Beim Business Forum Bangladesh in der IHK Düsseldorf kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie zusammen, um über aktuelle Entwicklungen und neue Geschäftschancen zu sprechen. Dabei wurde deutlich: Bangladesch ist für die deutsche Wirtschaft längst mehr als ein klassischer Beschaffungsmarkt für Textilien. Zwischen geopolitischen Verschiebungen, wachsendem Diversifizierungsdruck und einer jungen, dynamischen Volkswirtschaft rückt das Land zunehmend als Produktions- und Investitionsstandort in den Fokus.
Autorin: Alexandra von Hirschfeld; © Hans-Jürgen Bauer / IHK Düsseldorf; Stand 04/2026
Dass die IHK Düsseldorf dieses Forum ausrichtete, folgt einer klaren strategischen Linie. Mit dem im vergangenen Jahr gegründeten Indien-Kompetenzzentrum hat die IHK ihr Angebot für Unternehmen mit Blick auf Südasien bereits geschärft. Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, auch angrenzende Wachstumsmärkte wie Bangladesch stärker in den Fokus zu rücken. Ein sichtbares Zeichen für die wachsende Bedeutung der bilateralen Beziehungen setzte gleich zu Beginn S.E. Muhammad Zulqar Nain, Botschafter der Volksrepublik Bangladesch in Berlin: Er trug sich in das Goldene Buch der IHK Düsseldorf ein.
Bangladesch als wachsender Wirtschaftsstandort für deutsche Unternehmen
Bangladesch positioniert sich zunehmend als Wirtschaftsstandort mit Perspektiven in Energie, Infrastruktur, IT, Gesundheitswirtschaft und industrieller Fertigung. Für Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen kann das Land damit zu einem strategisch wichtigen Partner werden – gerade in Zeiten, in denen Lieferketten neu gedacht werden müssen. Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf, ordnete Bangladesch als Partner mit wachsender Relevanz ein. Unternehmen suchten angesichts geopolitischer Spannungen und unsicherer Handelsrouten zunehmend nach „alternativen Märkten und neuen Chancen“. Genau hier setze die IHK an.



Entwicklungszusammenarbeit: Chancen durch Entwicklung und Kooperation
Wie eng wirtschaftliche Interessen und Entwicklungszusammenarbeit inzwischen verzahnt sind, machte Christiane Schnöckel von der GIZ deutlich. Ziel sei es, vor Ort Perspektiven zu schaffen – durch Ausbildung, Beschäftigung und bessere Lebensbedingungen – und gleichzeitig nachhaltige Märkte zu erschließen. Am Beispiel des Energiesektors zeigte sie, wie deutsche Entwicklungszusammenarbeit Bangladesch beim Aufbau der Energiewende unterstützt – von regulatorischen Strukturen bis zur Fachkräftequalifizierung. Auch Oliver Wagener von der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung betonte die praktische Unterstützung für Unternehmen. Die Einrichtung verstehe sich als „One-Stop-Shop“ für Firmen, die nach Förder- und Kooperationsmöglichkeiten in Entwicklungs- und Schwellenländern suchen.
Dass Bangladesch über den Textilsektor hinausdenkt, unterstrich Ines Budarick vom Ostasiatischen Verein (OAV). Sie beschrieb das Land als häufig unterschätzt, wirtschaftlich aber hochdynamisch. Besonders interessant sei die Kombination aus junger Bevölkerung, wachsender Industrialisierung und strategisch günstiger Lage zwischen Indien und China.
Investitionsmöglichkeiten in Bangladesch: Branchen wie Energie, Infrastruktur und Industrie
Einen konkreten Blick auf Geschäftspotenziale lieferte Mareen Haring von Germany Trade & Invest (GTaI). Neben der dominierenden Textilindustrie gewinnen vor allem Infrastruktur, Energieversorgung, Umwelttechnologien und industrielle Modernisierung an Bedeutung. Gerade in Bereichen wie Maschinenbau, Energieeffizienz und nachhaltiger Produktion eröffnen sich gute Einstiegsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen.
Wie Markteintritt und Vertrieb in Bangladesch konkret gelingen können, zeigte Rüdiger Schröder von Altios aus Köln. Das Beratungsunternehmen unterstützt Firmen beim internationalen Markteintritt und hat inzwischen auch ein eigenes Büro in Bangladesch. Schröders Fokus lag auf den praktischen Herausforderungen im Vertrieb – von geografischen Distanzen und logistischen Hürden über regionale Unterschiede bis hin zu kulturellen Besonderheiten. Wer in Bangladesch erfolgreich Geschäfte machen wolle, müsse lokale Netzwerke aufbauen, religiöse und kulturelle Kontexte verstehen und vor allem persönliche Beziehungen entwickeln, betonte er.



Dass Bangladesch nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch für technologiegetriebene Infrastrukturprojekte relevant ist, zeigte Gero Böhmer von Wilo aus Dortmund. Der Pumpen- und Systemanbieter ist seit mehr als 16 Jahren in Bangladesch aktiv und setzt dort auf Lösungen im Bereich Wasser- und Hochwassermanagement. Im Fokus stand ein Projekt in Chattogram, bei dem Wilo mit großdimensionierten Pumpensystemen zur Hochwasserkontrolle und Entwässerung beiträgt. Gerade in einem Land, das regelmäßig von Starkregen und Überschwemmungen betroffen ist, wird Wasser damit zu einem zentralen Zukunftsthema – und zu einem relevanten Geschäftsfeld für deutsche Technologieanbieter.
Risiken und Herausforderungen beim Markteintritt in Bangladesch: LDC-Status und politische Stabilität
Als besonders drängend stellte sich die anstehende LDC-Graduierung heraus. Mit dem Ausstieg aus dem Status der „Least Developed Countries“ würden bisherige Handelserleichterungen schrittweise entfallen – mit gravierenden Folgen vor allem für die exportstarke Textilindustrie. Thomas Köning, Geschäftsführer der OSPIG GmbH, die seit 1994 mit eigener Produktion im Land aktiv ist und dort inzwischen 3.300 Mitarbeiter beschäftigt, warnte: „Wenn das nicht gelöst wird, kann das Land bis zu 20 Prozent seines Exportvolumens verlieren.“ Würden Bekleidungsprodukte künftig mit rund zwölf Prozent Zoll belastet, entstünde ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber Standorten wie Vietnam oder Indien.
Neben der LDC-Frage wurde auch politische Stabilität als entscheidender Faktor für künftige Investitionen benannt. Denn nur ein verlässlicher Rahmen schafft das Vertrauen, das internationale Unternehmen benötigen. Trotz aller Herausforderungen überwog in Düsseldorf ein konstruktiver Grundton: Bangladesch ist kein einfacher Markt – aber einer mit Dynamik, Resilienz und wachsender wirtschaftlicher Tiefe. Für deutsche Unternehmen dürfte das Land damit deutlich interessanter werden.

