Bauen mit Grips

Ali Al Hariri flüchtete 2015 aus Syrien und sitzt inzwischen in Deutschland – auch beruflich – fest im Sattel.

Zufriedene Gesichter: Ausbilderin Regina Göpfert, Ali Al Hariri (rechts) und Willkommenslotse Rachid El Mellah.

Text: IHK-Redaktion, Foto: Paul Esser

Ali Al Hariri will nicht nur ein fleißiger Auszubildender, sondern ein Vorbild für andere sein. Dafür setzt er Himmel und Hölle in Bewegung. Nach seiner Flucht Ende 2015 landete Al Hariri zunächst in Dresden. Er lernte die deutsche Sprache im Sprint, nur ein Jahr später waren seine Deutschkenntnisse gut. Doch der junge Mann beeindruckt nicht nur mit seinen Sprachkenntnissen, er setzt auch beim Weg in seine berufliche Zukunft auf viel Erfahrung und Grips.
Doch der Reihe nach: In seinem Heimatland Syrien hatte der heute 31-jährige bereits an einem staatlichen Institut eine Ausbildung als Bautechnikerassistenz absolviert und berufliche Erfahrungen gesammelt. „Schon als Kind fand ich Gebäude und Straßen spannend. Deswegen war es für mich klar, dass ich in Deutschland Bauzeichner werden wollte“, erzählt er.

Von der Einstiegsqualifizierung zum Ausbildungsplatz

Al Hariri fand schnell den Weg zum Willkommenslosen der IHK Düsseldorf, Rachid El Mellah. Er berät und unterstützt Unternehmen sowie Geflüchtete und bringt sie passgenau zusammen. Nach kurzer Zeit fand sich für Al Hariri ein Praktikumsplatz als Bauzeichner. 2018 wurde daraus eine Einstiegsqualifzierung, 2019 hatte er einen Ausbildungsvertrag bei der Firma Hydro-Ingenieure zum Bauzeichner Fachrichtung Tief-, Straßen- und Landschaftsbau in der Tasche.
Hydro-Ingenieure ist seit über 35 Jahren als eine Ingenieuregesellschaft mit internationaler Ausprägung am Markt. Die Geschäftsfelder sind Dienstleistungen im Bereich Gewässer-, Hochwasserschutz-, Kanal- und Regenwasser sowie Kläranlagenplanungen. Mittlerweile ist Al Hariri im dritten Ausbildungsjahr und überzeugt auf ganzer Linie. „Wir erleben ihn als einen zuverlässigen und sehr höflichen Auszubildenden. Er geht interessiert und engagiert an die Fachthemen heran“, so seine Ausbilderin Regina Göpfert.

Foto: IHK Düsseldorf

„BEWERBER SIND MANGELWARE“

Rachid El Mellah, Willkommenslotse der IHK Düsseldorf

Dabei hat Al Hariri beruflich auf das „richtige Pferd“ gesetzt. „Auch wenn wir seit Jahren einen Bauboom erleben, sind Bewerber zum Bauzeichner Fachrichtung Tief-, Straßen- und Landschaftsbau nur sehr schwierig zu finden“, so El Mellah. Obwohl der Ausbildungsberuf spannend ist und viel zu bieten hat, wissen Bewerber oft nicht, was dahintersteckt: Drei Fachrichtungen prägen das Berufsbild des Bauzeichners – der Hochbau, der Ingenieurbau und der Tief-, Straßen und Landschaftsbau. Hier entstehen teils imposante Bauwerke der öffentlichen oder privaten Infrastruktur. Riesige Regenbecken oder Pumpanlagen sowie große Straßenbauprojekte werden im digitalen Geländemodell und in 3D konstruiert – eine anspruchsvolle Herausforderung für junge Menschen sein kann. „Hier sind noch offene und spannende Ausbildungsstellen zu besetzen“, so Göpfert.

Den Traumjob gefunden

Al Hariri hat jedenfalls seinen Traumjob gefunden und er bereitet sich nun auf seiner Abschlussprüfung vor. Doch damit ist für ihn das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. „Nach der Ausbildung will ich eine Weiterbildung als Bautechniker absolvieren“, sagt er. Übrigens: Das seit 2016 erfolgreiche Projekt „Willkommenslotse“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Mit ihrer Beratungs- und Vermittlungsleistungen unterstützen sie die berufliche Integration von Geflüchteten und bieten so den Unternehmen die Chance, Fachkräfte zu finden.

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