Ein neuer Job, eine fremde Sprache, unbekannte Abläufe – wer für den Beruf nach Deutschland zieht, steht oft vor weit mehr Herausforderungen als nur dem Start im Unternehmen. Damit internationale Fach- und Führungskräfte sich in ihrer neuen Heimat schneller zurechtfinden, organisiert der Expat Service Desk seit vielen Jahren die „Sommer Expat Welcome & Networking Tour“. Das Konzept geht dabei weit über eine klassische Stadtführung hinaus: Die Tour bringt Menschen zusammen, vermittelt Wissen über die Region und schafft persönliche Netzwerke – ein wichtiger Baustein für einen gelungenen Start.
Autorin: Alexandra von Hirschfeld; © Svitlana Bayer, Stand 07/2026
Mehr als eine Stadtführung: Ankommen beginnt mit Begegnungen
Schon im Reisebus wird deutlich, worum es an diesem Tag geht. Menschen aus unterschiedlichen Nationen kommen miteinander ins Gespräch, tauschen Erfahrungen aus und erzählen, warum sie sich für die Region Düsseldorf entschieden haben.
Die Route verbindet einige der prägendsten Orte der Region. Vom weltbekannten Neandertal führt sie durch die historische Altstadt von Mettmann und den denkmalgeschützten Ortskern von Haan-Gruiten bis in die Düsseldorfer Innenstadt. Begleitet werden die Teilnehmenden von englischsprachigen Guides, die Geschichte, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden und zugleich viele praktische Einblicke in ihre neue Heimat vermitteln.
„Die Idee entstand bereits vor fast zehn Jahren gemeinsam mit Düsseldorf Tourismus und Neanderland Tourismus“, erzählt Svitlana Bayer, Leiterin des Expat Service Desk. „Wir wollten internationalen Fachkräften ein Angebot machen, das genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Viele leben bereits seit einigen Jahren hier und haben das Neandertal trotzdem noch nie besucht. Gleichzeitig schaffen wir eine Plattform, auf der sie andere Expats kennenlernen können.“
Die Tour ist nur ein Baustein des Angebots. Der Expat Service Desk begleitet Unternehmen, internationale Fachkräfte und ihre Familien auch bei vielen Fragen des Alltags – von Behördenangelegenheiten über rechtliche Themen bis hin zu Informationsveranstaltungen rund um das Leben und Arbeiten in Deutschland. „Gerade englischsprachige Angebote fehlen vielerorts noch“, sagt Bayer.

Zwischen Bürokratie, Wohnungssuche und Sprache: Was Expats wirklich beschäftigt
Wie wichtig diese Unterstützung ist, bestätigt Haaron Christopher Sam aus Pakistan. Nach seinem Masterstudium absolvierte er Praktika unter anderem bei Henkel und promovierte am Max-Planck-Institut, bevor er eine Stelle in der Stahlbranche fand. Heute lebt und arbeitet er in Düsseldorf – und fühlt sich angekommen.
„Besonders am Anfang war die deutsche Bürokratie eine Herausforderung. Der Expat Service Desk hat mir bei vielen organisatorischen Fragen weitergeholfen“, sagt er. Gleichzeitig wünscht er sich noch mehr Möglichkeiten, Deutsch zu lernen und mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.
Eine weitere Teilnehmerin ist erst vor wenigen Wochen aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Die Maschinenbauingenieurin möchte künftig in der Verteidigungsindustrie arbeiten und ist mit der so genannten Chancenkarte eingereist. Das Aufenthaltsmodell richtet sich an qualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten und ermöglicht ihnen, nach Deutschland zu kommen, um vor Ort eine passende Arbeitsstelle zu suchen.
Sie freut sich sehr über die Gelegenheit, an einer Expat-Tour des Expat Service Desk teilzunehmen. „Ich habe sieben Jahre Berufserfahrung und bin überzeugt, dass ich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe“, sagt sie. Die größte Hürde seien derzeit ihre Deutschkenntnisse. Zwar besucht sie bereits einen Sprachkurs auf B1-Niveau, doch gerade in der Industrie werde in den meisten Unternehmen bessere Deutschkenntnisse vorausgesetzt.
Dass nicht nur Sprache, sondern auch ganz praktische Fragen den Start erschweren können, erzählt ein indisches Ehepaar. Beide fühlen sich in Deutschland willkommen und schätzen die Unterstützung durch den Expat Service Desk. Die größte Herausforderung sei allerdings gewesen, eine langfristige Wohnung zu finden. Gerade internationale Fachkräfte mit befristeten Arbeitsverträgen hätten es auf dem Wohnungsmarkt häufig schwer. Eine stärkere Unterstützung bei der Wohnungssuche würde den Einstieg zusätzlich erleichtern, sind sie überzeugt.
Auch eine Teilnehmerin aus den USA, die erst vor wenigen Tagen mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen ist, nutzt die Welcome Tour, um ihre neue Heimat kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Die Finanzexpertin sucht gemeinsam mit ihrer Familie eine dauerhafte Wohnung. Auf den Expat Service Desk wurde sie nach einer Weiterempfehlung aufmerksam. Umso mehr schätzt sie das Angebot der Beratungsstelle: „Gerade in den ersten Wochen gibt es so viele Fragen. Es ist gut zu wissen, dass es eine Anlaufstelle gibt, die internationale Fachkräfte beim Ankommen unterstützt.“
Für Svitlana Bayer zeigt sich genau darin die Bedeutung des Angebots. „Ein Arbeitsvertrag allein reicht nicht aus. Internationale Fachkräfte entscheiden sich langfristig für einen Standort, wenn sie sich dort auch persönlich wohlfühlen. Soziale Kontakte, Orientierung im Alltag und das Gefühl, willkommen zu sein, spielen dabei eine entscheidende Rolle.“




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