Fachkräftetour: Potenziale entdecken

Menschen mit Behinderungen können Unternehmen bereichern. Das zeigte der Fachkräftekongress in Düsseldorf, den auch Arbeitsminister Karl-Josef Laumann bei seiner Fachkräftetour besuchte.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte im Rahmen seiner Fachkräftetour auch den Fachkräftekongress

Text: Jürgen Grosche, Fotos: Felix Gemein
Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Eine Gruppe ist dabei immer noch zu wenig im Blick: Menschen mit Behinderungen. Dabei bieten viele von ihnen große Potenziale, und es gibt von unterschiedlichen Seiten Unterstützung, auch von der IHK. Sie arbeitet aktiv in der „Gemeinsamen Initiative zur Stärkung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt Nordrhein-Westfalens“ mit. Diese Inklusionsinitiative hatte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Blick, als er im Rahmen seiner Fachkräftetour durchs Land die Region Düsseldorf-Kreis Mettmann besuchte. Organisiert hatte den Kongress die Regionalagentur Düsseldorf – Kreis Mettmann.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte im Rahmen seiner Fachkräftetour auch den Fachkräftekongress
Im Gespräch: Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

Dabei stattete der Minister dem Unternehmen Kadomo in Hilden einen Besuch ab, das gleich in doppelter Funktion das Thema Inklusion vorantreibt. Kadomo hat sich auf behindertengerechten Fahrzeugumbau spezialisiert – und das Unternehmen beschäftigt selbst Menschen mit Behinderungen. Beim anschließenden Regionalen Fachkräftekongress in Düsseldorf betonte Laumann: „Die gelungene Integration von Menschen mit Behinderung in das Unternehmen ist nicht nur ein Gewinn für die Vielfalt und das soziale Miteinander, sondern auch entscheidend für die langfristige Fachkräftesicherung. Menschen mit Behinderungen haben große Potenziale, von denen Unternehmen profitieren können und die besonders in Zeiten des Arbeitskräftemangels endlich erkannt werden müssen.“ Viele Menschen mit Beeinträchtigungen hätten gute Berufsabschlüsse, fänden dennoch nicht in den Arbeitsmarkt.

Bei dem Kongress schilderten zwei Betroffene ihre Erfahrungen und ihre Erfolgsgeschichten. Davina Ellis erkrankte 2013 an Multipler Sklerose. Gerade sollte sie die Anerkennung für ihre im Ausland erworbene Ausbildung bekommen. „Dann ist alles auseinandergeflogen.“ Durch Zufall bekam sie beim Friseur Kontakt zu einem Mitarbeiter von Infosys, einem weltweit tätigen IT-Unternehmen. Infosys wiederum wand sich an die „Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber EAA“ bei der IHK Düsseldorf. André Lutz Overrath, Vertreter der EAA und Fachberater der IHK für alle Fragen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, begleitete den Prozess. Dank der EAA bekam Infosys eine Einstellungsprämie bewilligt. Seit Oktober 2023 arbeitet Davina Ellis bei Infosys. „Ich habe wieder eine Aufgabe und Kontakt zu Menschen“, sagte sie und fügte hinzu: „Die Motivation, die behinderte Menschen haben, wird oft unterschätzt.“

„Die Motivation, die behinderte Menschen haben, wird oft unterschätzt.“

Davina Ellis, Mitarbeiterin bei Infosys

Rene Elz fand ebenfalls wieder eine Perspektive. Der Vater von zwei Kindern entwickelte im Alter von Anfang 30 eine schwere Muskelerkrankung. Seinen Handwerkerberuf konnte er nicht mehr ausüben, er schulte in eine kaufmännische Tätigkeit um. „Aber es war nicht einfach, Fuß zu fassen“, erinnerte er sich. „Ich musste selbst die Initiative ergreifen.“ Über Bekannte kam er an das Hildener Unternehmen Kadomo, absolvierte dort 2017 ein Praktikum und bekam ein Stellenangebot. „Ich habe meine eigene Position in der Firma gefunden und mich auf bestimmte Aufgaben spezialisiert“, erklärte Elz und lobte seinen Chef: „Herr Rösner steht mir immer zur Seite und unterstützt mich.“

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte im Rahmen seiner Fachkräftetour auch den Fachkräftekongress
Rene Elz (2.v.l.) und Davina Ellis (2.v.r.) berichteten, wie sich ihr Arbeitsleben durch die Behinderung verändert hat.

