Technik ist auch Mädchensache

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Kräne steuern, Rennwagen fahren, Roboter programmieren: Bei GIRLS IN MOTION in Düsseldorf konnten Schülerinnen entdecken, wie vielseitig technische Berufe sind. Mit einem neuen Veranstaltungsformat wollen die IHK Düsseldorf und drei Unternehmen junge Frauen für eine berufliche Zukunft in der Mobilitätsbranche begeistern.

Autorin: Alexandra von Hirschfeld; © IHK Düsseldorf / Meike Schrömbgens; Stand 10/2026

Einmal einen riesigen Hafenkran steuern? Kein Problem. Zumindest virtuell. Am Simulator von Konecranes können Schülerinnen ausprobieren, wie viel Geschick es braucht, tonnenschwere Lasten zu bewegen. Ein paar Meter weiter lockt ein Rennsimulator, daneben werden Drähte gebogen und kleine Fahrzeuge zusammengebaut. Bei GIRLS IN MOTION im Düsseldorfer zakk ist Anfassen ausdrücklich erwünscht. Und die Hemmschwelle ist niedrig, denn hier sind die jungen Frauen und Mädchen unter sich.

Technik ist auch Mädchensache. Erfolgreicher Auftakt bei Girls In Motion

Genau das ist die Idee. Denn technische Berufe sind noch immer überwiegend männlich besetzt. „Wir haben zu wenig Frauen in der gewerblich-technischen Ausbildung“, beschreibt Ulla Backes, Ausbildungsberaterin der IHK Düsseldorf, das Problem, mit dem Unternehmen an die Kammer herangetreten waren. Aus einem Barcamp entstand gemeinsam mit der Rheinbahn AG, der Konecranes GmbH und Mercedes-Benz die Idee für ein neues Format. Statt klassischer Berufsmesse: ein Tag zum Ausprobieren, Fragenstellen und Kennenlernen exklusiv für Mädchen und junge Frauen.

Ausprobieren statt zuschauen

„Ich möchte einfach mal austesten, was ich später machen könnte“, erzählt die 14-jährige Malou. Andere Schülerinnen haben bereits den Kransimulator ausprobiert und bei der Rheinbahn vorbeigeschaut. Eine von ihnen interessiert sich sowohl für soziale als auch für technische Berufe. Besonders spannend findet sie Elektronik und das Zusammenbauen von Dingen. Ob daraus einmal ein Praktikum wird? Noch offen. Aber genau darum geht es: Möglichkeiten entdecken, bevor Entscheidungen fallen.

Wie vielfältig sie sind, zeigt Konecranes. Das Unternehmen bildet am Standort Düsseldorf rund 65 junge Menschen aus, überwiegend in technischen Berufen. Ausbildungsleiter Rainer van Ewyk stellt unter anderem Konstruktionsmechanik, Industriemechanik und Elektronik für Betriebstechnik vor. Auch die Digitalisierung verändert die Arbeit: Schweißroboter übernehmen beispielsweise lange Schweißnähte, Fachkräfte programmieren und kontrollieren die Anlagen. Für ihn ist GIRLS IN MOTION auch eine Antwort auf Erfahrungen bei klassischen Ausbildungsmessen: Wo sich Jungen um technische Simulatoren drängen, bleiben Mädchen häufig im Hintergrund.

Weibliche Role Models machen Mut

Dass Technik längst keine reine Männerdomäne mehr sein muss, zeigen vier Auszubildende aus dem Mercedes-Benz Werk Düsseldorf. Lina wird Fahrzeuglackiererin, Aleyna Elektronikerin für Automatisierungstechnik, Esma Industriemechanikerin und Lena Fahrzeugmechatronikerin. Alle vier haben sich bewusst für ihren Beruf entschieden.

„Ich war schon immer gut in Mathe und Technik und habe mich nicht davon abschrecken lassen, dass das nicht viele Frauen machen“, erzählt eine der jungen Frauen. Die männlichen Kollegen erlebten sie überwiegend als freundlich und kollegial. Vorurteile gebe es gelegentlich trotzdem. Ihr Wunsch: mehr weiblicher Nachwuchs, damit Frauen in technischen Berufen zur Selbstverständlichkeit werden.

Stefan Thon, Ausbildungsleiter im Mercedes-Benz Werk Düsseldorf, betreut rund 150 Auszubildende. Er sieht in der gezielten Ansprache junger Frauen auch eine langfristige Personalstrategie: „Wenn man in die Ausbildung Frauen aufnimmt, kann man sie weiterentwickeln, fördern und natürlich auch zu Führungskräften entwickeln.“ Dafür müsse der Nachwuchs allerdings bereits an der Basis gewonnen werden.

Hinter die Kulissen schauen

Auch bei der Rheinbahn gibt es weit mehr Berufsmöglichkeiten als den Fahrdienst. Industriemechanikerinnen, Mechatronikerinnen oder Elektronikerinnen für Betriebstechnik werden ebenso gebraucht wie kaufmännische Fachkräfte. „Die meisten kennen die Rheinbahn aus ihrem täglichen Leben. Aber was eigentlich hinter diesem ganzen Betrieb steckt, wissen die wenigsten“, sagt Nina Brodkorb-Kronauge, Recruiterin für Berufsausbildung bei der Rheinbahn AG.

Mit einem von Auszubildenden selbst gebauten Rennsimulator und einer Gravurmaschine will die Rheinbahn Neugier wecken. Erste Erfolge gibt es bereits: Im vergangenen Jahr wurden drei von vier Ausbildungsplätzen in der Industriemechanik mit jungen Frauen besetzt.

Entscheidend sei der persönliche Kontakt, betont Brodkorb-Kronauge. Wer die Menschen hinter einem Unternehmen bereits kennengelernt habe, traue sich eher, eine Bewerbung abzuschicken.

Premiere mit Perspektive

Für Dr. Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung, -stellenvermittlung und -projekte bei der IHK Düsseldorf ist die Premiere von GIRLS IN MOTION vielversprechend. Die Schülerinnen bleiben, probieren aus, kommen ins Gespräch und machen Selfies. „Wer hierhergekommen ist, geht nicht nach zehn Minuten“, beobachtet er. Die beteiligten Unternehmen wollen ihre Erfahrungen gemeinsam bewerten. Das Ziel bleibt klar: Berührungsängste abbauen, Talente entdecken und jungen Frauen berufliche Wege eröffnen, die sie bislang vielleicht gar nicht „auf dem Schirm hatten“.


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