Vom Flüchtling zum Facharbeiter

Mhamud Mohammed lernte die deutsche Sprache und schaffte Schulabschluss, Ausbildung und Führerscheinprüfung

Mhamud Mohammed (rechts) mit Ausbilder Thomas Handscombe

Text: Beate Werthschulte, Fotos: Paul Esser

Dass Mhamud Mohammed sehr diszipliniert und zielstrebig ist, zeigt schon sein langer Weg von Eritrea nach Deutschland. Insgesamt sechs Monate dauerte seine Flucht. Sie ging über den Sudan und Libyen nach Europa, wobei er weite Strecken zu Fuß zurücklegen musste, bis er Deutschland erreichte. Über München kam er im Sommer 2015 schließlich nach Düsseldorf.

Seit 2016 unterstützt der IHK-Willkommenslotse Rachid El Mellah Geflüchtete dabei, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wie in diesem Beitrag fragen wir in einer kleinen Serie nach, was aus denjenigen geworden ist, denen er vor einigen Jahren geholfen hat – etwa aus Josef Elshayeb, der 2015 aus Syrien fliehen musste, oder aus Majd Othman, der seine Heimat 2016 verlassen musste.

In seinem Heimatland hatte der heute 28-Jährige bereits ein Studium für Wasser- und Bodenschutz absolviert. Zwar gibt es ähnliche Studiengänge auch an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, aber mangelnde Deutschkenntnisse und fehlende Dokumente machten ein Weiterstudieren unmöglich.

Deshalb hatte er die Idee, eine Ausbildung zu absolvieren, die auf seinen bereits vorhandenen Fähigkeiten aufbaute. „Ich habe dann aber schnell erfahren, dass ein Schulabschluss notwendig ist, um eine Ausbildung beginnen zu können“, erinnert sich Mohammed. Also besuchte er eine Abendrealschule und schaffte – trotz sprachlicher Hürden – innerhalb eines Jahres den Hauptschulabschluss.

Mhamud Mohammed nimmt sofort alle Chancen wahr, die sich ihm bieten“

Thomas Handscombe, Scheven GmbH

Rachid El Mellah – er berät und unterstützt in seiner Funktion als Willkommenslotse der IHK Düsseldorf Geflüchtete und Unternehmen – ist begeistert von so viel Ehrgeiz und Zielstrebigkeit. Er lernte den jungen Eritreer im Rahmen eines Azubi-Speed-Datings der IHK kennen und konnte ihm schnell einen Praktikumsplatz beim Rohrleitungs- und Anlagenbauunternehmen Scheven in Erkrath beschaffen. „Mein Vorgänger war damals sofort überzeugt von Mhamud und wollte ihn unbedingt fördern“, erzählt Ausbilder Thomas Handscombe. Mit Unterstützung von El Mellah gelang es, alle rechtlichen Fragen mit der Ausländerbehörde zu klären, sodass er im Sommer 2018 – übrigens zusammen mit zwei weiteren Geflüchteten – seine Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter bei der Scheven GmbH beginnen konnte. Als einer der Besten hat er sie im Juni dieses Jahres abgeschlossen. Dass er von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen wurde, versteht sich fast schon von selbst „Mhamud ist nicht nur fleißig und handwerklich begabt, er nimmt auch alle Chancen, die sich ihm bieten – beispielsweise einen weiteren Deutschkurs – sofort wahr“, sagt Handscombe zufrieden.

Neue Ziele im Blick

Und der 28-Jährige hat noch längst nicht alle seine Ziele erreicht. Ab dem nächsten Sommer wird er seine Ausbildung noch ein weiteres Jahr lang fortsetzen und sich auf den Fachbereich Kanalbau spezialisieren. „Wir freuen uns über dieses Engagement und unterstützen ihn gerne dabei, denn gerade in unserem Bereich ist der Fachkräftemangel groß, und es ist problematisch, neue Mitarbeiter zu finden“, erklärt sein Ausbilder. Besonders in diesen handwerklichen Berufen stünden die Chancen für Geflüchtete deshalb sehr gut, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ergänzt El Mellah. Er wünscht sich bei deren Vermittlung oftmals eine noch bessere Kooperation mit der Ausländerbehörde Düsseldorf, denn als Willkommenslotse der IHK möchte er dabei helfen, schnellstmöglich aus Geflüchteten Fachkräfte zu machen.
Bei Mhamud Mohammed ist das bereits bestens gelungen. Er hat genau den richtigen Beruf für sich gefunden und fühlt sich an seinem Arbeitsplatz sehr wohl. „Das Betriebsklima ist gut, zudem haben die Ausbilder und Kollegen viel Erfahrung und sind immer bereit, alle Fragen zu beantworten“, sagt er. Ganz nebenbei hat der ehrgeizige junge Mann übrigens seine Führerscheinprüfung bestanden und plant nun, sich ein kleines Auto zu kaufen, um die Strecke zwischen seiner Wohnung in Hilden und dem Arbeitsplatz in Erkrath nicht mehr täglich mit dem Fahrrad zurücklegen zu müssen.

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