Seeluft am Carlsplatz

Das Fachgeschäft Manns Wassersport ist 175 Jahre alt geworden

Zwei Generationen steuern die Geschicke des Fachgeschäfts: Josef Knappheide (rechts) mit Sohn Sebastian.

Text: Jürgen Grosche, Fotos: Paul Esser

Wer das Geschäft Manns Wassersport an der Hohe Straße im Zentrum Düsseldorfs besucht, fühlt sich gleich an die Küste versetzt. Orange-weiße Rettungsringe und hölzerne Steuerräder hängen an der Decke, Segelboote und Leuchttürme zieren Regale an der Wand. Der Verkaufsraum ist gefüllt mit Textilien und Gerätschaften für Angler, Segler und andere „Entdecker der Weltmeere“, wie es auf der Homepage heißt.
In einer schnelllebigen Zeit wie heute ist es schon etwas Besonderes, wenn ein Fachgeschäft auf eine 175-jährige Geschichte zurückblicken kann und sich aktuell als gut sortierter Spezialanbieter tapfer am Markt hält. Genau das ist Manns Wassersport gelungen. Als Familienbetrieb wird das Geschäft seit 58 Jahren von Josef und Ilse Knappheide, inzwischen mit Unterstützung von Sohn Sebastian, geleitet. Eine Familientradition, die auch so schon heute nicht mehr alltäglich ist.

Josef und Sebastian Knappheide zur Geschichte und zur Zukunft von Manns Wassersport

Im Oktober 1962 übernahm Josef Knappheides Vater, der ebenfalls Josef hieß, das Geschäft vom Vorbesitzer, Julius Kähler, samt den „bewährten Mitarbeitern“, wie es in der Chronik heißt. Geschäftliche Beziehungen hatten die Familien zusammengebracht.

Seile aller Art gibt es auch heute noch in dem Fachgeschäft.

Die Familie Knappheide betrieb – und tut dies bis heute – eine Seilerwarenfabrik in Mülheim an der Ruhr. 1962 verstarb Kähler, ebenso seine Frau ein Jahr später. Das Paar hatte keine Kinder. Josef Knappheide sen. rettete das Geschäft und begründete so die neue Familientradition.
Julius Kähler wiederum hatte die Firma im Jahr 1935 übernommen und das Geschäftslokal von der Marienstraße an den Carlsplatz verlegt. Gegründet wurde die Firma „Hch. Manns, Handel in Hanferzeugnissen“ 90 Jahre davor, also 1845, von Heinrich Manns. Über diese Zeitspanne haben die aktuellen Inhaber keine Informationen.

Aber auch ihre eigene Geschichte bietet reichlich Erzählstoff. Schon als Elfjähriger hat Josef Knappheide Interesse an der Arbeit seines Vaters in dem Geschäft gefunden.
Die 1960er Jahre – das war die Zeit des Wirtschaftswunders. Josef Knappheide erweiterte das Sortiment der Hanferzeugnisse um Wassersport-Artikel, zum Beispiel Ausrüstungen für Segel- und Motorboote. „Das war damals noch in den Anfängen, aber die Zeit des Wassersports war gekommen“, erinnert sich Josef Knappheide. Parallel zur Erweiterung musste die Familie auch einen Umzug bewältigen. Nachdem das Parkhaus am Carlsplatz fertiggestellt worden war, wechselte das Geschäft 1970 ein paar Meter weiter in die jetzigen Räume am Carlsplatz/Ecke Hohe Straße, in der auch der Eingang liegt.

„In den 1960er Jahren war die Zeit des Wassersports gekommen“

Josef Knappheide, Manns Wassersport

Heute umfasst das Sortiment mehr als 10.000 Artikel – von Kleidung über Schuhe und Stiefel, Ferngläser, Taschenlampen und Messer bis hin zu Sicherheit- und Outdoor-Ausrüstungen. „Der maritime Charakter bestimmt die Vielfalt der Artikel“, beschreibt Sebastian Knappheide das Verbindende aller Angebote. Natürlich finden nicht nur Wassersportler, was sie suchen – Taschenmesser brauchen auch andere. Strandurlauber suchen wind- und wasserfeste Schuhe, Stiefel, Pullis und Jacken. Entsprechend gemischt ist das Publikum, das auch vom nahen Markt auf dem Carlsplatz gern mal vorbeischaut. Und Fachkundschaft kauft vom Kompass bis zur Rettungsweste alles, was Profi- und Hobbysportler so brauchen.

Die Stammkundschaft erwartet Qualität

Als „bodenständig-hochwertig“ beschreibt der Junior das Niveau des Sortiments. Die Lieferanten haben gute Namen, kommen zum Großteil aus Europa. Darunter finden sich zum Beispiel ein französischer Textil- und ein deutscher Strickwarenhersteller. „Mit vielen Partnern pflegen wir langjährige Beziehungen“, sagt Josef Knappheide. Das erwarte die Stammkundschaft, die Qualität suche.
In die Zukunft blickt die Familie durchaus mit Optimismus. Als Spezialgeschäft mit umfassendem Angebot finde man seinen Platz, ist Sebastian Knappheide überzeugt, der seit 16 Jahren an Bord ist und das Geschäft weiterführen will. Auch mit Online-Shop? Das habe man probiert, aber letztlich hätten die Kunden dann doch immer wieder mit speziellen Fragen angerufen. „Wir werden den Internet-Auftritt natürlich immer aktualisieren und auch Social Media als Marketing-Weg nutzen, aber in unserem Segment ist und bleibt die persönliche Beratung der Kern unserer Arbeit.“

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