Stadtradeln pusht die Verkehrswende

Wie mobil sind Unternehmen?

Auf dem Foto von vorhin: 1.v.l. Heinz Schmidt, 5.v.l. Esther Pollmann, 7. V. li. Mark Klein, Mitglied des Vorstands ERGO Group AG, der beim Stadtradeln mitmacht. Schirmherr des Stadtradeln für alle Standorte von ERGO ist Theo Kokkalas, Vorsitzender des Vorstands der ERGO Deutschland AG.

Text: Susan Tuchel, Foto: ERGO
Warum nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und dabei noch beim Stadtradeln gewinnen?  Mit über 13.500 Kilogramm eingesparten CO2-Emissionen konnte das Team des Versicherungsunternehmens ERGO beim 11. Stadtradeln im Mai die Luftverschmutzung in Düsseldorf verringern. Von Anfang an dabei waren Esther Pollmann und Heinz Schmidt. Beide sind Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). „Angefangen haben wir vor zehn Jahren mit 130 Teilnehmern. Dank der Unterstützung der internen Kommunikation und Aufrufen im Mitarbeiterradio sind in diesem Jahr 416 mitgeradelt“, freut sich Esther Pollmann. Mit 81.692 geradelten Kilometern landete das ERGO-Team auf Platz drei. Motiviert wurden die Mitradelnden während des dreiwöchigen Wettbewerbs durch eine After-Work-Tour nach Kaiserswerth und interne Siegerehrungen. „Bei uns radeln auch einige Vorstandsmitglieder und zwar das ganze Jahr“, erzählt Heinz Schmidt. Er engagiert sich auch in der Betriebssportgruppe Radsport von ERGO. Und weist auf die öffentliche Luftpumpenstation auf dem ERGO-Platz hin, die sich besonders an den Wochenenden großer Beliebtheit auch bei Bürgerinnen und Bürgern erfreut.

Bei uns radeln auch einige Vorstandsmitglieder
und zwar das ganze Jahr

Heinz Schmidt, Betriebssportgruppe Radsport ERGO

Der Versicherungskonzern ist seit 2019 Mitglied der Mobilitätspartnerschaft der Landeshauptstadt Düsseldorf (https://www.duesseldorf.de/umweltamt/umwelt-und-verbraucherthemen-von-a-z/bildung/mobilitaetspartnerschaft) und Vorreiter darin, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei zu unterstützen, ihren Arbeitsplatz so zu erreichen, dass sie Emissionen einsparen. „Wir haben mehrstöckige Fahrradständer, solche mit Ladestationen, Ladeschränke, überdachte Außenstellflächen, Duschen, Spinde, Umkleideräume in unserer Düsseldorfer Zentrale und seit 2018 ein Fahrrad-Leasing-Angebot im Rahmen einer Entgeltumwandlung, das bundesweit von 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genutzt wird“, zählt Markus Bardenhorst, Leiter des Facilitymanagements für den Campus von ERGO in Düsseldorf, auf.

Betriebliche Mobilität auf dem Prüfstand

Wie wichtig betriebliche Initiativen sind, umweltfreundliche Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad oder den ÖPNV zu unterstützen, verdeutlichen diese Zahlen: 27 Prozent aller Wege und 38 Prozent aller zurückgelegten Kilometer resultieren laut INFAS auf berufsbedingter Mobilität. „Deshalb ist es so wichtig, dass Unternehmen sich mit dem Thema beschäftigen“, erklärt Thomas Vieten, Referent Verkehrswirtschaft bei der IHK-Düsseldorf, die zu den Initiatoren der 2017 gegründeten Mobilitätspartnerschaft Düsseldorf gehört.

Doch dazu braucht es Analysen, neue Konzepte und Mitarbeitende, die das Thema zu ihrem machen. Seit 2021 unterstützt das IHK-Netzwerk Betriebliche Mobilität NRW seine Mitglieder mit einem speziellen Angebot (https://www.ihk-bemo.nrw) bei ihrer mobilen Transformation. Angeschlossen sind alle 16 IHKs in NRW. „Wir haben seitdem 125 Mobilitätsmanagerinnen und -manager für die Unternehmen ausgebildet“, so Vieten. Die Anfragen kommen bundesweit. Wer ins Thema einsteigt, lernt viele Möglichkeiten kennen wie zum Beispiel das Mobilitätsbudget für Unternehmen. Damit können die Mitarbeitenden aus einer Vielzahl von Mobilitätslösungen wählen, ob Carsharing, öffentlicher Verkehr, Fahrrad- oder E-Bike-Sharing, Taxifahrten oder private Fahrzeuge. Der Vorteil: Die Kosten für das Mobilitätsbudget können in der Regel als Betriebsausgabe in der Steuerklärung des Unternehmens geltend gemacht werden.

Mobilitätsmanagement für die Verkehrswende

Nicht nur die Mitarbeitenden müssen sich bewegen, auch die Unternehmen. Ein Jobticket werde heute seitens der Arbeitnehmenden meist vorausgesetzt, erklärt Vieten und fügt hinzu: „Wie tatkräftig Unternehmen ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, ist in Zeiten des Fachkräftemangels nicht nur eine Klimafrage, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil und steigert die Zufriedenheit der Mitarbeitenden.“

In jeder der 16 IHKs sitzt mittlerweile mindestens ein Mitarbeiter, der sich mit der Frage des betrieblichen Mobilitätsmanagements beschäftigt. Gemessen an dem absoluten Bedarf sind die 125 Mobilitätsmanager, die die IHKs bislang ausgebildet haben, bislang erst ein Anfang, findet Vieten: „Für das Klima wäre es wünschenswert, wenn jedes Unternehmen einen betrieblichen Mobilitätsmanager hätte.“

Eigentlich kein Hexenwerk, denn jedes Unternehmen in NRW wird hierbei vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW gefördert. Der Eigenanteil für die 66-stündige Qualifizierung schlägt mit 300 Euro zu Buche und zahlt auf das Umweltkonto für alle ein.