Weniger Berufstätige mit Behinderungen

Pandemie lässt Zahl der Jobsuchenden mit Handicap in NRW um 11,2 Prozent steigen

Text: IHK-Redaktion, Foto: Aktion Mensch/Thilo Schmülgen

Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen. Wer aus diesem Anlass auf die Beschäftigungssituation dieser Menschen blickt, stellt fest: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt sind auch für sie gravierend.

Im Oktober dieses Jahres lag die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland um rund 13 Prozent höher als im Vorjahresmonat. In NRW waren es 11,2 Prozent. Damit sind bundesweit derzeit über 173.000 Menschen mit Behinderungen ohne Arbeit – der höchste Wert seit 2016. Das geht aus dem aktuellen Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes hervor.
Die Studienergebnisse markieren eine deutliche Trendwende. „Seit 2013 verbesserte sich die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderungen fast stetig“, resümiert Prof. Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes. „Doch die rasant negative Entwicklung in diesem Jahr macht in kürzester Zeit die Erfolge der letzten Jahre zunichte. Allein von März bis April erhöhte sich die Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung um mehr als 10.000.“

Rückschlag mit Langzeitfolgen

Eine Entwicklung, die auch die Aktion Mensch mit großer Sorge betrachtet. Zwar steigt die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung langsamer als die allgemeine Arbeitslosenquote – doch die negativen Folgen der Corona-Pandemie dürften für Arbeitslose mit Schwerbehinderung deutlich länger andauern. „Haben Menschen mit Behinderungen ihren Arbeitsplatz erst einmal verloren, finden sie sehr viel schwerer in den ersten Arbeitsmarkt zurück als Menschen ohne Behinderungen“, erklärt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. „Im Durchschnitt suchten arbeitslose Menschen mit Behinderungen schon letztes Jahr 100 Tage länger nach einer neuen Stelle als Menschen ohne Behinderungen.“

IHK bietet Inklusionsberatung an

Um die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt kümmert sich auch die IHK Düsseldorf intensiv. Lutz Overath ist als Inklusionsberater im IHK-Bezirk unterwegs und berät die Unternehmen. Er weiß, dass die Einstellung von Menschen mit Behinderungen eine klassische „Win-Win-Situation“ ist. „Menschen mit Behinderungen bei der Personalplanung zu berücksichtigen, bedeutet gerade heute in den Zeiten des Fachkräftemangels eine sehr gute Gelegenheit für Unternehmen, wichtige Arbeitsplätze mit qualifizierten und hoch motivierten Mitarbeitern zu besetzen“, sagt er. Gerade weil diese Menschen im (Arbeits-)Alltag und Bewerbungsgesprächen sehr oft ablehnende Reaktionen erführen, seien sie bei einer positiven Aufnahme sehr viel motivierter, ihre Arbeitskraft und Fähigkeiten in besonderem Maße zu beweisen, so Overrath. „Die Loyalität einer solchen Mitarbeiterin oder eines solchen Mitarbeiters ist nicht hoch genug einzuschätzen.“

Es gibt gute Beispiele von Unternehmen, die viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigen. Eines von ihnen ist die Shuyao Gmbh, die mit dem Inklusionspreis der Wirtschaft ausgezeichnet wurde. In einem weiteren Beitrag erzählen wir, warum dort Handicaps keine Rolle spielen.

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