Hohe Mieten, knapper Wohnraum, langwierige Genehmigungen: Mit dem neuen „Affordable Housing Act“ will die EU-Kommission Städten und Mitgliedstaaten mehr Rechtssicherheit im Umgang mit angespannten Wohnungsmärkten geben. Für Düsseldorf ist der Vorstoß auch wegen der Diskussion um Kurzzeitvermietungen und Wohnraumschutz relevant.
IHK-Redaktion; © Adobe Stock; Stand 09/2026
Die Europäische Kommission hat am 9. September 2026 ihren „Affordable Housing Act“ vorgestellt. Das Paket besteht aus dem Vorschlag für eine EU-Verordnung und einer begleitenden Empfehlung. Ziel ist ein gemeinsamer europäischer Rahmen für Gebiete, in denen Wohnraum besonders knapp oder teuer ist. Wohnungspolitische Entscheidungen sollen dabei weiterhin auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene getroffen werden.
Kern des Verordnungsvorschlags ist eine gemeinsame Methodik, um Gebiete mit besonderem Wohnungsdruck zu identifizieren. Behörden sollen damit besser beurteilen können, ob Eingriffe etwa bei Kurzzeitvermietungen, Zweitwohnungen oder längerem Leerstand gerechtfertigt sind. Maßnahmen müssen auf Daten beruhen, notwendig, zielgerichtet und verhältnismäßig sein. Bei Beschränkungen von Kurzzeitvermietungen soll unter anderem nachgewiesen werden, dass diese den lokalen Wohnungsmarkt über mindestens drei Jahre erheblich beeinträchtigt haben und mildere Maßnahmen nicht ebenso wirksam wären.
Mehr Tempo für neuen Wohnraum
Regulierung allein schafft allerdings keine zusätzliche Wohnung. Deshalb verbindet die Kommission den Verordnungsvorschlag mit Empfehlungen für mehr Wohnungsbau. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht, Grundstücke und bestehende Gebäude besser genutzt sowie Umbau und Sanierung erleichtert werden.
Sogenannte „Housing Acceleration Plans“ sollen Behörden dabei helfen, Maßnahmen zur Ausweitung des Angebots zu bündeln – mit besonderem Augenmerk auf bezahlbaren und sozialen Wohnraum.
Das hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Bezahlbarer Wohnraum ist ein wichtiger Standortfaktor: Unternehmen sind darauf angewiesen, dass Beschäftigte und Fachkräfte in erreichbarer Nähe wohnen können. Auch die EU-Kommission verweist darauf, dass Wohnraummangel die Arbeitskräftemobilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Düsseldorf im Fokus
Für Düsseldorf dürfte vor allem der Umgang mit Kurzzeitvermietungen interessant werden. Die Stadt gehört in Nordrhein-Westfalen zu den Standorten mit besonders vielen entsprechenden Angeboten. Gleichzeitig gilt in Düsseldorf eine befristete Wohnraumschutzsatzung. Damit trifft die europäische Initiative auf eine laufende kommunale Debatte: Wie viel Regulierung ist erforderlich, um Wohnraum zu schützen – und wie lassen sich zugleich Investitionen, touristische Angebote und fairer Wettbewerb ermöglichen?
Die IHK Düsseldorf sieht deshalb insbesondere bei der weiteren Ausgestaltung und Anwendung der Regeln Prüfbedarf: „Wir begrüßen, dass der Affordable Housing Act auf mehr Rechtssicherheit, wirksamen Wohnraumschutz und fairen Wettbewerb zwischen Hotellerie und Kurzzeitvermietung setzt. Düsseldorf steht NRW-weit an Platz 2 der Top-Orte für Kurzzeitvermietungen und sollte seine befristete Wohnraumschutzsatzung vor einer Fortführung auf Notwendigkeit und Wirkung prüfen. Dabei sollte die europäische Rechtsentwicklung einbezogen werden. Zusätzliche Einschränkungen sollten nur dort greifen, wo Belastungen für den Wohnungsmarkt tatsächlich belegt sind. Gleichzeitig darf keine neue Doppelbürokratie entstehen. Vorrang haben für die Wirtschaft bessere Investitionsbedingungen für mehr Wohnraum. Dazu gehören schnellere Genehmigungen, einfachere Umnutzungen und weniger Bürokratie.“
Nächste Schritte in Brüssel
Der Affordable Housing Act ist bislang ein Vorschlag der Europäischen Kommission. Über die geplante Verordnung beraten nun das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten.
Für Düsseldorf lohnt sich der Blick nach Brüssel damit gleich doppelt: Der europäische Rahmen könnte künftig beeinflussen, wie lokale Eingriffe in angespannte Wohnungsmärkte begründet werden müssen. Gleichzeitig setzt die Kommission ein wichtiges Signal für die Angebotsseite: Langfristig braucht es vor allem bessere Bedingungen dafür, dass mehr Wohnraum entstehen kann.
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