Viele Branchen spüren den Fachkräftemangel. Andererseits gibt es das unausgeschöpfte Potential von Frauen. Sie spielen für die Fachkräftesicherung eine immer wichtigere Rolle.
Autorin: Dagmar Haas-Pilwat; © Christina Weber ; Stand 06/2025
Mit dem erklärten Ziel, Frauen und Arbeitgebende direkt an einen Tisch zu bringen, über konkrete Einstiegsmöglichkeiten zu sprechen, statt abstrakt über Fachkräftemangel und Chancengleichheit zu debattieren, ging das Netzwerkformat „Unternehmen sucht Frau“ an den Start – und das sehr erfolgreich. Mehr als 150 Frauen aller Alters- und Berufsgruppen, unterschiedlicher Migrationsgeschichte, Nationalität und Religion kamen zu der von der Düsseldorfer Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“organisierten Veranstaltung ins Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf. Das Veranstaltungsformat wird neben der IHK von sieben weiteren Arbeitsmarktakteuren getragen (www.frauenveraendernwirtschaft.de) sowie von etlichen Unternehmen in der Region unterstützt, mitunter Henkel, Rheinbahn, ABB, Schulz & Sohn, BASF, Josef van Teeck, Wagner Vulcanizers, Lucom sowie Lebenshilfe Düssseldorf.
Sie alle sind auf der Suche nach neuen Ideen, praxisnahen Impulsen und handfesten Perspektiven für einen möglichen Quer- oder Wiedereinstieg, für eine Neuorientierung, eine Ausbildung oder Weiterentwicklung. Nach der Devise „miteinander reden, voneinander lernen“ wurden vielfältige Beschäftigungswege sichtbar und persönliche Kontakte auf kurzem Weg möglich. Und: Sie bekamen wertvolle Hinweise von den Teilnehmerinnen, wie sie für weibliche Beschäftigte attraktiver werden können, etwa über Arbeitszeitmodelle und faire Vergütung.
„Denn nach wie vor ist das Matching zwischen Unternehmen und potentiellen weiblichen Mitarbeitenden ausbaufähig“, sagte Stephan Jäger, Berater für Fachkräftesicherung der IHK Düsseldorf und einer der Akteure der Veranstaltung. Einerseits verkaufen sich viele Frauen unter Wert und arbeiten oft unterhalb ihrer Qualifikation. Viele Frauen stecken zudem auch heute noch für ihre Familien im Beruf zurück. Andere finden nach dem Mutterschutz nicht zurück in den Beruf oder trauen sich eher nicht in männerdominierte Berufsfelder einzusteigen, aus Sorge vor Ausgrenzung. Andererseits sind in den Köpfen der Unternehmer noch allzu oft Bedenken verankert hinsichtlich Alter, flexiblen Arbeitsmodellen und Bezahlung.

Nichtdeutsche Frauen bieten großes zusätzliches Potenzial für die Zukunft
Stärke zeigen, Chancen nutzen, nicht vorschnell bei Absagen aufgeben und vor allem Mut, neue Wege zu gehen, das sei gefragt, betonte Lydia Malin vom Institut für deutsche Wirtschaft in ihrer Keynote: Warum sollte beispielsweise eine Bäckerin für einen Job im Chemielabor qualifiziert sein? Denn im Grunde haben eine Backstube und ein Chemielabor einiges gemeinsam: Sauberkeit, genauer Ablauf, exakte Mengen und vieles mehr. Ihr Appell: „Um das Potenzial von Frauen noch besser zu erschließen, muss es gelingen die 531.000 nicht-deutschen, arbeitslosen Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und zum anderen qualifizierte Frauen auch in qualifizierte Jobs zu bringen. Mindestens jede Fünfte der gut 1,3 Millionen arbeitslosen Frauen sucht nach einer Beschäftigung, für die sie formal überqualifiziert ist.“
In einer Talkrunde wurde anschaulich, was eine Betriebsrätin wie Anke Heinisch, eine promovierte Soziologin wie Lydia Malin und eine Rheinbahnfahrerin wie Marina Kanigowski gemeinsam haben. Sie alle sind Best-Practice-Beispiele für Frauen in der Wirtschaft, die auf dem Podium ihre Erfahrungen teilten und berichteten, wie sie festgefahrene Ansichten aus dem Weg geräumt haben. Es fielen Schlagworte wie Wiedereinstieg nach der Elternzeit, Teilung von Carearbeit, sich hineinwagen in spannende, neue Berufsfelder.



Personal- und familienorientierte Unternehmenskultur
Marc Sethe, einer der Geschäftsführer von Schulz & Sohn und selbst Quereinsteiger, plädierte für eine mehr personal- und familienorientierte Unternehmenskultur: „Für uns ist Vielfalt ein entscheidender Erfolgsfaktor. Wir haben auch noch nie zwischen Männern und Frauen unterschieden. Teilzeit ist bei uns selbstverständlich.“ Das vor 136 Jahren von einer Frau gegründete Düsseldorfer Unternehmen für Chemie-Erzeugnisse zählt zu den Betrieben der Region, die mit dem Zertifikat „Hier ausgezeichnet arbeiten“ von Competentia Düsseldorf und Kreis Mettmann (Kompetenzzentrum Frau und Beruf) sowie IHK Düsseldorf für ihre Personalattraktivität ausgezeichnet wurden.
„Diese Qualitätsauszeichnung soll Betriebe prominent hervorheben und unterstützen, die auf moderne, flexible Arbeitsbedingungen und Diversität, auf eine attraktive lebensphasen-orientierte Personalentwicklung und Kinderbetreuung setzen, um so genügend Fachkräfte für den wirtschaftlichen Erfolg zu finden und binden“, sagte Stephan Jäger.
In den Gesprächen und an den Round Tables wurde deutlich, wie sehr sich die teilnehmenden Frauen bei der Jobsuche persönliche Kontakte zu potenziellen Arbeitsgebenden und auf sie zugeschnittene Modelle wünschen. Die Unternehmen nutzten die Gelegenheit zu zeigen, wie sie Frauen gezielt fördern und die Vereinbarkeit von Familien und Privatleben leben.
Die Resonanz auf das Format „Unternehmen sucht Frau“ war durchweg positiv. Es war ein Austausch „auf Augenhöhe“ und eine geeignete Plattform, sich mit Arbeitgebenden zu vernetzen.
Die Veranstaltung knüpfte zudem an bestehende Aktivitäten der IHK Düsseldorf an. Neben der Beratung und zahlreichen Netzwerk-Events ist vor allem das Frauen-Wirtschaftsforum (women2business) der IHK Düsseldorf in Kooperation mit Competentia zu nennen. Eines der wichtigsten regionalen Businessevents für Frauen in Beruf und Führung. In diesem Jahr findet es statt am 15. September 2026 unter dem Motto „Wir gestalten heute die Arbeitswelt von morgen!“.
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