Inklusion wird großgeschrieben

Bei der Spedition Winland zählt die Leistung, nicht das Handicap

Winland-Geschäftsführer Frank Öland mit der Auszubildenden Prisca Büchel.

Text: Gesa van der Meyden, Foto: Paul Esser

Die Auszubildende des Speditionsunternehmens Winland aus Ratingen ist von Geburt an schwerhörig. Ihre gute Arbeit leidet nicht darunter. „Die Leute haben oft ein falsches Bild von Behinderung“, sagt André Lutz Overrath, Fachberater für Inklusion im Bereich Fachkräftesicherung bei der IHK Düsseldorf.
Aber von Anfang an: Prisca Büchel hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Im Zuge ihres Fachabiturs musste die 20-Jährige ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren. Doch sie erhielt eine Absage nach der anderen. „Eine Lehrerin meines Berufskollegs hat schließlich den Kontakt zur Spedition Winland vermittelt“, sagt die junge Ratingerin. Sie stellte sich vor und bekam noch am selben Tag die Zusage. Sie fand sich schnell zurecht, obwohl sie sich zuvor noch nie mit dem Thema Spedition auseinandergesetzt hatte. Der Chef war zufrieden. „Ich habe sie gefragt, ob sie sich vorstellen kann, später eine Ausbildung bei uns zu machen“, sagt Frank Öland.

Technik kann helfen

Das war 2018. Heute ist Prisca Büchel Auszubildende zur Speditionskauffrau im ersten Lehrjahr. Der Chef und die 16 Kolleginnen und Kollegen schätzen ihren Einsatz, ihre konzentrierte Art und ihre Bereitschaft, stetig dazuzulernen. Dass sie seit ihrer Geburt schwerhörig ist, fiel zunächst kaum auf. „Es wurde für mich irgendwann schwierig, wenn im Büro viele Kollegen gleichzeitig gesprochen haben. Da habe ich dann nur noch einen Wortsalat wahrgenommen“, erzählt sie. Auch beim Telefonieren gab es anfangs Probleme. „Ich wusste nicht, wie ich den Hörer halten soll, um den anderen gut zu verstehen. Dann haben wir das Telefon anders eingestellt und es funktionierte viel besser.“ Vom Großraumbüro zog sie schließlich in einen kleinen Raum, den sie sich mit nur noch einer Kollegin teilt.
Für Frank Öland ist die Tatsache, dass seine Auszubildende eine Behinderung hat, nur eine Randnotiz. Ab und zu falle es auf, etwa, weil sie es nicht sofort verstehe, wenn ihr jemand von weitem etwas zurufe, aber das sei kein Grund, jemanden mit ihren Fähigkeiten nicht zu fördern.

Foto: IHK Düsseldorf

„Es geht darum, Vorurteile zu widerlegen und Ängste abzubauen“

André Lutz Overrath, IHK Düsseldorf

„Sie hat es von Beginn an gut gemacht, ist schnell mit unserem System klargekommen. Sie hat viel Eigeninitiative gezeigt und einfach die Kollegen gefragt, wenn sie etwas nicht wusste. Außerdem passt sie menschlich gut ins Team.“ Er kann sich gut vorstellen, die junge Frau nach ihrer Ausbildung fest zu übernehmen.
Das Beispiel zeigt, dass die Beschreibung „behindert“ oft mit falschen Vorstellungen einhergeht. „Der überwiegende Teil der Behinderungen ist nicht auf den ersten Blick erkennbar“, sagt Overrath. Oft seien die Handicaps nicht so schwerwiegend, dass sie einem Arbeitsverhältnis im Weg stünden, oder sie seien überhaupt nicht sichtbar, wie etwa bei psychischen Erkrankungen. „Es gehört deshalb zu meinen wichtigsten Aufgaben, Vorurteile zu widerlegen und Ängste abzubauen. Oft verzichten Unternehmen unbewusst auf hervorragende Bewerber, die besonders motiviert und fleißig sind, weil sie mehr Hürden überwinden mussten als andere.“

Geld von der Agentur für Arbeit

Zudem gibt es die Möglichkeit, einen Ausbildungszuschuss von der Agentur für Arbeit zu beantragen, was im Fall der Firma Winland auch geschehen ist. In der Regel liegen solche Zuschüsse zwischen 40 und 60 Prozent des Gehalts, die Berechnungsgrundlage ist das letzte Ausbildungsjahr. Es liegt allerdings immer im Ermessen der Reha-Träger wie der Agentur für Arbeit oder der Deutschen Rentenversicherung, in welcher Höhe gezahlt wird. „Da kann während einer dreijährigen Ausbildung ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen“, sagt Overrath.
Für Prisca Büchel zählte allein, eine Arbeit zu finden, unbedingt. „Ich wollte auf keinen Fall nichts machen und herumsitzen. Der Plan B wäre ein Studium gewesen oder ein freiwilliges soziales Jahr. So aber bin ich glücklich, hier zu sein und diese Chance bekommen zu haben.“

Inklusion ist im Online-Magazin der IHK Düsseldorf immer wieder ein Thema. Eine Reihe von Beiträgen zeigt, dass die Ausbildung und die Integration von Menschen mit Handicap auch für die Unternehmen viele Vorteile bietet.

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Lutz Overrath berichtet von seiner Arbeit als Fachberater für Inklusion bei der IHK Düsseldorf.

Eine Reihe von Beiträgen zeigt, dass die Ausbildung und die Integration von Menschen mit Handicap auch für die Unternehmen viele Vorteile bietet.

Wer Menschen mit Handicap einstellen möchte, kann bei der IHK Düsseldorf Unterstützung finden. Mehr Dazu gibte es im Internetauftritt der IHK unter dem Stichwort Inklusionsberatung.

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