Es dauert nicht mehr lange und mit dem Hoppeditz-Erwachen beginnt in Düsseldorf die fünfte Jahreszeit. Als Vorgeschmack auf die neue Session fand im Rahmen der ersten ZOON Podcast Week ein Live-Podcast aus der Reihe „Wirtschaft Düsseldorf unplugged“statt, die gemeinsam von der Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf, dem Rotonda Businessclub und der IHK initiiert ist.
Autorin: Dagmar Haas-Pilwat; © IHK Düsseldorf / Andreas Endermann; Stand 10/2026
Bei der von Andrea Greuer moderierten Diskussion in den Räumen der IHK stand im Mittelpunkt die Frage: Karneval und Wirtschaft – passt das zusammen? Und wenn ja: Wie viel Kommerz verträgt das Brauchtum? Vier Persönlichkeiten aus Kunst, Wirtschaft und Karneval – Jacques Tilly, Künstler und Schöpfer der legendären Düsseldorfer Rosenmontagswagen, Gabriele Römer, Inhaberin der Haaner Felsenquelle, Uwe Willer, Geschäftsführer des Comitee Düsseldorfer Carneval e.V., und Stefan Kleinehr, Inhaber der Künstleragentur Lust & Laune Eventkonzepte GmbH und Manager der Kölsch-Rockband „Brings“ – tauschten lebhaft die Argumente für und wider aus. Einig waren sie sich einig darin, dass ein solches Ereignis wie der Karneval nicht ohne die Wirtschaft und schon gar nicht ohne die Arbeit der zahlreichen Ehrenamtlichen zu stemmen ist. Denn Brauchtum ist vor allem Ehrenamt.

Karneval ein Wirtschafts- und Standortfaktor
Während es für die feiernden Jecken am 11.11.2026 richtig losgeht, stecken die Vereine – 66 an der Zahl – und das Comittee Düsseldorfer Carneval (CC) schon seit Monaten mitten in den Vorbereitungen. Seit zwei Jahren steht Uwe Willer als Geschäftsführer an der Spitze des CC. Zu seinen Hauptaufgaben zählen Zahlen und Finanzen, denn Karneval ist neben dem Spaß an der Freud ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: „Alleine am Karnevalswochenende haben wir rund 2,2 Millionen Menschen, die mit dem Karneval in der Stadt in Berührung kommen. Davon profitieren Gastronomie, Hotellerie, Handel, Künstler, Agenturen und zahlreiche Dienstleister. Wir wissen aus Befragungen, dass sie im Durchschnitt etwa 50 Euro ausgeben, was einen Umsatz von 110 Millionen Euro ergibt. Da bleibt seriös gerechnet mindestens eine Million Euro netto in der Stadtkasse übrig.“ Hinzu komme der immaterielle Mehrwert allein durch die internationale Medienresonanz auf die satirischen Mottowagen von Jacques Tilly und seinem Team. Schätzungen beziffern den Werbe- und PR-Wert auf rund fünf Millionen Euro.



