Pro & Contra: Corona-Hilfen

Hat den Unternehmen im ersten Halbjahr 2020 die Unterstützung von Bund und Land genutzt?

Text: Lothar Schmitz, Illustration: Moritz Blumentritt

Pro: Viele Firmen sind bis zum Herbst gut durch die Krise gekommen – auch wegen der Hilfen

Die Corona-Hilfen haben gewirkt!
Wir betreuen mehr als 3.500 Firmenkunden aus dem Mittelstand. Die meisten von ihnen sind bisher recht gut durch die Krise gekommen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Betriebe haben vor der Krise gut gewirtschaftet und konnten Liquiditätsreserven bilden. Seit März haben sie – aus der Not heraus – ein konsequentes Kostenmanagement verfolgt. Und außerdem haben viele von ihnen die Hilfen von Bund und Land in Anspruch genommen.
Als sich im März die Corona-Krise verschärfte, hat Deutschland schnell reagiert. Der Wirtschaftskreislauf durfte nicht zum Erliegen kommen, die Versorgung mit Liquidität war elementar. Unser Haus hat deshalb in nur vier Tagen alle technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die entsprechenden Kreditanträge geschaffen. Dazu muss man wissen, dass für sämtliche Kredite der KfW-Bank und der NRW. Bank das Hausbankprinzip gilt – Unternehmen können die Hilfen also nicht direkt dort beantragen, sondern über uns.




Holger Hellmig ist seit 2007 Bereichsleiter im Firmenkundengeschäft und Generalbevollmächtigter der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Foto: Heike Katthagen

Allein bis 31. Juli erreichten uns 790 Anträge für Soforthilfen, unser Haus bewilligte Kredite mit einem Gesamtvolumen von über 145 Millionen Euro. Wie ich aus vielen Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern weiß, kamen diese Hilfen schnell an und haben gewirkt. Die Betriebe haben sie beispielsweise eingesetzt, um wegfallende Einnahmen zu ersetzen und Kosten zu decken. Viele haben die Gelegenheit aber auch genutzt, um ihr Geschäftsmodell anzupassen, neue Vertriebswege zu erschließen oder sich stärker zu digitalisieren. So haben sie die Grundlage gelegt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Um sicherzustellen, dass der Prozess zur Beantragung nicht zu lange dauert, hat die Sparkasse den Unternehmen Überbrückungskredite zur Verfügung gestellt. Insgesamt – und auch im Vergleich zu den anderen EU-Staaten – sind die Corona-Hilfen in Deutschland ein Erfolg. Ohne die Hilfen hätten es viele Firmen erheblich schwerer

Contra: Die Corona-Hilfen gingen an den Bedürfnissen von Solo-Selbstständigen vorbei!

„Es gibt erheblichen Bedarf für unbürokratische Soforthilfe zugunsten von Kleinstunternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständigen und Angehörigen der Freien Berufe, die in der Regel keine Kredite erhalten und über keine Sicherheiten oder weitere Einnahmen verfügen“, hieß es im März vom Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium. Die finanzielle Soforthilfe sah für Freiberufler wie mich und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten eine Einmalzahlung bis 9.000 Euro für drei Monate vor. Viele Solo-Selbstständige haben diese Soforthilfe dankbar in Anspruch genommen, ich auch. Gedacht war der Zuschuss, um akute Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Bei vielen – wie auch bei mir – waren die Umsätze schlagartig eingebrochen, während Betriebskosten, etwa für Mieten, Kredite für Betriebsräume oder Leasingraten, weiterliefen.




Jürgen Hillebrand ist Solo-Selbstständiger in Ratingen. Er arbeitet als Webdesigner und Fotograf.
Foto: Jutta Hillebrand

Was wir nicht wussten: Diese Zuschüsse durften nicht zur Deckung der privaten Aufwendungen, also der Lebenshaltungskosten, aufgewendet werden. Das wurde erste einige Wochen später kommuniziert. Diese Nachricht erwischte viele Solo-Selbstständige kalt, sie hatten bis dahin den Zuschuss bereits ganz oder in Teilen verbraucht, um ihr Leben aufrecht zu erhalten. Nun sollten sie dieses Geld zurückzahlen? Das war doch absolut wirklichkeitsfremd! Viele meiner Bekannten und Geschäftspartner, etwa aus der Eventbranche, hatten ab Mitte März keine Einkünfte mehr. Sie brauchten nicht unbedingt Geld für Betriebsmittel – oder nur in geringem Umfang –, aber sehr wohl, um insgesamt weiter über die Runden zu kommen.
Erst durch heftige Proteste ist die Politik auf diesen Fehler aufmerksam geworden und hat dann nachgebessert. Danach durften immerhin 2.000 der 9.000 Euro zur Deckung privater Aufwendungen verwendet werden. 7.000 Euro gab es trotzdem nur für Betriebskosten. Umgekehrt wäre es viel hilfreicher gewesen!

Über dieses Thema haben wir auch im IHK Quarterly 04/2020 berichtet.

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