Sonja Sironen: Vom Aufbruch zur unternehmerischen Verantwortung

Aus der IHKSonja Sironen: Vom Aufbruch zur unternehmerischen Verantwortung

Wenn Sonja Sironen von ihrer beruflichen Entwicklung spricht, klingt das wie ein modernes Märchen. Es geht um Neugierde, Abenteuer, Mut und Verantwortung. Und um den Weg in die Unternehmensnachfolge – ein Thema, das auch im Bezirk der IHK Düsseldorf und im Kreis Mettmann zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Autorin: Simone Fischer; © marie w. (M.W. Internationale Naturprodukte GmbH); Lord / IHK Düsseldorf; Stand 04/2026

Es ist die Geschichte einer Frau, die auszog, um die Welt zu entdecken, mit einem Schatz an Erfahrungen und Wissen zurückkehrte und am Ende in Velbert nicht nur ein Unternehmen übernahm, sondern es stetig weiterentwickelt.

Der erste Schritt: Eine Reise, die alles verändert

„Eigentlich wollte ich Medizin studieren“, sagt die Unternehmerin heute rückblickend mit einem Schmunzeln. Dafür ging sie nach ihrem Abitur 1992 in Mülheim für ein Praktikum in ein Krankenhaus nach Sri Lanka und kam dort mit der ayurvedischen Medizin in Berührung, einer ganzheitlichen Heiltradition aus Indien, die auf natürliche Wirkstoffe, Ernährung und die Balance von Körper, Seele und Geist setzt. Die junge Frau ist fasziniert von der Heilkunst und Lebensweise. Dieses gesundheitliche Verständnis legt den Grundstein für ihren weiteren beruflichen Weg und wird ihre Arbeit in den Bereichen Nahrungsergänzung und Naturkosmetik prägen.

Aus dem ursprünglichen Praktikum werden schließlich zehn Jahre, die sie auf dem Inselstaat im Indischen Ozean lebt und arbeitet. Sie lernt klassischen indischen Tanz und gründet ein ayurvedisches Kurzentrum. Und genau dort kommt es 1996 zu einer Begegnung, die ihr Leben Jahre später entscheidend verändern wird: Maria Wißler, eine Pionierin der dekorativen Naturkosmetik in Deutschland und Gründerin der Make-Up Manufaktur marie w., ist zu Gast. Zwischen den beiden Frauen springt die Energie sofort über. Über die Jahre hinweg bleiben sie lose in Kontakt.

2002 zieht Sironen mit ihrem Mann weiter nach Hawaii. Mit ihm baut sie ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel auf, studiert an der Universität in Honolulu Tanzethnologie und absolviert im Anschluss einen Master of Business Administration (MBA). Da die Mieten und Lebenshaltungskosten auf den Inseln sehr hoch sind, lebt die Familie zeitweise auf einem Segelboot im Pazifik.

Zurück in der Heimat – und plötzlich Unternehmerin

Als ihr ältester Sohn ins schulpflichtige Alter kommt, trifft die Familie eine Entscheidung: Sie kehrt 2015 nach Deutschland zurück und findet in Velbert ein Zuhause. „Was ich nicht wusste, war, dass die Manufaktur von Maria nur wenige Kilometer von unserem neuen Wohnort entfernt war“, erzählt die 53-Jährige. Sie steigt zunächst in Teilzeit ein, bis Maria Wißler sie schließlich fragt, ob sie sich vorstellen könne, die Manufaktur zu übernehmen. Die dreifache Mutter sagt zu. „Es war bereits so viel da“, erinnert sich Sironen.

Und genau darin liegt für sie der große Vorteil einer Unternehmensnachfolge: eine bestehende Infrastruktur, eingearbeitete Mitarbeitende, etablierte Produkte und gewachsene Kundenbeziehungen. 2021 übernahm Sironen die Manufaktur und entwickelt das Unternehmen konsequent weiter. Heute arbeiten rund zehn Mitarbeitende in Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung. Zudem hat sie unter anderem ein Warenwirtschaftssystem eingeführt und die Eigenproduktion ausgebaut. Rund 80 Prozent der Produkte entstehen inzwischen in Velbert.

„Im Grunde ist jede Nachfolge auch eine Art Neugründung, aber innerhalb eines bestehenden Rahmens“, sagt sie. Für die Unternehmerin bedeutet das vor allem Verantwortung: für die Mitarbeitenden, für die Marke und für die Region. „Ich finde es wichtig, dass Unternehmen hier bleiben und die Region lebendig halten.“

Entscheidend für eine gelungene Übergabe sei vor allem das Verhältnis zwischen Vorgängerin und Nachfolgerin. „Der Vorgänger muss seiner Nachfolge etwas zutrauen. Und die Nachfolge braucht Vertrauen, um das Unternehmen respektvoll weiterentwickeln zu können“, betont Sironen. Unterstützung erhielt sie dabei auch von der IHK Düsseldorf, etwa bei der Finanzierung. „Für die Finanzierung war eine Stellungnahme notwendig, das die IHK schnell und unkompliziert erstellt hat“, berichtet sie.

Sironens Weg macht deutlich, welches Potenzial in einer gelungenen Unternehmensnachfolge steckt – und dass sie dennoch alles andere als selbstverständlich ist. Ein Blick auf die Region zeigt, wie groß die Bedeutung des Themas ist: Im Bezirk der IHK Düsseldorf stehen in den kommenden zehn Jahren rund 26.000 inhabergeführte Unternehmen vor einem Generationenwechsel – davon etwa 16.400 in Düsseldorf und 9.600 im Kreis Mettmann. Besonders relevant ist die Nachfolge für rund 6.300 wirtschaftlich stabile Betriebe mit insgesamt etwa 121.000 Beschäftigten. Zugleich wird es zunehmend schwieriger, passende Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie steigende Kosten und bürokratische Anforderungen.

„Die Unternehmensnachfolge ist für viele eine äußerst attraktive Alternative zur klassischen Existenzgründung, weil man nicht bei null anfangen muss“, sagt Svenja Hennig, Beraterin für Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Düsseldorf. Eine Übernahme erfordere zwar häufig einen höheren Kapitaleinsatz. Dafür profitieren Nachfolgerinnen und Nachfolger von vorhandenen Strukturen, Umsätzen und oft auch von der Erfahrung der bisherigen Inhaber, die den Übergabeprozess begleiten, so Hennig weiter. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten könne diese Stabilität ein wesentlicher Vorteil sein.


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