Die Unternehmen in Düsseldorf und im Kreis Mettmann stehen vor einem schwierigen Spagat: Einerseits treiben sie die Transformation hin zu mehr Klimaschutz und einer nachhaltigen Energieversorgung voran, andererseits belasten hohe Energiekosten und unsichere politische Rahmenbedingungen ihre wirtschaftlichen Perspektiven. Das zeigt die regionale Auswertung des aktuellen Energiewende-Barometers der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Die Ergebnisse machen deutlich: Nicht die Bereitschaft zur Transformation fehlt – sondern die Voraussetzungen, um sie wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen.
Text: IHK-Redaktion; (c) Adobe Stock; Stand 08/2026
Wenn Energiekosten zur Investitionsbremse werden
Für viele Betriebe werden die steigenden Energiekosten zunehmend zum Wettbewerbsnachteil. Im IHK-Bezirk Düsseldorf geben 40,9 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit dadurch beeinträchtigt wird. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. Jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen. Gleichzeitig werden Investitionen in Kernprozesse von 28,6 Prozent der Unternehmen zurückgestellt, 16,6 Prozent verschieben Ausgaben für Forschung und Innovation. Damit geraten nicht nur Maßnahmen zur Dekarbonisierung ins Stocken, sondern auch Projekte, die die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen insgesamt sichern sollen.
Auch die Bewertung der Energiewende fällt entsprechend kritisch aus. Lediglich 4,5 Prozent der befragten Unternehmen sehen positive oder sehr positive Auswirkungen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Demgegenüber bewerten 37,6 Prozent die Auswirkungen als negativ oder sehr negativ.
„Nicht die Transformation ist das Problem – sondern ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hohe Energiekosten und fehlende Planungssicherheit bremsen Investitionen und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts“, sagt Julien Mounier, Vizepräsident der IHK Düsseldorf. Aus seiner Sicht entscheidet sich die Zukunft des Wirtschaftsstandorts nicht an immer neuen Detailvorgaben, sondern daran, ob Unternehmen unter verlässlichen Bedingungen investieren können.
Der Wille zur Transformation ist da
Trotz der schwierigen Ausgangslage zeigt das Energiewende-Barometer auch, dass viele Unternehmen die Transformation aktiv gestalten. 68,2 Prozent setzen auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. 42,6 Prozent sichern sich über langfristige Energielieferverträge gegen Preisschwankungen ab, während 32,5 Prozent in eigene Energieerzeugung investieren. Fast zwei Drittel der Unternehmen verfolgen bereits ein Ziel zur Klimaneutralität oder haben dieses sogar schon erreicht. Die Bereitschaft, Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen und die eigene Energieversorgung zukunftsfähig aufzustellen, ist damit deutlich erkennbar.
Die größten Hürden sehen die Unternehmen jedoch außerhalb ihres eigenen Einflussbereichs. Als wichtigstes Hemmnis nennen 53,4 Prozent die Bürokratie. Ebenfalls häufig genannt werden eine fehlende Planbarkeit der Energiepolitik sowie langwierige Genehmigungsverfahren und Defizite bei der Energieinfrastruktur (45,8 Prozent). Aus Sicht der IHK Düsseldorf braucht es deshalb vor allem wettbewerbsfähige Energiepreise, leistungsfähige Netze, schnellere Genehmigungen und technologieoffene Rahmenbedingungen, damit Unternehmen weiterhin am Standort investieren und Wertschöpfung sichern können.
„Ob Unternehmen künftig hier investieren, entscheidet sich nicht an weiteren Detailvorgaben, sondern an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Klimaschutz braucht Wettbewerbsfähigkeit – nicht gegen sie“, betont Mounier.
Dass diese Herausforderungen kein regionales Phänomen sind, zeigt auch der bundesweite Blick. Im DIHK-Energiewende-Barometer 2026 berichten deutschlandweit 49 Prozent der Unternehmen von gestiegenen Stromkosten, bei der Wärmeenergie sind es sogar 67 Prozent. Der Energiewende-Barometerwert, der die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst, liegt bundesweit mit minus 11,48 Punkten erneut im negativen Bereich.
Für das DIHK-Energiewende-Barometer 2026 wurden bundesweit rund 3.100 Unternehmen aller Branchen befragt. Aus dem IHK-Bezirk Düsseldorf beteiligten sich rund 50 Unternehmen. Die regionalen Ergebnisse sind deshalb als Stimmungsbild der teilnehmenden Unternehmen zu verstehen – sie zeichnen jedoch ein klares Bild: Die Unternehmen wollen die Transformation gestalten, benötigen dafür aber verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
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