Düsseldorf: Der Herbst wird spannend

Das IHK-Positionspapier bringt die Wünsche der Wirtschaft für die neue Ratsperiode auf den Punkt

Text: Matthias Roscher, Illustration: Carsten Tiemessen

Eine Überschrift trifft die aktuelle Lage auf den Punkt: „Düsseldorf wählt seine Zukunft“. Das ist mehr als eine bloße Erinnerung an den Pflichttermin am 13. September, denn die Landeshauptstadt wählt Stadtparlament und Oberbürgermeister unter dem Eindruck starker wirtschaftlicher Verwerfungen. Politik und Verwaltung sind die Adressaten eines Positionspapiers, das die Industrie- und Handelskammer auf der Grundlage einer umfangreichen Unternehmensbefragung als Handlungsempfehlung für die kommende Ratsperiode auf den Weg gebracht hat.

„Die Entwicklung verschärft sich deutlich“

Gregor Berghausen, IHK-Hauptgeschäftsführer

Innenstadtentwicklung, Verkehrspolitik, Sicherung von Gewerbe- und Industrieflächen, Stärkung des internationalen Wirtschaftsstandorts, Wohnungsbau, bürger- und unternehmensfreundliche Digitalisierung des Behördenapparats sind Themen, die in Zeiten starker wirtschaftlicher Einbrüche mit größter Dringlichkeit Antworten verlangen.
Bei der jüngsten Konjunkturumfrage rechneten 48 Prozent der Betriebe mit weiteren Verschlechterungen. „Die Entwicklung verschärft sich deutlich“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. Schon im April hatte Stadtkämmerin Dorothee Schneider wegen massiv wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen Alarm geschlagen: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Für Frank Hermsen, Vorsitzender des Forums Stadtmarketing, dessen Mitglieder an bekannten Innenstadtadressen wie Königsallee, Schadowstraße und Altstadt sitzen, wirkt Corona wie ein „Brandbeschleuniger“. Noch einmal: Vor genau diesem Hintergrund wählt Düsseldorf seine Zukunft.

Verkehrssysteme stärken

Der Wirtschaft geht es um die „Sicherstellung der Erreichbarkeit Düsseldorfs mit allen Verkehrsmitteln des Güter- und Personenverkehrs“. Verkehrssysteme müssen effizienter, Emissionen verringert und Fahrverbote vermieden werden. Im IHK-Positionspapier stehen die Stärkung des ÖNPV unter Berücksichtigung des motorisierten Individualverkehrs, der Ausbau des Hauptbahnhofs zum „multimodalen Knotenpunkt“, Testfelder zur Erprobung innovativer Verkehrskonzepte und der Ausbau von Park, Bike & Ride in Kooperation mit den Nachbargemeinden. Außerdem die Aussetzung der Umweltspuren bis adäquate Alternativen durch den ÖPNV und Umsteigemöglichkeiten existieren, ein in sich geschlossenes Radwegenetz parallel zu den Hauptverkehrsstraßen und nicht zuletzt der Neubau einer Rheinbrücke zwischen den Hafenstandorten Neuss und Düsseldorf.
Bei wachsender Einwohnerzahl sei der Bedarf an Gewerbe- und Wohnflächen hoch, die Verkehrsinfrastruktur jedoch häufig überfordert, sagen die Unternehmerinnen und Unternehmen. Dementsprechend soll das Konzept Raumwerk D unter stärkerer Berücksichtigung wirtschaftlicher Belange vorangebracht werden. Verlangt wird die Entwicklung einzelner Quartiere wie Innenstadt, Medienhafen und verschiedener Stadtteile sowie eine zielgerichtete Hochhaus-Planung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Eine attraktive Stadt

Und es geht um die bleibende Attraktivität der City. Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität und Rahmenbedingungen für Handel, Gastronomie und Dienstleistung müssen verbessert werden. Frank Hermsen vom Stadtmarketing-Forum mahnt: „Wenn wir weiterhin nur Hürden aufbauen, machen bald andere das Rennen.“ Ja, die Pandemie sei ein starker Bremser, jedoch böten sich für die Nach-Corona-Zeit viele Chancen. Stichworte sind die Idee eines Rheinboulevards vom Wehrhahn über Schadowstraße, Königsallee, Altstadt bis zum Rhein, innovative Citylogistik-Konzepte wie Cargo-Tram und Mikro-Depots, attraktive Aufenthaltsflächen wie jetzt am Kö-Bogen II.

Es fehlt an Flächen

Industrie und Gewerbe leiden an der Verknappung geeigneter Flächen, das langfristige Fehlen von 146 Hektar bedeutet ein Verlust an Planungssicherheit. Helfen können Gewerbe- und Industrie-Kernzonen, vorausschauende Bauleitplanung zur Vermeidung von Nutzungskonflikten, Flächenvorratspolitik im großen Stil und flächendeckende Versorgung mit digitaler Infrastruktur. Außerdem wird in dem IHK-Positionspapier für eine ganzheitliche, wirtschaftsfreundliche Umsetzung der bis 2035 angestrebten Klimaneutralität plädiert.
Große Branchenvielfalt, international ausgerichtete Unternehmerschaft und hohe Lebensqualität machen Düsseldorf zum begehrten Standort für wachstumsorientierte Unternehmen. Garanten dafür sind auch Messe und Flughafen. Beide sollen gestärkt, der Airport in seiner angestrebten Kapazitätserweiterung unterstützt werden. Ein Vorschlag zum Schluss, passt auch gut zum Thema internationale Strahlkraft: „Die Landeshauptstadt soll bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele eine Führungsrolle anstreben.“

Was sagen die Bürgermeisterkandidaten zur den Forderungen der Wirtschaft? Antworten gibt es in der IHK-Wahlarena.

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