Frauen brauchen Mut, an ihr Können zu glauben

100 Gäste waren beim digitalen 8. Frauen-Wirtschaftsforum women2Business dabei

Keynote-Sprecherin Dr. Simone Bagel-Trah, Vorsitzende des Aufsichtsrates und des Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA

Text: Gesa van der Meyden, Fotos: Melanie Zanin

Alles ist anders in diesem Jahr. Das galt auch für das Frauen-Wirtschaftsforum women2Business am 2. September, zu dem die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf und das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann zum achten Mal in die IHK lud. Statt voller Sitzreihen standen im Ernst-Schneider-Saal Kameras und Scheinwerfer für die Übertragung der Vorträge und Gesprächsrunden. An der Zahl der Teilnehmerinnen änderte das veränderte Setting allerdings kaum etwas. Wieder hörten und sahen rund 100 interessierte Frauen in Führungspositionen und solche, die es einmal werden möchten, zu.
Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK, betonte in seiner Begrüßung, dass die Wirtschaft es sich nicht leisten könne, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten, besonders in Zeiten von Fachkräftemangel. „In unserer Region gibt es zum Glück ermutigende Zahlen, dennoch brauchen wir noch mehr Anstrengungen, um Frauen in Führungspositionen zu bringen.“ Der enorme Zuspruch, den women2Business jedes Jahr erhalte, sei eine große Motivation.

„Corona hat über Nacht möglich gemacht, wofür wir lange gekämpft haben“

Dorothea Körfers, Kompetenzzentrums Frau und Beruf

Co-Gastgeberin Dorothea Körfers, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Beruf, erkennt Chancen im pandemiebedingten Umbruch. „Corona hat über Nacht möglich gemacht, wofür wir lange gekämpft haben, etwa Home-Office und familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle.“ Es sei an der Zeit, Führung neu zu definieren und für die Vereinbarkeit von Familie und Job zu öffnen. „Wir brauchen den Mut der Unternehmen, Chefposten auch mal in Teilzeit oder an ein Duo zu vergeben.“ Die per Video zugeschaltete NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, ermutigte Frauen dazu, in den Vordergrund zu treten. „Machen Sie sich und Ihre Leistung sichtbar.“

Vielfältig Teams und Unternehmergeist

Wie wenigen anderen in Deutschland ist das der Keynote-Sprecherin des Frauen-Wirtschaftsforums gelungen, Dr. Simone Bagel-Trah. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates und des Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA ist die einzige Frau an der Spitze des Aufsichtsrates eines DAX-Unternehmens. In ihrem Vortrag „Warum vielfältige Teams und Unternehmergeist so wichtig sind“ erklärte die promovierte Biologin und Ururenkelin des Henkel-Gründers Fritz Henkel, dass es darauf ankomme, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen einzubeziehen. „Das macht Führung nicht immer einfacher, führt aber zu einem besseren Ergebnis.“ Von einer Frauenquote hält sie wenig, es komme auf die Qualität an. Frauen bräuchten den Mut, an ihr Können zu glauben und es bei Bewerbungen auf Führungsposten offensiv auszuspielen. „Sagen Sie: Ich kann das. Ich möchte das.“

„Warten Sie nicht darauf, wachgeküsst zu werden“

Diane Jägers, NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung

Im Gespräch mit Diane Jägers, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, betonten beide, dass Frauen zwar strukturell häufig noch benachteiligt seien, aber auch Chancen ergreifen müssten, wenn sie sich böten. „Warten Sie nicht darauf, wachgeküsst zu werden, sondern setzen Sie sich Ihre eigenen Ziele. Machen Sie sich dabei frei von den Erwartungen anderer und fragen sich: Was genau will ich erreichen und was muss ich dafür tun?“, sagte Jägers.

Ein Fall für zwei

Diesen Rat haben die beiden folgenden Rednerinnen bereits beherzigt. Julia Staudt und Anna-Katharina Schak teilen sich eine Führungsposition im Management der Deutschen Bahn und erzählten darüber in ihrem Vortrag „Ein Fall für zwei: Erfolgreich führen im Job-Sharing.“ Dass es überhaupt zu der Job-Teilung kam, geht auf sie zurück. „Wir haben gesehen, dass eine Stelle für Führungskräfte ausgeschrieben ist, wollten aber beide nicht Vollzeit arbeiten, weil wir jeweils zwei Kinder im Schulalter haben. Also haben wir beschlossen, uns als Duo zu bewerben“, sagte Julia Staudt. Heute arbeiten beide 75 Prozent, haben je einen Tag pro Woche frei und sind hochzufrieden. „Wir sind durch das Sharing nicht nur sehr effizient, wir haben auch viel Spaß.“

„Wichtig ist, dass Sie auf sich hören“

Prof. Dr. Heidi Möller, Universität Kassel

Zum Abschluss des virtuellen Forums, durch das Moderatorin Dr. Marie-Christine Frank führte, sprach Prof. Dr. Heidi Möller, Professorin für Theorie und Methodik der Beratung an der Universität Kassel, zum Thema „Frau.Macht.Karriere in KMU – Erfolgsfaktoren und Stolpersteine“. Ihre These: „Die meisten Frauen haben beim Thema Macht einen blinden Fleck.“ So erklärten Frauen Erfolge oft mit äußeren Umständen oder Glück, während Männer voller Selbstbewusstsein sagten, dass sie eben gut seien. „Ein anderes Beispiel sind Stellenausschreibungen: Wenn Frauen eine von 20 Anforderungen nicht erfüllen, bewerben sie sich nicht. Männer bewerben sich, wenn sie nur die Hälfte erfüllen.“ Heidi Möller ermutigte Frauen, Konkurrenz nicht mit Rivalität gleichzusetzen und Macht als Chance zu begreifen, nicht als Bedrohung der eigenen Beliebtheit. Auf die Frage von Frank, wie zuversichtlich die Professorin in Sachen Gleichberechtigung in die Zukunft schaue, lächelte sie: „Ich glaube, dass wir irgendwann die Hälfte des Himmels bekommen werden.“

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