Velbert: Sichere Kernkompetenz

Velbert hat nicht nur einen einzigartigen Dom, sondern ist die Stadt der Schlösser und Beschläge

Text: Ulrich Bangert, Illustration: Carsten Tiemessen

Velbert, die Stadt der Schlösser und Beschläge, besitzt eine in Jahrhunderten gewachsene, einzigartige Kernkompetenz im Bereich der Schließ- und Sicherheitstechnik. Das Portfolio der teilweise über hundert Jahre alten Familienunternehmen beginnt bei modernen Hausschlüsseln, geht über hochwertige Beschlagteile bis zur Vernetzung von Zutritts- und Zahlungssystemen. Für alle namhaften Autohersteller werden in Velbert innovative Schließsysteme für Fahrzeuge aller Art entwickelt und hergestellt. Darüber hinaus befinden sich in Stadt viele weitere Kraftfahrzeugzulieferer. Das verarbeitende Gewerbe stellte im zweiten Quartal des Jahres 2019 mit 14.059 Beschäftigen 45,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, in Haan dagegen liegt die Quote in diesem Bereich nur bei 29,8 Prozent. Die Bedeutung der Industrieproduktion in Velbert wird anhand der Ausbildung deutlich: 25 Prozent aller gewerblich-technischen Auszubildenden im Kreis Mettmann lernen in Velbert, in der Gartenstadt Haan sind es nur drei Prozent.

Wir müssen uns strategisch so aufstellen, dass der Wirtschaftsstandort langfristig gesichert ist“

Thomas Blüggel, Intensiv-Filter Deutschland GmbH & Co. KG

Wie das IHK-Positionspapier zeigt, gibt es eine ganze Reihe von Forderungen der Wirtschaft an die Kommunalpolitik. „Wir müssen uns für die Zukunft strategisch so aufstellen, dass der Wirtschaftsstandort langfristig gesichert ist. Die Wirtschaft braucht dafür Ansprechpartner in der Verwaltung, die schnell und unbürokratisch handeln“, fordert Thomas Blüggel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Velbert. Bei der Kommunalverwaltung als wichtigem Ansprechpartner sehen die Unternehmen Verbesserungsbedarf, indem digitale und analoge Angebote beschleunigt und ausgeweitet werden. Wünschenswert ist die Umsetzung von „One-Face-to-the-Customer”: Ein zentraler Ansprechpartner nimmt die Anliegen auf und steht beratend zur Seite. Es geht darum, Dienstleistungen in den zentralen Kontaktfeldern wie der Wirtschaftsförderung, der Bauordnung und der Gewerbeanmeldung zu digitalisieren und zu optimieren.

Zukunftswissen in die Region holen

Wichtig ist den Unternehmern darüber hinaus, eine Art Ökosystem für Start-ups zu schaffen und deren Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen zu fördern. Gerade in Velbert mit seinem starken industriellen Mittelstand sind Produkte, Dienstleistungen und Forschung von solchen Jungunternehmen von großem Nutzen. Mit der Hochschule Bochum, Campus Velbert-Heiligenhaus, wurde bereits ein wichtiger Schritt gemacht, Zukunftswissen in die Region zu holen und zu halten. Selbstverständlich ist eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur für die Wirtschaft unumgänglich. In der Corona-Krise wurde deutlich, wie wichtig eine schnelle Internetverbindung für die digitale Kommunikation ist. Neben den Datenautobahnen ist die Wirtschaft nach wie vor auf die klassischen Schnellstraßen angewiesen. Der schnelle Lückenschluss der A 44 zwischen Heiligenhaus und Ratingen steht da an erster Stelle, aber auch der Ausbau des Radwegenetzes, um auch die Erreichbarkeit der Betriebe mit dem Fahrrad zu verbessern. Nachholbedarf gibt es besonders für Langenberg sowie Neviges.

Flächen entwickeln

Velbert hat zu wenig Gewerbeflächen. Dem rechnerischen Bedarf von 62 Hektar stehen nur 47 Hektar gegenüber. Das reicht nicht, um die Erweiterungsabsichten bestehender Unternehmen zu berücksichtigen, ganz zu schweigen von kurzfristigen Neuansiedlungen. Neben dem Ankauf und der Entwicklung durch die Stadt von brachliegenden Gewerbeflächen gehört die Aktivierung von Flächen dazu, die im Regionalplan ausgewiesen sind, zum Beispiel an der Langenberger Straße. Die vor einem Jahr eröffnete Stadtgalerie im Herzen von Velbert konnte die in sie gesteckten Erwartungen nur bedingt erfüllen. „Der Start war holprig, der Rückzug des Ankermieters Mensing war nicht gerade förderlich“, räumt Wilfried Löbbert von der städtischen Wirtschaftsförderung ein, der froh ist, dass es bisher durch Corona zu keinen Schließungen im Einzelhandel gekommen ist. Große Geschäftsneueröffnungen erwartet er nicht. Der Wirtschaftsförderer hat auch Positives zu vermelden: „Die Leerstände in Velbert-Mitte sind spürbar zurückgegangen.“ Ein Erfolg des Innenstadtmanagements, das verschiedene Aspekte der Innenstadt berücksichtigt.

Was sagen die Bürgermeisterkandidaten zur den Forderungen der Wirtschaft? Antworten gibt es in der IHK-Wahlarena.

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