IHK-Positionspapier China: Kooperation stärken, Alternativen sichern

Es gilt, mit entsprechendem Weitblick und Berücksichtigung der Rahmenbedingen so pragmatisch wie möglich zu handeln.

IHK-Positionspapier China

Text: Gesa van der Meyden
Chinas wirtschaftliche Macht ist eine Realität, die sich in nüchternen Zahlen widerspiegelt. Im vergangenen Jahr belief sich das Handelsvolumen zwischen der Bundesrepublik und China auf knapp 300 Milliarden Euro. Die Volksrepublik ist damit zum siebten Mal in Folge Deutschland wichtigster Handelspartner. Doch auch Nordrhein-Westfalen und insbesondere Düsseldorf und der Kreis Mettmann sind wirtschaftlich eng mit dem Reich der Mitte verbunden. Mit 654 Unternehmen zählt China zu den wichtigsten Herkunftsländern ausländischer Unternehmen im Bezirk der IHK Düsseldorf. Wegen Chinas enormer Bedeutung für die hiesige Wirtschaft hat die Vollversammlung der IHK Düsseldorf im Jahr 2019 ein IHK-Positionspapier China verabschiedet, das wesentliche Eckpfeiler der wirtschaftlichen, aber auch politischen Beziehungen umfasst. Darin forderte sie Entscheidungsträger auf Kommunal- und Bundesebene unter anderem auf, einen freien und fairen Handel mit China sicherzustellen und den starken China-Standort Düsseldorf und Kreis Mettmann kontinuierlich auszubauen.

Foto: IHK Düsseldorf/Felix Gemein

Die Unternehmen sollten dabei unterstützt werden, ihre ,China-plus-X-Strategie‘ auf- und auszubauen

IHK-Präsident Andreas Schmitz

In den vier Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich die geopolitische Realität verändert. China tritt mehr denn je als globale Wirtschaftsmacht auf, die ihre Interessen rigoros durchsetzt. Westliche Standards in puncto Menschenrechten, sozialer Sicherung oder Nachhaltigkeit spielen in vielen Bereichen kaum eine Rolle. Dasselbe gilt für Datenschutz oder den Respekt vor geistigem Eigentum. Nicht zuletzt wegen Chinas anhaltend freundlichem Kurs gegenüber Russland, dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine die Volksrepublik bis heute nicht verurteilt hat, und der anhaltenden Drohung gegenüber Taiwan mit unabsehbaren Folgen für die globale Wirtschaft arbeitet die Bundesregierung an einer neuen China-Strategie.

Neues IHK-Positionspapier China mit wichtigen Ergänzungen

Aus diesem Anlass hat auch die Vollversammlung der IHK Düsseldorf ein neues IHK-Positionspapier China verabschiedet, das im Vergleich zur Version von 2019 wichtige Ergänzungen enthält. Zentraler Ansatz: die Kooperation weiter stärken, aber vermehrt auf alternative Märkte setzen. „Die Unternehmen im IHK-Bezirk berücksichtigen geopolitische Fragestellungen und Konflikte in immer stärkerem Maße bei ihren unternehmerischen Entscheidungen. Auch Sozial- und Nachhaltigkeits-Standards beeinflussen Absatz-, Beschaffung- und Investitionsentscheidungen auslandsaktiver Unternehmen zunehmend. Daher lautet das Gebot der Stunde für Unternehmen mehr Diversifizierung bei Kundinnen und Kunden sowie Lieferantinnen und Lieferanten“ sagte IHK-Präsident Andreas Schmitz bei der Vorstellung des neuen IHK-Positionspapiers China.
Doch auch an die Politik gibt es klare Forderungen: „Die Unternehmen sollten dabei unterstützt werden, ihre ,China-plus-X-Strategie‘ auf- und auszubauen, indem Deutschland und die EU sich um neue Handels- und Rohstoffabkommen kümmern, um Unternehmen den vereinfachten Zugang zu Alternativmärkten und wichtigen Rohstoffen zu sichern“, so Schmitz weiter.

Confrontation, Competition, Cooperation

Generell müsse Deutschland seine Beziehung zu China in eine EU-Strategie einbetten, da nur die EU als mächtiger Binnenmarkt dem Riesenreich ökonomisch und politisch auf Augenhöhe begegnen könne.
Schmitz spricht von einem Dreiklang aus „Confrontation, Competition und Cooperation“ im Umgang mit China. Die eigenen Interessen und Werte durchsetzen, wo es möglich ist, offen und selbstbewusst den Wettbewerb annehmen und dennoch auf Zusammenarbeit setzen. Beim auch wirtschaftlich zentralen Zukunftsthema, der Bekämpfung des Klimawandels, geht ohne China ohnehin nichts. „Hier brauchen wir China als konstruktiven und wichtigen Partner, der schon jetzt künftige wirtschaftliche Projekte eng mit dem Klimaschutz verknüpft, etwa im Bereich Elektromobilität. Es gilt, mit entsprechendem Weitblick und unter Kenntnis der Rahmenbedingen so pragmatisch wie möglich zu handeln.“
Schließlich müsse die Politik die erfolgreiche Zusammenarbeit auf regionaler und kommunaler Ebene weiter stärken, etwa durch Städtepartnerschaften, Wirtschaftsdelegationen oder Unternehmensansiedlungen. „Die IHK Düsseldorf wird sich deshalb auch weiterhin selbst sowie im Rahmen des China Kompetenzzentrums Düsseldorf von Landeshauptstadt, Messe Düsseldorf und IHK für die Stärkung der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen einsetzen“, betonte der IHK-Präsident.


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