Tor und Punkt für den Wirtschaftsstandort

Die Stadt Velbert kennt jetzt fast jeder

Jens Koch (Küchenchef & Einkaufsleiter), Stephanie Singelmann (Operations Managerin), und Peter Gebhardt (Geschäftsführer) freuen sich auf die EM 2024.

Text: Susan Tuchel, Foto: Parkhotel Velbert
Vor dem Best Western Plus Parkhotel Velbert stehen immer wieder Leute vor dem Zaun. Nicht, weil sie ein Hotelzimmer buchen möchten, sondern weil sie hoffen, einen Blick auf die georgische Nationalmannschaft zu erhaschen. 26 Spieler logieren seit dem 10. Juni in dem 4-Sterne Hotel in Velbert. Zwei Tage zuvor zog ein ganzes Betreuerteam sowie Funktionäre vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein und belegen insgesamt 84 Zimmer. Mit den Spielern kamen auch Koordinatoren vom DFB und der UEFA, ein Arzt, ein Polizist vom BKA sowie ein georgischer Koch, der nun für die nächsten Wochen Hand in Hand mit dem Koch-Team des Hotels arbeitet. Der Speiseplan ist streng auf die Bedürfnisse der Sportler abgestimmt. Schon zum Frühstück werden viele Eierspeisen, Gemüse, Obst, Getreide, Quark, Milch und frisch gepresste Säfte gereicht. Nach dem Training gibt es dann viele Proteine in Form von Rinderfilet und Hühnchen.

Für Peter Gebhardt, den Geschäftsführer von Heimatquartier HOTEL / EVENTS, zu dem auch das Best Western Plus Parkhotel Velbert gehört, ist die Europameisterschaft der Höhepunkt des Jahres, auf den er und sein Team seit Jahren hingearbeitet haben. „2017 haben wir die Bewerbungsunterlagen erhalten und 2018 zusammen mit der Stadt Velbert abgegeben“, erzählt der Geschäftsführer. Die UEFA-Standards konnten die Stadt und das Hotel gemeinsam stemmen. Ein Rasenplatz war vorhanden, die Lage, Qualität, Größe der Zimmer und die Klimatisierung stimmten auch. Und für viele Spielorte wie Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Gelsenkirchen ist Velbert ein idealer Standort. „Man sollte als Hotel jedoch schon sportaffin sein und die Mitarbeitenden flexibel. Dazu gehört auch, dass der Zimmerservice nicht vor 17.00 Uhr in die Zimmer kann“, so Gebhardt. Im Vorfeld wurden Büros, taktische Besprechungsräume und ein Wäschelager eingerichtet. Die Waschmaschinen laufen rund um die Uhr. Ein großes Veranstaltungsrestaurant bekam einen schwarzen Trainingsboden und Fitnessgeräte. Für die Regenerationsbäder wurde eine große Eiswürfelmaschine angeschafft. „Alle im Haus haben sich auf die Gäste und die besondere Aufgabe gefreut, denn ein Team-Base-Camp ist anders als ein normaler Hotelalltag. Die Mitarbeiter leisten für bis zu sechs Wochen 100 Prozent Gastorientiertheit bei voller Auslastung, einer hohen Sicherheitsstufe und kompletter Diskretion“, zählt Gebhardt auf. Noch hat sich der Geschäftsführer nicht ganz daran gewöhnt, dass im Best Western Plus Parkhotel Werbefilme fürs georgische Fernsehen gedreht werden und eine Pressekonferenz die nächste jagt.

Base-Camp im Wirtschaftsstandort Velbert

Auch für Jörg Ostermann, den Beigeordneten der Stadt Velbert, ist der Trubel in und um die 84.000-Einwohner-Stadt noch ganz neu. Aber er freut sich, wenn der Name Velbert in den Medien auftaucht – wie gerade zur Frühstückszeit im ZDF-Morgenmagazin.

155 Georgierinnen und Georgier leben im Kreis Mettmann. „Aktuell melden sich Georgier aus ganz Deutschland bei uns. Einige standen auch mit Flaggen am Hotelzaun, um ihre Landsleute zu begrüßen.“ 24 Base-Camps gibt es für die Nationalmannschaften. Bei 84 Millionen Einwohnern in Deutschland käme auf alle 3,5 Millionen Einwohner ein Camp, rechnet Ostermann vor: „Da ist ein Base-Camp in einer 84.000 Einwohner-Stadt schon etwas Besonderes.“

Für diese Fußball-Ehre legt sich der Wirtschaftsstandort Velbert mächtig ins Zeug. Das Stadion, 2020 eröffnet, wurde UEFA-gebrandet. Überall sieht man rot-weiße-Wimpel, es gibt Merchandise-Artikel für die Fans und in der Touristen-Information gibt es Hinweise für georgische Besucher. Auch einen georgischen Abend wird es während der EM geben. Ostermann hofft, dass sich zumindest der Präsident des georgischen Fußballverbandes Lewan Kobiaschwili beim Treffen mit dem Bürgermeister ins Goldene Buch eintragen wird. „Lewan Kobiaschwili ist in der deutschen Fußballszene bestens bekannt. Er war auf Schalke und hat über 400 Bundesligaspiele gespielt. Und der Trainer der Georgier, der ehemalige französische Nationalspieler Willy Sagnol, hat acht Jahre für Bayern München gespielt“, weiß Ostermann.

jörg Ostermann, Beigeordneter der Stadt Velbert

Auch Tina Schmidt, IHK-Branchenbeauftragte Kreis Mettmann, freut sich, dass Velbert den Zuschlag für das Base-Camp bekommen hat. Seit Anfang 2023 hat die IHK die Kommunen und Unternehmen immer auf dem neuesten Stand gehalten, was den Kriterienkatalog der UEFA anging. „Von den Spielern kannte noch niemand vorher Velbert, das ändert sich gerade“, so Schmidt. Sie geht davon aus, dass nicht alle georgischen Fans in Düsseldorf unterkommen oder ganz bewusst die Nähe ihrer Landsleute suchen und dabei die Stadt im Herzen des Niederbergischen Landes nicht nur kennen-, sondern auch lieben lernen.

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