„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Selbstständig in der Corona-Krise: Sonja Jovanoska eröffnete ein Geschäft für Kinderschuhmode.

Text: Gesa van der Meyden, Foto: Andreas Endermann

Serie Teil 2: Die Corona-Krise hat viele Zukunftspläne zerschlagen, gerade bei Existenzgründerinnen und Existenzgründern. Aber es gibt sie doch, Unternehmerinnen und Unternehmer, die darauf setzen, dass neue Chancen entstehen – und sich in Branchen selbstständig machen, die von der Pandemie besonders betroffen sind.

Sonja Jovanoska verlor in der Pandemie ihren Job. Rund 14 Jahre lang hatte sie in einem Kindermodegeschäft gearbeitet, kannte viele Kunden persönlich, sah deren Kinder aufwachsen. „Dann endete das Arbeitsverhältnis und ich stand vor der Frage: Was mache ich jetzt, mit 52?“, sagt die gelernte Zahnarzthelferin aus Düsseldorf. Sie sehnte sich nach mehr beruflicher Unabhängigkeit und sie vermisste den Kontakt zu Eltern und Kindern. Die Lösung ergab sich im Gespräch mit ihrer Vermieterin. „Sie war 26 Jahre lang Inhaberin des Kindermodegeschäfts Ullala in Oberkassel und bot mir an, es neu zu eröffnen.“ Ein kühner Plan inmitten einer Pandemie, die insbesondere den Einzelhandel trifft, aber Sonja Jovanoska zögerte nicht lange. Sie wusste, dass die Begegnung mit ihren Kunden und deren Nachwuchs sie erfüllte, und sie wusste, dass sie das Zeug dazu hatte, auch diesen schweren Weg zu meistern.

„Corona hat uns bewusst gemacht, wie wichtig Nähe ist“

Sonja Jovanoska, Kindermodegeschäft Ullala

„Ich habe meinen 23-jährigen Sohn allein großgezogen, teilweise mit zwei Jobs gleichzeitig und ohne Unterhalt zu bekommen. Ich bin gut im Organisieren und von Natur aus energiegeladen. Also dachte ich, wenn nicht jetzt, wann dann?“ Ehemalige Kunden bestärkten sie, Freunde und Eltern boten ihre Unterstützung an. Mit einem Startkapital von 33.000 Euro renovierte sie das Geschäft komplett und eröffnete rund eineinhalb Monate nach der Einigung mit ihrer Vermieterin. Den Namen Ullala, den viele Anwohner mit Kinderschuhmode verbinden, behielt sie. Nach dem Start im August 2020 war ihr Geschäft zunächst offen. Seit Mitte Dezember war es geschlossen und sie verkaufte nur nach Termin. Auch wenn der Lockdown ihr zusetzte, bereut sie ihre Entscheidung nicht. „Ich genieße den Austausch mit meinen Kunden umso mehr. Corona hat uns bewusst gemacht, wie wichtig Nähe ist. Nicht nur zu Freunden und Familie, sondern auch zu Fremden, weil sie uns neue Denkanstöße geben. Wenn ich mein Geschäft betrete, dann ist es wie nach Hause kommen.“

Hier geht es zu den weiteren Beiträgen der Serie.

Über dieses Thema haben wir auch im IHK Quarterly 02/2021 berichtet.

Ihre Meinung ist gefragt: Haben Sie Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an die Redaktion.