Im China-Geschäft bestehen – strategisch und auf Augenhöhe

Aus der IHKIm China-Geschäft bestehen – strategisch und auf Augenhöhe

China bleibt für deutsche Unternehmen in mehrfacher Hinsicht wichtig – als Absatzmarkt, Beschaffungsquelle und Innovationsstandort. Doch die Spielregeln in der Zusammenarbeit ändern sich schnell. Beim „Greater China Day“ der Industrie- und Handelskammern in Zusammenarbeit mit den Auslandshandelskammern in Greater China diskutierten die Teilnehmenden in Düsseldorf, wie sie strategisch handlungsfähig bleiben.

Autorin: Natascha Plankermann; © Andreas Endermann ; Stand 06/2025

Wer heute mit China Geschäfte macht, muss sich auf ein immer dichteres Geflecht von neuen Regeln einstellen: Zölle, Exportkontrollen – und hinzu kommen noch geopolitische Spannungen, die den Handelsrahmen ständig neu definieren. Herausforderungen, für deren Bewältigung es eines fundierten Hintergrundwissens bedarf. Deshalb kamen Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen, Politik, Verbänden sowie dem IHK-/AHK-Netzwerk jetzt in Düsseldorf zum „Greater China Day“  zusammen.

Lieferketten absichern: Nicht erst im Notfall diversifizieren

Bei dem Panel „Supply Chain Resilience – Diversifizierung konkret umsetzen“ gaben Unternehmen Einblick, wie sie in der Praxis gegen Abhängigkeiten vorgehen.

Bei Henkel setzt man auf regionale Verankerung in China: in der Region produzieren, für die Region liefern. „Wer die lokalen Bedingungen kennt, kann flexibel reagieren und Risiken früher erkennen – lange bevor ein Lieferausfall eintritt“, sagt Isabelle von Babo, Vizepräsidentin EU Supply Chain bei Henkel. Für Schlüsselrohstoffe unterhalte Henkel bewusst mehrere Lieferanten gleichzeitig.

Ähnlich strukturiert denkt man bei der Metro. Der Handelskonzern hat eine Liste von 800 Artikeln erstellt, für die er sich jeweils auf alternative Bezugsquellen stützt. „Beziehungen zu mehreren Lieferanten müssen wachsen und gepflegt werden – sie funktionieren nicht, wenn man sie erst im Notfall aktiviert“, erklärt Lars Doberstau, Vizepräsident Global Procurement bei der METRO AG.

Auch aus Bankenperspektive wird das Thema gesehen: „Diversifizierung und Flexibilität statt Abhängigkeit – das wünschen wir uns für die Finanzierung von Projekten“, sagt Gregor Koch, Treasurer & Board Member, German Chamber of Commerce in China – East China sowie General Manager und Head of China der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW Shanghai Branch).

Mehr Mitsprache der Wirtschaft, klarere Interessenvertretung

In seinem Impulsvortrag plädierte Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG, für eine stärker interessengeleitete und wirtschaftsnahe Außen- und Handelspolitik. Er sprach sich für mehr Mitsprache der Wirtschaft bei Entscheidungen auf europäischer Ebene aus. Im Umgang mit China dürfe es weder Sonderbehandlungen noch ein Appeasement geben; vielmehr sei eine klare Haltung zur Durchsetzung eigener wirtschaftlicher und strategischer Interessen erforderlich. Zugleich warb Kullmann für einen ausgewogenen Umgang mit den USA und China nach dem Vorbild Singapurs, das auf pragmatische Beziehungen zu beiden Seiten sowie auf eine enge Kooperation mit anderen Mittelmächten setzt. Kritisch äußerte er sich zudem gegenüber einer aus seiner Sicht häufig moralisierenden Außenpolitik und plädierte für einen stärker sach- und interessenorientierten Ansatz im Verhältnis zu anderen Staaten.

Exportkontrollen: Das Rad dreht sich

Katharina Neckel, Referatsleiterin Außenwirtschaftsrecht und Handelsvereinfachungen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), brachte eine klare Botschaft mit: „Exportkontrolle entwickelt sich immer mehr zu einem großen Rad, das gedreht wird.“

China nutze das Instrument zunehmend, dabei stünden kritische Rohstoffe und Seltene Erden im Fokus. Und im Hintergrund tickt die Uhr: Der einjährige Handelsfrieden zwischen China und den USA läuft laut Neckel im November 2026 aus. Was danach kommt, ist offen – und könnte die Rahmenbedingungen erneut verschieben.

Neckels Botschaft an die Unternehmerinnen und Unternehmer im Saal: Abhängigkeiten kennen und vermeiden, Exportkontrollen im Blick behalten. Das Ziel sei es, schnell in der Kurve zu fahren.  Das bedeutet konkret: Jetzt prüfen, auf welche Produkte, Technologien oder Lieferbeziehungen im eigenen Unternehmen Regulierungen zukommen können.

EU und China: Klare Regeln, kein Konfrontationskurs

Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf, moderierte das Panel zur EU–China-Handelspolitik – ein besonders diskussionsreiches Format.

Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, wurde zugeschaltet und brachte die europäische Position auf den Punkt: Die EU will sich nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis manövrieren lassen, aber auch keinen offenen Konflikt suchen.

Schlindwein brachte den Industrial Accelerator Act ins Gespräch – das geplante EU-Gesetz, das klassische Industrieförderung mit regulatorischen Vorgaben verbindet. Lokale Wertschöpfungsanforderungen, Ausschlüsse bei öffentlichen Ausschreibungen, Schutz vor marktbeherrschenden Übernahmen durch nicht-europäische Investoren – das Paket zielt erkennbar auf den Wettbewerb mit China.

„Der IAA kommt nicht nur bei vielen Unternehmen, sondern auch in China nicht gut an“, stellte Schlindwein fest. Lange blieb pragmatisch: „Das ist erst einmal ein Vorschlag, der diskutiert und angepasst wird.“ Oliver Oehms, Chief Representative, Executive Director und Board Member der AHK Greater China in Peking, ergänzte: „Die EU ist ein wichtiger Partner für China, mit dem man gern zusammenarbeitet. Das sind gute Voraussetzungen dafür, selbstbewusst und auf Augenhöhe miteinander umzugehen.“


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