Mettmann ist schwierig zu erreichen

Der Wirtschaft ist unter anderem die Verkehrs- und Innenstadtentwicklung wichtig

Text: Thomas Reuter, Illustration: Carsten Tiemessen

Es ist ein weites Feld, das die Unternehmen der Kreisstadt Mettmann als „zu beackern“ ausweisen. Im Vorfeld der Kommunalwahl hat die IHK die Positionen der Wirtschaft durch eine Umfrage gesammelt. Aus denen würde sich ein stattliches Arbeitsprogramm für die Stadt ergeben. Eine Stadt, der es nicht nur an finanziellen Mitteln mangelt, sondern auch an Gewerbeflächen, die schnell einer Bebauung zugeführt werden können. Ganz oben auf der Agenda der Wirtschaft: der Verkehr in Mettmann. Die Kreisstadt müsse die Erreichbarkeit für alle sicherstellen. Besonderen Bedarf sehen die Unternehmer bei der Fahrradinfrastruktur. Im IHK-Positionspapier steht diese Forderung an erster Stelle: Für die in Mettmann ansässigen Betriebe ist die Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln wesentlich. Das gelte für die Verbesserung des motorisierten Individualverkehrs in der Innenstadt ebenso, wie für die Fahrradwege. Daher sei eine Instandsetzung der in weiten Teilen maroden Radwege eine wichtige Aufgabe. Beim Ausbau des Radwegenetzes müsse darauf geachtet werden, dass neue Wege zu den Betrieben so gestaltet und ausgebaut werden, dass sie für Pedelecs und E-Bikes tauglich sind.

Gefragte Radwege

Für Stefan Reichstein, seit vergangenem Frühjahr Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, ist diese Forderung „durchaus eine Überraschung“. Denn: „Ich bin seit über einem Jahr im Mettmanner Rathaus tätig. Ich kann mich nicht an ein Gespräch erinnern, in dem ein Unternehmer den Wunsch nach besseren Radwegen geäußert hätte.“ Dennoch: Mettmann sei an diesem Thema dran. Daran würden auch der ADFC und der Polizeisportverein beteiligt. Darüber hinaus erarbeitet der Kreis Mettmann ein Radwegekonzept, das über die Gemeindegrenzen hinausgehen soll.
Und noch ein Anliegen löst bei Reichstein zumindest etwas Verwunderung aus: Kritik am Verkehr. Die Unternehmerinnen und Unternehmer blicken kritisch auf die Netztrennung, wollen diese dauerhaft aufheben. Dies sei nötig, um die Erreichbarkeit der Innenstadt dauerhaft sicher zu stellen. Zur Prüfung spricht sich die Wirtschaft für ein Shared Space-Konzept für den Bereich Jubiläumsplatz aus – inklusive einer Durchfahrtsmöglichkeit für Kunden, Lieferanten – auch für größere Lieferfahrzeuge. Wie es in der Sache „Netztrennung“ weitergehe, sei offen, so Wirtschaftsförderer Stephan Reichstein: „Jetzt gibt es erst einmal eine Testphase. Danach steht eine Bewertung an.“

„Wir haben in Mettmann eine städtebaulich attraktive Innenstadt“

Willi Seibel, Mono GmbH

Verkehr, Erreichbarkeit, Innenstadt: Wie bedeutsam dieser Themenkomplex für die Wirtschaft ist, macht Unternehmer Willi Seibel, Sprecher des IHK-Ausschusses Mettmann-Wülfrath, klar: „Wir haben in Mettmann eine städtebaulich attraktive Innenstadt. Jetzt muss es darum gehen, alle relevanten Akteure an einen Tisch zu holen, um gemeinsam über die Gestaltung des Jubiläumsplatzes und über die Anbindung der Galerie Königshof an die Fußgängerzone zu beraten.“
Daher müsse die Attraktivität der Innenstadt erhöht werden. Zwar stellt die Wirtschaft anerkennend fest, dass in den vergangenen Jahren Aufwertungen in der City erfolgt seien – die Revitalisierung der Galerie Königshof, eine modernere Fußgängerzone. Aber Rat und Verwaltung müssten vorhandene Chancen besser nutzen. Dazu zähle eben die Verknüpfung der Einkaufsgalerie mit der Fußgängerzone, aber eben auch die Gestaltung des Jubiläumsplatzes. Für die Wirtschaft ist eine attraktive Innenstadt ein wichtiger Standortfaktor. Vor diesem Hintergrund möchten die Unternehmer stärker in Stadtentwicklungsprozesse eingebunden werden. Die Reaktivierung des Arbeitskreises Innenstadt sei hier beispielhaft genannt, so Seibel.

Gewerbeflächen und Wohnraum auf der Agenda

Weitere Anliegen der Unternehmerschaft sind die Gewerbeflächenentwicklung und die Schaffung von Wohnraum. Die kurzfristige Bereitstellung von Flächen für gewerbliche Entwicklungen verbunden mit der notwendigen Ausstattung von zum Beispiel der digitalen Infrastruktur ist priorisiertes Anliegen. „Die Gewerbeflächenentwicklung muss als Zukunftsaufgabe verankert werden“, lautet die Kernforderung.
Vor dem Hintergrund der Fachkräftegewinnung misst die Wirtschaft der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum eine hohe Bedeutung bei – „und das für unterschiedliche Bedarfsgruppen“. Und: Um zusätzlichem Verkehr, der durch neue Wohnbauprojekte entstehe, gerecht zu werden, „sind mit Projektentwicklern alternative Mobilitätskonzepte zu erarbeiten“. Da ist es wieder – das Mettmanner Dauerthema: der Verkehr …

Was sagen die Bürgermeisterkandidaten zur den Forderungen der Wirtschaft? Antworten gibt es in der IHK-Wahlarena.

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