Praxiswerkstatt „Zukunftsfähig durch internationale Fachkräfte“

Aus der IHKPraxiswerkstatt „Zukunftsfähig durch internationale Fachkräfte“

Erfolgreiche Integration beginnt lange vor dem ersten Arbeitstag

Autorin: Alexandra von Hirschfeld; © Melanie Zanin / IHK Düsseldorf; Stand 06/2026

Der Fachkräftemangel beschäftigt Unternehmen aller Branchen. Wie internationale Fachkräfte gewonnen, integriert und langfristig gehalten werden können, stand im Mittelpunkt der Praxiswerkstatt „Zukunftsfähig durch internationale Fachkräfte“ der IHK Düsseldorf. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Institutionen und Dienstleistungsunternehmen tauschten sich über Erfahrungen, Herausforderungen und erfolgreiche Lösungsansätze aus.

„Internationale Fachkräfte sind derzeit in aller Munde“, betonte Theresa Proyer
Referentin Internationale Fachkräftesicherung von der IHK Düsseldorf zur Begrüßung. Ziel der Veranstaltung sei es, Unternehmen miteinander ins Gespräch zu bringen und Raum für einen offenen Erfahrungsaustausch zu schaffen. Unterstützt wurde die Praxiswerkstatt unter anderem durch die DIHK Service GmbH mit dem Projekt „Hand in Hand for International Talents“. 

Internationale Fachkräfte gewinnen – mehr als Recruiting

In zwei Themeninseln diskutierten die Teilnehmenden die Themen „Internationale Fachkräfte finden und gewinnen“ sowie „Internationale Fachkräfte erfolgreich im Unternehmen ankommen lassen, halten und fördern“. Schnell wurde deutlich: Die Herausforderungen beginnen lange vor dem ersten Arbeitstag und enden nicht mit der Einstellung. 

Felix Winkel von der Metallarbeiter GmbH berichtete aus der Praxis eines Unternehmens, das bereits seit Jahren internationale Fachkräfte beschäftigt. Neben der Rekrutierung seien insbesondere Wohnraum, Sprachkenntnisse und die Begleitung im Alltag entscheidend. „Die Menschen müssen sich wohlfühlen, damit sie hierbleiben wollen“, machte er deutlich. Gerade in der Anfangszeit gehe es häufig um weit mehr als berufliche Fragen – von Behördengängen über Bankangelegenheiten bis hin zu ganz alltäglichen Herausforderungen.

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Sprache. Mehrere Unternehmen berichteten, dass Sprachzertifikate nicht immer die tatsächlichen Sprachkenntnisse im Berufsalltag widerspiegeln. Insbesondere ein sicheres B2-Niveau wurde in vielen Branchen als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration und Zusammenarbeit genannt. Gleichzeitig waren sich die Teilnehmenden einig, dass Sprachkompetenz nicht allein im Unterricht entsteht. Entscheidend seien vor allem die tägliche Anwendung und der Austausch im Arbeitsalltag.

Auch die Anerkennung ausländischer Qualifikationen beschäftigt viele Unternehmen. Insbesondere bei technischen Berufen bestehen häufig Unsicherheiten darüber, welche Abschlüsse anerkannt werden können und welche zusätzlichen Qualifikationen erforderlich sind. Mario Nikolay von der Agentur für Arbeit verwies auf bestehende Beratungsangebote und die Unterstützung durch Kammern und Fachstellen.

Integration entscheidet über langfristigen Erfolg

Wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist, zeigte die Perspektive des Handwerks. Fleischermeister Lutz Kluke berichtete von erheblichen Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften. Der Fachkräftemangel sei inzwischen so gravierend, dass Unternehmen bereit seien, erhebliche Investitionen in das Recruiting und die Integration von internationalen Nachwuchs- und Fachkräften zu tätigen. Im Workshop zur Integration wurde deutlich, dass erfolgreiche Fachkräftesicherung weit über den Arbeitsplatz hinausgeht. Kerstin Vorberg, Geschäftsführerin Berufliche Weiterbildung / IHK-Forum fasste die Ergebnisse zusammen: „Die größten Herausforderungen beginnen oft nach Feierabend.“ Wohnraum, soziale Kontakte, Familienperspektiven und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben seien entscheidende Faktoren dafür, ob Menschen langfristig in Deutschland bleiben. „Es geht darum, diese Menschen als Ganzes zu betrachten – nicht nur als Mitarbeitende“, betonte sie als Fazit des lebendigen Austauschs.

Als Best Practices nannten die Teilnehmenden Orientierungstouren für Neuankömmlinge, Unterstützung bei der Wohnungssuche, die Einbindung von Familien sowie niedrigschwellige Kommunikationsangebote. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Integration als gemeinsamer Veränderungsprozess verstanden werden müsse – nicht nur für die neuen Mitarbeitenden, sondern auch für die bestehenden Teams.

In der Abschlussrunde fasste Theresa Proyer die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. „Viele Unternehmen wünschen sich vor allem Orientierung. Die IHK will die Unternehmen dabei unterstützen, ihre eigene Wertschöpfungskette aufzubauen – vom fairen Recruiting im Herkunftsland bis zur Integration im Unternehmen“.

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