„Behinderte Mitarbeitende machen ihren Job wie jeder andere auch“, sagte Frank Rösner, Geschäftsführer von Kadomo. Das Unternehmen beschäftigt 23 Menschen in Hilden und 14 in Berlin. 35 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten Behinderungen. Kadomo beschäftigt darüber hinaus ältere Menschen. Dem Unternehmen tue das gut – behinderte und ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten die Kunden, die ja behindertengerechte Fahrzeuge brauchen, sehr kompetent beraten. „Für uns bietet jemand, der eine Behinderung hat, eine Zusatzqualifikation“, stellte Rösner fest.

Über den Einzelfall hinaus bereichern Mitarbeitende mit Behinderungen einen Betrieb: „Unternehmen, die Vielfalt strategisch in ihrer Personalpolitik verankern, profitieren nicht nur von einem breiteren Spektrum an Fachkräften, sondern steigern zudem ihre Attraktivität sowohl intern als auch extern. Dies führt zu höherer Mitarbeitermotivation und einer insgesamt zukunftssicheren Ausrichtung“, sagt Stephan Jäger, Berater für Fachkräftesicherung der IHK Düsseldorf.

„Behinderte Mitarbeitende machen ihren Job wie jeder andere auch.“

Frank Rösner, Geschäftsführer von Kadomo

Unternehmen stehen bei der Suche und der Beschäftigung von Mitarbeitenden nicht allein. Wie viele Unterstützungsangebote es gibt, wurde bei dem Fachkräftekongress deutlich. André Lutz Overrath, Fachberater der IHK für alle Fragen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen und „Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber EAA“, stellte gemeinsam mit seiner Kollegin Jessica Handke, die bei der Handwerkskammer Düsseldorf in gleicher Funktion tätig ist, die Angebote vor. „Wir informieren, beraten und unterstützen im gesamten Prozess bei Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen“, erklärte Handke; „Sie können uns einfach anrufen, einen Termin vereinbaren, alles ohne Kosten“, ergänzte Overrath.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte im Rahmen seiner Fachkräftetour auch den Fachkräftekongress
Jessica Handke, Handwerkskammer Düsseldorf und André Lutz Overrath von der IHK Düsseldorf informierten über Beratungsangebote.

Beide informierten ferner über die zahlreichen Fördermöglichkeiten, zum Beispiel die Ausbildungs- und die Einstellungsprämie sowie Investitionskostenzuschüsse für die Einrichtung passender Arbeitsplätze. Overrath schilderte aus der Praxis das Beispiel eines Taxiunternehmens, das drei Menschen mit Behinderungen eingestellt hatte und für alle drei eine Einstellungsprämie und weitere Fördermittel bekam. „Wir unterstützen und beraten  zu allen Aufgaben und Anfragen, die kommen“, sagte der Experte. „Wir wissen, an welche Leistungsträger man sich wenden muss, welche Formulare auszufüllen sind, und wir füllen die Anträge auch gerne aus“, skizzierte Overrath einen Ausschnitt aus den Unterstützungsangeboten.

„Wir unterstützen und beraten  zu allen Aufgaben und Anfragen, die kommen.“

André Lutz Overrath, IHK, Fachberater für Inklusion von Menschen mit Behinderung

Weitere Akteure stellten ihre Arbeit beim Fachkräftekongress vor und zeigten damit, wie breit gefächert die Initiativen und Maßnahmen sind, unter ihnen die Reha-Beratung der Agentur für Arbeit, der Firmenservice der Deutschen Rentenversicherung, bei dem zum Beispiel Präventionsmöglichkeiten erfragt werden können, die Fachstelle für behinderte Menschen im Arbeitsleben bei der Stadt Düsseldorf sowie die Werkstatt für angepasste Arbeit, Düsseldorf, deren Ziel auch die Vermittlung von Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt ist.

Der Kongress möge „aus der Region heraus einen Impuls geben“, der weiter im ganzen Land wirke, fasste Marion Bayan, Leiterin Regionalagentur Düsseldorf-Kreis Mettmann die Veranstaltung zusammen. Zumindest machte der Kongress Unternehmen Mut, sich mit dem Thema Inklusion vielleicht einmal intensiver zu beschäftigen.


Informationen der IHK Düsseldorf zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

Beiträge zur Fachkräftesicherung.