Ratingen: Die Infrastruktur im Blick

Die Wirtschaft wünscht sich moderne Mobilitätskonzepte

Text: Thomas Reuter, Illustration: Carsten Tiemessen

Nur ein Steinwurf vom Flughafen entfernt. Direkte Straßen- und Schienenverbindungen zur Landeshauptstadt. Ratingen, die einwohnerstärkste Gemeinde im Neanderland, gehört zu den Städten des Kreises Mettmann, die von der Nähe zur Landeshauptstadt profitieren. Viele Unternehmen haben sich in der Dumeklemmer-Stadt niedergelassen und sorgen für stattliche Gewerbesteuereinnahmen, die Ratingen auch in Corona-Zeiten nicht unruhig werden lassen. „Wir haben weiter Handlungsspielräume“, hatte Kämmerer Martin Gentzsch unlängst bekräftigt. Mit 108 Millionen Euro wurde im Etat 2020 geplant. Zwischenzeitlich lagen die Erwartungen gar bei 120 Millionen, pendeln sich nun um die 100 Millionen Euro ein – „mit all den Corona-Unwägbarkeiten“, wie Stadtsprecherin Trimborn sagt.

„Die Realisierung der Westbahn ist uns wichtig“

Olaf Tünkers, Tünkers Maschinenbau GmbH

Entsprechend positiv schaut auch die Wirtschaft auf Ratingen, äußert in dem IHK-Positionspapier aber infrastrukturelle Wünsche. „Die Realisierung der Westbahn ist uns wichtig, weil so die Erreichbarkeit der Stadtteile Lintorf, Tiefenbroich und West verbessert und weil dadurch auch mehr Personenverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann“, sagt Olaf Tünkers, Vorsitzender des IHK-Ausschusses Ratingen.
Die Wirtschaft empfiehlt in ihrem IHK-Positionspapier daher der Stadt, sie möge weiterhin eng mit der Standortinitiative Tiefenbroich/West und den angrenzenden Kommunen zusammenarbeiten. Deren Unterstützung könnte dem Wunsch nach der Westbahn Gewicht verleihen. In diesem Zusammenhang auch interessant: Die Stadt Wülfrath und der Kreis Mettmann sind Förderer einer Wiederbelebung der Angertalbahn von Wülfrath über Heiligenhaus nach Ratingen – mit Anschluss an das Schienennetz nach Düsseldorf.

ÖPNV immer mehr im Fokus

Überhaupt: Die Wirtschaft misst der Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs einen wachsenden Stellenwert bei. Daher sollte auch die Stadt Anreize schaffen, dass Mitarbeiter Ratinger Unternehmen auf den ÖPNV umsteigen – zum Beispiel durch städtische Zuschüsse zum Jobticket. „Moderne Mobilitätskonzepte“, sind sich die Unternehmerinnen und Unterneghmer in der IHK-Umfrage sicher, „können Parkplätze ersetzen“. Das gelte speziell mit dem Blick auf Ratingen-Ost. Auch auf der Agenda: der baldige Weiterbau der A 44 von Ratingen in Richtung Heiligenhaus. Die Verzögerung des Lückenschlusses bleibt ein Dorn im Auge der unternehmerischen Betrachtung.
Die Wirtschaft weiß, dass Ratingen wegen seiner günstigen Lage zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet ein gefragter Gewerbe- und Industriestandort ist. „Die Kommune ist zwar grundsätzlich gut mit Gewerbe- und Industrieflächen ausgestattet, eine Herausforderung wird es aber sein, auch langfristig den Bedarf decken zu können“, stellt man daher fest. Und damit steht sie nicht alleine: Laut aktuellem Siedlungsflächenmonitoring der Bezirksplanungsbehörde fehlen der Kommune zwölf Hektar, die sie nicht im Stadtgebiet ausgewiesen bekommt. „Deshalb benötigt Ratingen heute schon eine zukunftsweisende Gewerbe- und Industrieflächensicherungsstrategie“, merkt die Wirtschaft an.

Gewerbeflächen entwickeln

Dazu gehört aus Sicht der Unternehmen unter anderem, dass bestehende Gewerbe- und Industriegebiete auf Brachflächenpotenziale hin untersucht werden, um dann mit den Eigentümern Nachnutzungskonzepte zu erarbeiten. Außerdem sollten in Zukunft auch dort, wo es regionalplanerisch möglich ist, neue Gewerbeflächen bedarfsgerecht entwickelt werden – „natürlich unter der Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Vorgaben“.
Auf der Agenda der Unternehmerschaft stehen ferner Themen wie die Schaffung neuen Wohnraums („auch hier löst die gute Lage Ratingen Bedarfe aus“). Eine attraktive Wohnraumpolitik unterstütze die Bemühungen der Wirtschaft für bei der Fachkräftesicherung. Und: IHK und Unternehmen schauen weiter in die Zukunft – über eine Wahlperiode hinaus. Sie unterstützen ausdrücklich die Bewerbung der Rhein Ruhr City für die Olympischen Sommerspiele 2032. „Von der Strahlkraft eines solchen Großereignisses muss Ratingen profitieren. Daher sollte Ratingen mit den anderen Kommunen im Kreis Mettmann unter Einbindung der Wirtschaft ein Konzept entwickeln.“

Was sagen die Bürgermeisterkandidaten zur den Forderungen der Wirtschaft? Antworten gibt es in der IHK-Wahlarena.

Ihre Meinung ist gefragt: Haben Sie Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an die Redaktion.