterstützung der Ausbildungsberaterin Monika Breuer von der IHK Düsseldorf erfolgreich beim Ausbildungsbetrieb bewarb. Das Unternehmen hat durch die Krise Kunden verloren, die in die Insolvenz gingen. „Machen Sie sich jetzt Sorgen?“, fragte die Kanzlerin. „Aktuell noch nicht“, antwortete die Auszubildende. Wenn sich die Probleme bei Kunden häufen, dann mache man sich aber schon Gedanken.
Mehr noch ist Dana Gärtner über die Entwicklung in der Gastronomie besorgt, die sie ja gut kennt. „Wie kann man Auszubildende motivieren, hier ihre Ausbildung fortzusetzen“, fragte sie die Kanzlerin. „Man lernt den Beruf fürs Leben“, antwortete Merkel und ermutigte, „nicht die Flinte ins Korn zu werfen“. Die Regierung versuche, den Unternehmen zu helfen. „Wir hoffen, dass wir Ende November Licht am Ende des Tunnels sehen, müssen aber noch durch einen harten Winter gehen.“

Dr. Angela Merkel mit ihren jungen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern. Die Aufzeichnung des Live-Chats steht online zur Verfügung.

Für Acelya Akyol sei die Schule gerade die größte Herausforderung, sagt die 20-jährige angehende Industriekauffrau. Seit August lernt sie beim Ratinger Maschinenbau-Unternehmen Tünkers. Im November beginnt der erste Berufsschulunterricht. Ursprünglich wollte sie Veranstaltungskauffrau werden, aber wegen Corona bekam sie nur Absagen. Zusammen mit Monika Breuer, der sie ausdrücklich dankte, erarbeitete Acelya Akyol dann neue Berufswünsche.
Im Video-Chat beklagte sie sich darüber, dass sie Absagen meist ohne Begründung erhielt. Die Kanzlerin ermunterte Unternehmen dazu, hier „ehrliche Antworten“ zu geben. „Es wäre vielleicht gut, wenn sie mitteilen, dass sie sich gerade in Schwierigkeiten befinden oder Kurzarbeit haben. Es verunsichert, wenn man keine Antwort bekommt.“

„Das Studium hatte wenig mit Praxis zu tun“

Markus Hanswin, Auszubildender bei der CAD Konstrukt Gebäudetechnik GmbH

In Langenfeld lernt Markus Hanswin den Beruf des Technischen Systemplaners bei der CAD Konstrukt Gebäudetechnik GmbH und arbeitet derzeit im Homeoffice. Von Merkel nach möglichen Vorteilen gefragt, sagte er: „Ich spare 40 Minuten beim Arbeitsweg.“ Allerdings sei es eine Umgewöhnung, von zu Hause aus zu arbeiten. Zunächst hatte der 22-Jährige ein Ingenieurstudium angefangen. „Das hatte aber wenig mit Praxis zu tun.“ Lüftungs- und Heizungssysteme planen, programmieren, das macht ihm nun mehr Spaß. Das griff Angela Merkel gerne auf: „Für mich ist die Berufsausbildung absolut gleichwertig mit dem Studium.“
Wie bewerten die Auszubildenden diesen Austausch mit der Bundeskanzlerin? Dana Gärtner ist „im Großen und Ganzen eigentlich zufrieden“. Merkel habe die Fragen souverän und soweit, wie es ihr möglich war, beantwortet. „Mir hat es auch gefallen, dass sie uns Auszubildenden und Ausbildern viele Rückfragen gestellt hat“, dadurch habe sie „ihr ernstes Interesse an unseren Geschichten und Anliegen zum Ausdruck gebracht“.

Den IHK-Service nutzen

Monika Breuer zieht ein ähnliches Fazit: Es sei wichtig, dass sich die Kanzlerin den Fragen der Auszubildenden gestellt habe. „Sie hat den jungen Menschen damit ein Zeichen gegeben, dass sie wahrgenommen und ernst genommen werden.“ Positiv sieht Monika Breuer auch, dass die Kanzlerin Hoffnung vermittelt habe, dass es auch nach der Krise weitergehe. Die Ausbildungsberaterin kann dies aus ihrer praktischen Erfahrung nur bestätigen: „Trotz Corona haben wir zufriedenstellend in Unternehmen vermittelt.“ Und auch für die nächste Runde empfiehlt sie Bewerbern und Unternehmen, den Service der IHK zu nutzen.

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