„Die Arbeitsprozesse werden immer digitaler“

Interview mit Dr. Charlotte Beissel, Personalleiterin der Stadtwerke Düsseldorf

Text: Werner Grosch, Foto: Stadtwerke Düsseldorf AG Unternehmenskommunikation

Seit 2017 leitet Dr. Charlotte Beissel den Personalbereich der Stadtwerke Düsseldorf. Der Stadtwerkekonzern beschäftigt rund 2.300 Mitarbeitende. Die Juristin verantwortet darüber hinaus die Corona Task-Force der Stadtwerke, widmet sich intensiv dem Thema Ausbildung und Fachkräftesicherung und wird ab 1. Oktober dem Vorstand angehören. Im Interview schildert die Personalleiterin die Herausforderungen der Pandemie und des digitalen Wandels und die Chancen, die darin für die Weiterentwicklung der Arbeitswelt und auch der Führungskultur in Unternehmen liegen.

Frau Dr. Beissel, wie gehen die Stadtwerke vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels mit dem Thema Ausbildung um?

Wir bilden derzeit rund 90 Auszubildende pro Jahr aus, das entspricht etwa vier Prozent der Beschäftigten. Diese Zahl ist seit Jahren weitgehend konstant geblieben, auch in der Pandemie-Zeit. Wir richten uns dabei bislang immer an unserem geplanten Bedarf aus, das heißt, wir schauen voraus auf die kommenden vier bis fünf Jahre. Der Personalbereich spricht regelmäßig mit allen ausbildenden Fachbereichen, um stets auf der Höhe der Zeit zu sein und rechtzeitig auf den Wandel der Berufsbilder und Anforderungen reagieren zu können.

Foto: Stadtwerke Düsseldorf

Wenn Sie nach Bedarf ausbilden, ist die Übernahmequote entsprechend hoch?

Die Quote liegt bei fast 100 Prozent. Dadurch konnten wir im vergangenen Jahr 16 Prozent der Stellenbedarfe durch den eigenen Nachwuchs besetzen.

Was tun Sie dafür, um geeigneten Nachwuchs zu finden?

Wir investieren viel in modernes Ausbildungsmarketing. Bisher ist es uns immer gelungen, junge Leute durch außergewöhnliche Angebote neugierig zu machen. Jugendliche konnten ihre potenziellen Ausbilder schon beim gemeinsamen Joggen, Rad fahren oder auch Computerspielen kennenlernen.

Sie sprachen den Wandel der Berufsbilder an. Wie wirkt sich das bei den Stadtwerken aus?

Natürlich werden auch Berufsbilder wie Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechaniker oder Elektronikerinnen und Elektroniker sowie deren Arbeitsprozesse immer digitaler. Das führt unter anderem dazu, dass auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im technischen Bereich neben gängigen Apps wie MS Teams oder Office-Anwendungen mit digitalen Tools zur Prozessunterstützung arbeiten können müssen. Insofern legen wir in der Ausbildung die Grundlage und investieren in Qualifizierung. Außerdem experimentieren wir in unserem Ausbildungszentrum mit neuen Technologien, unter anderem auch Augmented und Virtual Reality etwa für die gefahrlose Simulation von Situationen auf Baustellen, zum Beispiel dem Schweißen. Dass sich unsere Ingenieure mobil und virtuell auf Baustellen zuschalten, wird Teil der Zukunft sein. Insgesamt wird die digitale Art zu denken und zu arbeiten integraler Bestandteil jeder Ausbildung bei uns.

„Hybrides Arbeiten wird die neue Normalität sein“

Die Pandemie hat die digitale Entwicklung und die Veränderung von Arbeitswelten, Stichwort mobiles Arbeiten, beschleunigt. Wie weit wird dies die Arbeitsweise bei den Stadtwerken langfristig verändern?

Hybrides Arbeiten wird die neue Normalität sein. Allerdings ist mir eines wichtig: Etwa ein Drittel unserer Mitarbeitenden muss regelmäßig in der Stadt unterwegs beziehungsweise vor Ort sein, das ist und bleibt Teil unserer DNA. Die übrigen Bereiche sollten sich von dieser Realität nicht allzu weit entfernen, weshalb es bei den Stadtwerken Düsseldorf immer ein ausgewogenes Verhältnis aus Präsenz und mobilem Arbeiten geben wird. Das entspricht auch genau den Wünschen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer aktuellen Befragung angegeben haben: Die meisten wollen zwei Tage zuhause und drei Tage im Büro arbeiten. Das Büro ist aus drei Gründen weiter sehr wichtig: Als Ort der Begegnung – auch für informellen Austausch –, als Ort für Entscheidungsfindung, zum Beispiel in Gremien oder bei Rücksprachen mit Vorgesetzten, und vor allem auch als Ort für gemeinsame kreative Prozesse.

„Es geht nicht nur um strategische Konzepte, sondern auch um die Ansprache der Mitarbeitenden“

Diese hybride Arbeitsweise erfordert auch Veränderungen in der Unternehmenskultur?

Auf jeden Fall. Sie bedeutet eine Vielfalt an Möglichkeiten, mit der auch Führungskräfte und die gesamte Organisation umgehen können müssen. Es geht nicht nur um strategische Konzepte für eine neue Arbeitswelt, sondern auch ganz wesentlich um die Ansprache der Mitarbeitenden. Sorgen und Ängsten angesichts der großen Veränderungen und einer neuen Komplexität in der Arbeitswelt müssen wir – wie alle Unternehmen – mit Empathie begegnen. Und alle Beteiligten brauchen Zeit, um sich an die neue Veränderungsgeschwindigkeit zu gewöhnen. Sie wird bleiben.

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