Jacques Tillys satirische Wagen werden weltweit verstanden
Für den Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly – seit mehr als 40 Jahren entwirft, zimmert und verkleistert er politische Wagen, die so berühmt wie berüchtigt sind – gehört Karnevalfeiern zur Art des Rheinländers, „zu seinem Biorhythmus“. Karneval das ist ein Stück Düsseldorfer Identität. „Er bringt Menschen zusammen, prägt das Lebensgefühl unserer Stadt. Ein Leben ohne Karneval wäre traurig“, betont Tilly – auch wenn das Saisongeschäft für ihn und sein Team Zeitdruck bedeutet: „Wir müssen uns an die 100 Entwürfe für die Vereine und Sponsoren ausdenken inklusive einem Dutzend Mottowagen und sie in Windeseile manchmal noch einen Tag vor Rosenmontag bauen“. Doch das Schöne sei, „die Wagen schlagen immer höhere Wellen und sie werden überall rund um den Globus verstanden“.
Die satirischen Großplastiken, die den Düsseldorfer Rosenmontagszug zum Inbegriff des bissigen und sehr politischen Karnevals gemacht haben, sind zweifellos eine enorme Werbung und ein lukratives Geschäft. Damit Tillys Arbeit und die seines Teams langfristig abgesichert sind, wurde in diesem Jahr gemeinsam mit dem Comitee Düsseldorfer Carneval e. V. eine Gesellschaft für die Herstellung und den Vertrieb von Großplastiken gegründet – die JTT Großplastiken GmbH. So soll die Zukunft des satirischen Karnevals samt der politischen Mottowagen auf eine solidere finanzielle Grundlage gestellt. Das CC ist Mehrheitseigner der GmbH, die gemeinsam von Jacques Tilly, CC-Geschäftsführer Uwe Willer und CC-Vizepräsident Stefan Kleinehr ehrenamtlich geführt wird.
Letzterer ist Inhaber der Künstleragentur ERSTE 11 GmbH, Manager von Brings und Vizepräsident des Comitee Düsseldorfer Carneval e.V. Stefan Kleinehr kennt beide Seiten: Karneval mit seinen Traditionen und den Kommerz. Kaum ein anderer kann die wirtschaftlichen Herausforderungen von Vereinen und Veranstaltern so gut bewerten wie er. Demnach wollen die Gäste professionelle Auftritte von Künstlern, ein hochkarätiges Programm für eine Sitzung und gleichzeitig zivile Preise bei Eintrittskarten und Verpflegung. Und das in Zeiten, in denen die Preise steigen, insbesondere die Aufwendungen für Sicherheit und professionelle Bühnentechnik.
„Wir sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Hinter vollen Sälen, großen Bühnen und dem Rosenmontagszug steht auch ein erheblicher finanzieller und organisatorischer Aufwand. Sponsoring ist deshalb ganz klar ein fester Bestandteil des Karnevals mit seinen Büttenreden und Tanzgarden“, erklärte Stefan Kleinehr.
Unternehmer zeigen närrische Flagge
Eine der Unterstützerinnen ist Gabriele Römer, Inhaberin der traditionsreichen Haaner Felsenquelle. Mit ihrem Mineralwasser macht die Seniorchefin im Karneval nach eigenen Angaben zwar nicht das große Geschäft („Alkoholisches ist das Thema“), aber sie und ihre Familie engagieren sich seit jeher in der Region als loyale, verlässliche Partner. So zeigt das Haaner Unternehmer „närrische Flagge“ mit einem eigenen Mottowagen beim Familien-Karnevalsumzug am Tulpensonntag. „Wir wollen die Tradition bewahren und das Miteinander fördern“, erklärte Gabriele Römer.

Das Kö-Treiben ist die perfekte Einstiegsdroge
Ums „analoge Miteinander“, wie es Jacques Tilly bezeichnet, geht es auch in Düsseldorf beim Kö-Treiben. „Es ist eines der wichtigsten Aushängeschilder für unsere Art zu leben. Jemand, der neu nach Düsseldorf kommt, kann ohne Eintrittskarte uns und den Karneval in der Stadt erleben. Das Kö-Treiben (mit 300 000 Teilnehmenden in der letzten Sesson) ist die perfekte Einstiegsdroge“, erklärt Uwe Willer. Das Konzept werde stets mit neuen Attraktionen weiterentwickelt, um so die hohen Kosten durch höhere Einnahmen auszugleichen.
Weil Karnevalssitzungen und Rosenmontagszug (die Kosten beliefen sich 2026 auf 1,7 Millionen Euro) zunehmend mehr Geldgeber benötigen, um für große Teile der Bevölkerung erschwinglich zu bleiben, versucht das Comitee Düsseldorfer Carneval e.V. weitere große, mittlere und kleinere Unternehmenspartner vom Karneval zu überzeugen und zur Unterstützung des Düsseldorfer Brauchtums zu gewinnen. Ein besonders nachgefragtes Angebot sind Tillys Sponsorenwagen: Zum Pauschalpreis von 44.444 Euro können diese inklusive Trekker und Fahrer in Auftrag gegeben werden und so dazu beitragen, dass der Karneval zugleich seinen Markenkern bewahren und sich weiterentwickeln kann.
Fazit: Sponsoren und Partner aus der Wirtschaft werden immer wichtiger. Gleichzeitig lebt das Brauchtum von Gemeinschaft, Ehrenamt, Tradition und Authentizität.
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