Mobilitätskongress Rheinland: Kritische Lebensadern

Aus der IHKMobilitätskongress Rheinland: Kritische Lebensadern

Straßen, Schienen, Brücken, Häfen und natürlich der Rhein: Die Lebensadern, die täglich für den Transport von Waren sorgen, müssen im Ernstfall auch Truppen und Hilfsgüter tragen. Beim 9. Mobilitätskongress der IHK-Initiative Rheinland, der Metropolregion Rheinland und von go.rheinland stand eine wichtige, wenn auch unbequeme Frage im Raum: Wie abwehrbereit ist die Region?

Autorin: Natascha Plankermann; © IHK Düsseldorf / Meike Schrömbgens; Stand 10/2026

Der Strom fällt aus, eine Brücke ist gesperrt, das Wasser im Rhein wird zum Rinnsal – und dann legt ein Cyberangriff die Disposition lahm. Das klingt wie das Drehbuch für einen Thriller? Die rund 250 Gäste des 9. Mobilitätskongresses im Düsseldorfer Savoy Theater konnten solche Ereignisse zeitweise als realistisches Szenario empfinden.

Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, gibt die Richtung des Kongresses vor. „Wir sprechen aufs Neue über Infrastruktur, weil sie als Lebensader der Wirtschaft nicht nur leistungs-, sondern auch widerstandsfähig sein muss.“ Dafür ist aus seiner Sicht ein Netzwerk aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft entscheidend. „Wenn das in Friedenszeiten funktioniert, dann hält es auch in der Krise.“

„Wir leben bereits in einem Schattenkrieg“

Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament, ist aus Brüssel zugeschaltet und sagt: „Wir leben bereits in einem Schattenkrieg. Viele haben das noch nicht realisiert.“ Wer Infrastruktur verteidigen und Nachschub organisieren wolle, brauche Mobilität. Hier hake es indes an jeder Landesgrenze: Munition und Truppen müssen ständig deklariert werden. Abhilfe soll ein „militärisches Schengen“ schaffen, das nach ihren Worten jedoch ausgerechnet von großen Ländern wie Deutschland ausgebremst werde. Strack-Zimmermann appelliert an die Unternehmen, Cybersicherheit ernst zu nehmen, mögliche Szenarien zu überlegen und selbst dafür sorgen, dass die Lieferketten und der Nachschub gesichert seien.

Auf Bundesebene stehen Mittel für den Aus- und Neubau der Infrastruktur zur Verfügung: Das bereitstehende Sondervermögen wird während des Kongresses immer wieder erwähnt – jetzt müsse es nur „verbaut“ werden. Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, sagt dazu: „Wir müssen schneller werden.“ Deutschland sei schließlich ein wichtiges Transitland in Europa. Sie hebt hervor, dass viele Unternehmen bereits für den Krisenfall planen. Den Rahmen steckt das NIS-2-Umsetzungsgesetz mit strengeren Cyberpflichten. Offen bleibt: Wie transparent dürfen Daten sein, ohne die Sicherheit zu gefährden?

Wer ruft wen an?

Im ersten Panel geht es um Lieferketten. Dr. Ulrich Biedendorf, fachpolitischer Sprecher für Wirtschaft und Verteidigung der IHK NRW, verweist auf das KRITIS-Dachgesetz. Seit März 2026 verpflichtet es Betreiber kritischer Anlagen zu Risikoanalysen und Resilienzplänen – etwa für einen Blackout. Andreas Budde, Beigeordneter für Planung, Bauen, Verkehr und Umwelt der Stadt Solingen, holt das Thema auf die Straße: „Die Menschen vor Ort müssen im Fall der Fälle wissen, wen sie anrufen.“ In Solingen klappe der Austausch. „Aber die Versorgung kommt nun mal von außen.“

Achim Klukas, stellvertretender Abteilungsleiter Verkehrslogistik am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, vermisst im Föderalismus den Austausch der vielen Akteure. Im Notfall müsse klar sein, wer die Bevölkerung versorgt. „Dafür brauchen wir alle drei Verkehrsträger.“ Doch Straßen, Brücken und Wasserstraßen sind eng und belastet. Für Gerd Deimel, Chair der TRILOG-Arbeitsgruppe Infrastruktur NRW/Niederlande/Flandern, steht dabei der Rhein im Mittelpunkt: Den verbindenden Fluss habe man nie gemeinsam gedacht, heute kämpfe man mit Niedrigwasser. Es gelte, Korridore offen zu halten – etwa nach Antwerpen, damit wichtige Chemiegüter nicht auf der Strecke bleiben.

Panzer auf der Schiene

Dort setzt auch das zweite Panel zum Thema Infrastruktur an. Oberst Bart Hubrechtsen, belgischer Verantwortlicher für den Verbindungsdienst in Deutschland, betont: Werden Truppen von Antwerpen aus verlegt, führt der Weg durch NRW. Schwachstellen erkennen, schnell kommunizieren, wenn sich im Ernstfall alles ändert – darauf kommt es seiner Ansicht nach an. Koen Cuypers vom Hafen Antwerpen-Brügge ergänzt: Häfen brauchen Schutz und Reserven. Wie wichtig das ist, weiß Oberst i. G. Dirk Franke vom Landeskommando NRW der Bundeswehr: „Es gibt täglich Angriffe.“

Mobilitätskongress IIR

Lea Dabbert, Expertin für KRITIS- und Technologiepolitik bei der Deutschen Bahn, berichtet von einem militärischen Eisenbahnnetz, das die Bahn mit der Bundeswehr vorbereitet. Es nutzt das bestehende Netz, legt Korridore fest und trägt auch schwere Panzer.

Stimmen aus dem Publikum fordern, dass Bund, Länder und Kommunen die künftigen Verkehrswege gemeinsam und klimaresilient planen. Ein Vertreter der Autobahn GmbH meldet sich zu Wort und weiß zu berichten, dass bei maroden Brücken aufs Tempo gedrückt wird – mit Ersatzneubauten aus Fertigteilen.


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