Wie lassen sich neue Ideen so in die Praxis bringen, dass daraus funktionierende Geschäftsmodelle entstehen? Genau diese Frage stand im Mittelpunkt des Wirtschaftstags Japan 2026.
Text: Simone Fischer; © Jan Tepass / NRW.Global Business; Stand 05/2026
Der Wirtschaftstag gilt als eine der größten deutsch-japanischen Wirtschaftskonferenzen. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus Japan und Nordrhein-Westfalen diskutierten dort über die Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft durch die Kommerzialisierung neuer Ideen und Verfahren. Ein Thema, das angesichts von Klimawandel, knapper werdenden Rohstoffen und geopolitischen Unsicherheiten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Im Fokus stand der Wandel von einer linearen hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise und die Chancen, die sich daraus für Unternehmen ergeben. Gerade Nordrhein-Westfalen spielt dabei als bedeutender Standort japanischer Unternehmen eine zentrale Rolle. Rund 650 japanische Unternehmen haben inzwischen ihre Heimat in NRW gefunden, mehr als 400 davon allein im IHK-Bezirk Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen gelten als wichtige Grundlage für gemeinsame Innovationen und internationale Kooperationen.
Einen Schwerpunkt innerhalb des Wirtschaftstages bildete die Podiumsdiskussion zur Kreislaufwirtschaft. Unter der Moderation von Carsten Gerhardt, CEO der Circular Valley Foundation, diskutierten Manfred Renner, Professor für Maschinenbau und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in Oberhausen, Kiyomi Sakamoto von der japanischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation NEDO aus Kawasaki bei Tokio sowie Denis Völler, Geschäftsführer des Grünen Punkts – Duales System Deutschland GmbH, über konkrete Ansätze und aktuelle Herausforderungen. Themen waren unter anderem Recyclingtechnologien, künstliche Intelligenz und die Rohstoffgewinnung aus industriellen Nebenprodukten.

Ressourcen neu gedacht: Wie NRW und Japan die Kreislaufwirtschaft voranbringen
Sakamoto verwies darauf, dass Japan als vergleichsweise kleines und rohstoffarmes Land künftig gezwungen sei, stärker in Kreisläufen zu denken. Positiv hob er hervor, dass in Europa und Deutschland Recyclingfähigkeit zunehmend schon bei der Produktentwicklung berücksichtigt werde. „Recyclingfähigkeit wird hier heute bereits bei Materialien und Produkten mitgedacht“, sagte er.
Wie stark technologische Innovationen die Branche bereits verändert haben, schilderte Denis Völler. Der Grüne Punkt habe vor rund 35 Jahren das weltweit erste duale System für Abfalltrennung und Recycling aufgebaut. Heute übernehme künstliche Intelligenz zahlreiche Prozesse, die früher händisch sortiert werden mussten. Gleichzeitig stünden Unternehmen vor neuen Herausforderungen – etwa beim Recycling moderner Batterie- und Energiespeichersysteme.
Manfred Renner verwies in diesem Zusammenhang auf weitere Ansätze der Kreislaufwirtschaft und erläuterte, wie industrielle Reststoffe weiterverwendet werden können. Das japanische Unternehmen Suntory, einer der weltweit größten Whisky- und Spirituosenhersteller, nutze beispielsweise Rauchgas in Produktionsprozessen. Zudem gebe es Projekte, bei denen Klärschlamm als sogenannte Bioressource genutzt werde – etwa zur Gewinnung von Rohstoffen für Düngemittel oder zur Herstellung von Treibstoffen und Polymeren.
Gemeinsam für die Circular Economy: Deutsch-japanische Impulse für die Wirtschaft von morgen
Die Diskussion machte deutlich, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft nicht isoliert gedacht werden kann, sondern branchenübergreifende Ansätze und internationale Zusammenarbeit erfordert, insbesondere auch im deutsch-japanischem Kontext.



Für Katrin Lange, Referentin Internationale Märkte und Trends sowie Ansprechpartnerin des Japan Desks der IHK Düsseldorf, liegt genau darin die besondere Stärke des Wirtschaftstags Japan. Die IHK begleitet den Austausch zwischen japanischen und deutschen Unternehmen seit vielen Jahren und unterstützt Kooperationen zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Die Veranstaltung gehe weit über den klassischen Austausch hinaus. „Hier kommen Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen zusammen, um ganz konkret auszuloten, wo Zusammenarbeit möglich ist und was man voneinander lernen kann“, sagt Lange.
Auch mit Blick auf die Zukunft sieht Lange große Chancen für Unternehmen in der deutsch-japanischen Zusammenarbeit. Themen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Produktion und neue Technologien würden in den kommenden Jahren weiter an Relevanz gewinnen. Formate wie der Wirtschaftstag Japan schaffen dafür die notwendige Plattform – für Austausch, Vernetzung und konkrete Kooperationen. Der Japan Desk der IHK Düsseldorf entwickelt daher mit seinem wichtigen Partner, der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan), neue Angebote, um Unternehmen in NRW auf dem Weg in den japanischen Markt zu unterstützen.
Interesse an Geschäftsmöglichkeiten in Japan? Die IHK Düsseldorf und die AHK Japan begleiten Unternehmen auf ihrem Weg in einen der wichtigsten Märkte Asiens.

