Laut der gemeinsamen Herbstumfrage der IHK Düsseldorf und der IHK Mittlerer Niederrhein stagniert die Wirtschaft weiterhin. Größte Wachstumshindernisse sind zu hohe Arbeits- und Energiekosten sowie zu viel Bürokratie. Angesichts der Weltlage könnte die Situation aber schlimmer sein.
Autorin: Gesa van der Meyden; © IHK Düsseldorf; Stand 10/2026
Den vollständigen Bericht zur Konjunkturumfrage im Herbst zum Download finden Sie hier.
Seit mehreren Jahren befindet sich die Welt und damit die Wirtschaft in einer Art Dauerkrisen-Modus. Globale Schockauslöser wie die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und zuletzt der Iran-Krieg setzten insbesondere der exportintensiven deutschen Wirtschaft zu. Dazu kommen hausgemachte Probleme wie zu hohe Arbeitskosten und eine in Teilen außer Kontrolle geratene Bürokratie.
Die Konjunktur darbt also schon lange, und ein echter Aufschwung ist laut der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Düsseldorf und der IHK Mittlerer Niederrhein nicht in Sicht. Allerdings gab die Befragung von rund 700 Unternehmen mit etwa 48.000 Beschäftigten auch Anlass zu leiser Hoffnung: Ganz so schlimm, wie die IHK-Frühjahrs-Umfrage sechs Wochen nach Ausbruch des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar befürchten ließ, ist die Lage nicht.
Die Politik muss die strukturellen Bremsen lösen
Damals waren die Geschäftserwartungen auf minus 21,9 Punkte eingebrochen, jetzt liegen sie bei minus 12,0 Punkten. Die Geschäftslage insgesamt ist seit der letzten Umfrage ungefähr gleichgeblieben. „Die Unternehmen warten weiterhin auf bessere Bedingungen. Hohe Kosten, zu viel Bürokratie und fehlende Planungssicherheit verhindern, dass aus ersten Stabilisierungssignalen ein Aufschwung wird. Die Politik muss jetzt die strukturellen Bremsen lösen und Unternehmen wieder Luft für Investitionen geben“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, der die Zahlen gemeinsam mit Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, präsentierte.
Diese strukturellen Bremsen finden sich in drei Bereichen. Da wären zum einen die hohen Energiekosten, ausgelöst zunächst durch den Ukraine-Krieg und nun verstärkt durch den Iran-Krieg. 60,4 Prozent der Unternehmen nennen sie als zentrales Geschäftsrisiko, in der Industrie sind sie für 69 Prozent der Betriebe eine wesentliche Belastung, der höchste Wert seit Beginn 2023. Jürgen Steinmetz drängt deshalb unter anderem darauf, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu forcieren. „Wir müssen damit in Nordrhein-Westfalen zügig weitermachen und hoffen zudem darauf, bald die ersten Zuschläge für wasserstofffähige Gaskraftwerke zu bekommen.“ Gregor Berghausen hat einen weiteren konkreten Vorschlag. „Kurzfristig müssen die Energiesteuern auf das europäische Mindestmaß sinken.“ Die Forderung sei schnell umsetzbar und hätte sofort einen Effekt. Im Bezug auf die Stromsteuer hat Bundeskanzler Merz diesen Schritt gerade angekündigt.
Betriebe haben den Eindruck, dass die Regulierungsdichte eher zunimmt
Der zweite große Faktor sind hohe Arbeitskosten, die besonders in der Industrie laut Angaben der befragten Unternehmen zu den größten Geschäftsrisiken zählen und für 53 Prozent ein erhebliches Problem darstellen. „Bei den sozialen Sicherungssystemen liegen die notwendigen Reformvorschläge auf dem Tisch – bei Pflege, Grundsicherung, Rente und Gesundheit. Jetzt geht es darum, Entscheidungen zu treffen und die Reformen umzusetzen“, sagt Berghausen. Gerade weil die Effekte dieser Reformen nicht sofort, sondern erst in einigen Jahren spürbar seien, gäbe es für die Politik keine Zeit zu verlieren.
Der dritte Faktor ist ein eher hausgemachter: die überbordende deutsche Bürokratie, über die sich deutsche Unternehmen schon sehr lange beschweren, ohne dass die Belastungen effektiv abnehmen. „Ob Entgelttransparenz oder EU-Verpackungsordnung – die Betriebe haben vielfach den Eindruck, dass die Regulierungsdichte eher zu- als abnimmt“, so Berghausen. Laut seinem Kollegen Steinmetz habe die Bundesregierung mit ihrer Modernisierungsagenda selbst einen Weg aufgezeigt, wie sie für Entlastung sorgen will. „Jetzt muss sie diesen Weg auch konsequent gehen – und verhindern, dass gleichzeitig neue Bürokratie entsteht.“
Stabile Grundsteuer-Einnahmen in Düsseldorf
Die Landeshauptstadt Düsseldorf profitiere weiterhin von stabilen Grundsteuer-Einnahmen, betont Gregor Berghausen. Er lobt zudem die Investitionspläne großer Unternehmen wie Mercedes-Benz, das 200 Millionen Euro in die Modernisierung seines Sprinter-Werks im Stadtteil Derendorf steckt, und die Eröffnung einer neuen Produktionsanlage für Kosmetikinhaltsstoffe durch den Chemie-Konzern BASF in Düsseldorf-Holthausen in diesem Sommer.
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