Zwischen Business und Entwicklungshilfe

Afrika hat Unternehmen viel zu bieten – etwa Länder, die heute als „Hidden Champions“ gelten.

Text: Nina Mützelburg

Wer internationale Geschäftspartner sucht, sollte sein Bild der Welt einmal neu betrachten und Afrika in den Fokus nehmen. So wie Martin Schäfer und Tim Bellack. Mit dem Satemwa-Estate im südostafrikanischen Malawi hat für die beiden von der Rösterei Vier alles begonnen. Es war die erste Kaffeeplantage, mit der die Düsseldorfer vor zehn Jahren eine Partnerschaft abgeschlossen haben. 18 Farmen und Kooperativen sind mit den Jahren hinzugekommen, die alle nach den Standards der Düsseldorfer arbeiten. „Wir betreiben unsere Geschäfte in Afrika nachhaltig, auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene. Dazu haben wir unser Direct-Sourcing-System entwickelt“, sagt Martin Schäfer. Das heißt, der Kaffee wird direkt bei den Produzenten eingekauft, ohne Zwischenhändler. Das gibt den Menschen dort eine langfristige Perspektive. Martin Schäfer verbringt zwei Drittel des Jahres in Afrika. Eine sprachliche und kulturelle Barriere gibt es für ihn nicht. Er schätzt den persönlichen Umgang mit den Menschen vor Ort. „Der direkte Kontakt zu den Locals stärkt unsere langfristig angelegten Partnerschaften“, sagt er. Seit einigen Jahren sind die Düsseldorfer Kaffeeröster auch in Simbabwe und Südafrika aktiv. Ihr Engagement geht längst über den reinen Export von Kaffee nach Deutschland hinaus. Die Unternehmer leisten Entwicklungszusammenarbeit in Form von Wiederaufforstungs- und Brunnenbauprojekten. „Vor Ort haben wir schnell gesehen, wo es in dem Land fehlt. Aber auch, wie leicht es eigentlich ist, die Menschen dort zu unterstützen“, sagt Schäfer.

„Afrika ist ein großer Kontinent, der vielen Branchen Möglichkeiten eröffnet“

Manuel Neumann, Business Scout for
Development bei der IHK

Deutsche Unternehmer sehen in Afrika einen Nischenmarkt und schenken dem Kontinent vergleichsweise wenig Beachtung. „Afrika ist ein großer Kontinent, der vielen Branchen Möglichkeiten eröffnet. Die einzelnen Länder sind zwar sehr unterschiedlich entwickelt, aber insgesamt bieten sie hohe Wachstumsraten, eine wachsende Kaufkraft, niedrige Produktionskosten und motivierte Arbeitskräfte“, sagt Manuel Neumann. Er ist Business Scout for Development bei der IHK und Ansprechpartner für Unternehmer, die in Schwellenländern Fuß fassen möchten. Er vermittelt Kontakte und berät zu Fördermöglichkeiten. In absehbarer Zeit wird Afrika zwar sicher noch kein ernstzunehmender Konkurrent für China, Indien oder die USA sein, was die Produktionskapazitäten angeht. Dennoch lohnt es sich für Unternehmen, bei der Suche nach Partnern gewohnt Denkmuster zu verlassen und den Markteinstieg zu prüfen. Denn EU, UN und Deutschland haben umfangreiche Fördergelder für Firmen bereitgestellt, die eine Zusammenarbeit mit Afrika anstreben.

Martin Schäfer (r.) plant mit McDonald und Stear Simba ein neues Kaffeefeld. Um die steigende Nachfrage zu decken, erweitert die Rösterei Vier stetig die Zusammenarbeit mit den Bauern in Afrika. Foto: Tim Bellack

Über entsprechende Kontakte ist Kirsten Bille zu ihrer Zusammenarbeit mit Firmen in Afrika gekommen. Die Ethiopian Fashion Community ist eine Vereinigung nachhaltig und fair gehandelter Modemarken in Äthiopien. Über die Sequa, eine weltweit tätige Entwicklungsorganisation, deren Gesellschafter Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft sind, wurden deutsche Firmen gesucht, die sich mit den Marktstrukturen der Mode- und Bekleidungsbranche auskennen. So haben sich das Textilunternehmen Bille Fashion Trading aus Haan und drei Jungunternehmer aus Äthiopien gefunden. Die Designer wollen mit ihren Schuhen, Taschen und Tüchern den europäischen Markt erobern. Kirsten Bille sorgt dafür, dass die Kleidung im deutschen Einzelhandel landet. Das fordert ihr Geschick als Vertrieblerin, bringt sie aber auch in eine Beraterposition. „Die Designs werden vor Ort gemacht, müssen aber den europäischen Geschmack treffen. Da sind viel Zusammenarbeit und Austausch nötig“, sagt sie. Da sie nicht ständig nach Afrika reisen kann, setzt sie auf die Partner der Organisation vor Ort. „Sie unterstützen mich dabei, dass aus der Idee eine langfristige Partnerschaft wird. Denn das ist das Ziel, um den Menschen dort eine sichere Arbeit zu bieten“, sagt Bille. Durch die corona-bedingt ausgefallenen Modemessen hatte Bille bisher keine Chance, die Label aus Äthiopien zu präsentieren. In diesem Sommer will sie einen neuen Versuch starten.

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Manuel Neumann ist Business Scout for Development bei der IHK und Ansprechpartner
für Unternehmer, die in Schwellenländern Fuß fassen möchten. Im Video erzählt er von seiner Arbeit.

Die Unternehmen erreichen Manuel Neumann unter Telefon 0211 3557-266, Mobil 0152 90012387.

Über dieses Thema haben wir auch im IHK Quarterly 02/2021 berichtet.

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