Industrial Accelerator Act: Booster oder Bremse?

Aus der IHKIndustrial Accelerator Act: Booster oder Bremse?

Die deutsche Industrie steht unter erheblichem Druck: Hohe Energie- und Arbeitskosten, unsichere Rahmenbedingungen und wachsende Handelshemmnisse belasten die Unternehmen – auch in Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) will die EU die europäische Industrie stärken und wirtschaftliche Abhängigkeiten verringern. Geplant sind unter anderem Vorgaben zur Bevorzugung europäischer Produkte. Was steckt dahinter und welche Auswirkungen könnte das auf Unternehmen in Düsseldorf und im Kreis Mettmann haben?

IHK-Redaktion; (c) Adobe Stock; Stand 10/2026

Die EU arbeitet an neuen Maßnahmen zur Stärkung des Industriestandorts Europa. Ein zentraler Bestandteil des geplanten Industrial Accelerator Act sind sogenannte „Buy European“-Regelungen. Diese sollen dafür sorgen, dass Produkte aus europäischer Herstellung bei bestimmten öffentlichen Aufträgen und Förderprogrammen bevorzugt berücksichtigt werden. Ziel ist es, die industrielle Wertschöpfung innerhalb der EU zu fördern und die Abhängigkeit von Drittstaaten bei wichtigen Produkten und Technologien zu reduzieren.

Hintergrund sind zunehmende Herausforderungen im internationalen Handel. Laut der DIHK-Umfrage „Going International 2026“ berichten 69 Prozent der international tätigen Unternehmen von gestiegenen Handelshemmnissen. 83 Prozent sehen sich durch zusätzliche regulatorische und administrative Vorgaben aus Deutschland und der EU belastet.

Die geplanten Regelungen sind auch für die regionale Wirtschaft relevant. Düsseldorf ist ein bedeutender Industriestandort mit rund 50.000 Arbeitsplätzen in der Industrie. Im Kreis Mettmann prägen unter anderem Unternehmen aus der Metallverarbeitung sowie der Schloss- und Beschlagtechnik die industrielle Struktur. Viele dieser Betriebe sind in internationale Liefer- und Wertschöpfungsketten eingebunden.

Je nach konkreter Ausgestaltung könnten die neuen EU-Vorgaben Auswirkungen auf Beschaffungsentscheidungen, Produktionskosten und die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen haben. Welche Unternehmen und Branchen tatsächlich betroffen sein werden, hängt von den weiteren Beratungen auf europäischer Ebene ab.

Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf, betont: „Der IAA soll die europäische Industrie stärken. Ob das gelingt, hängt von seiner Ausgestaltung ab. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen unseren Unternehmen wirklich helfen und keine neue Bürokratie oder zusätzliche Kosten schaffen. Vorgaben zur Produktion in Europa lösen keine strukturellen Probleme des Standorts. Sie verteuern die Herstellung und schränken die Entscheidungen der Unternehmen ein. Wir brauchen einfachere und schnellere Verfahren für die gesamte Industrie sowie gezielte und verhältnismäßige Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken.“

Der Industrial Accelerator Act steht damit im Spannungsfeld zwischen dem Schutz europäischer Produktionskapazitäten und dem Ziel eines offenen internationalen Handels. Wie sich die geplanten Maßnahmen auf Kosten, Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit auswirken, wird von ihrer konkreten Umsetzung abhängen.

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