Zwei Länder, ein Kurs: Deutschland und Malaysia rücken enger zusammen

Aus der IHKZwei Länder, ein Kurs: Deutschland und Malaysia rücken enger zusammen

Halbleiter, Wasser, künstliche Intelligenz: Beim 24. German Malaysian Round Table (GRMT) in der IHK Düsseldorf wird deutlich, wie eng Deutschland und der südostasiatische Wachstumsmarkt verzahnt sind – und wie viel Potenzial sich noch für den Mittelstand eröffnet.

Autorin: Natascha Plankermann; © IHK Düsseldorf / Meike Schrömbgens; Stand 09/2026

Malaysia zählt zu den Gründungsmitgliedern der ASEAN, dem Zusammenschluss von elf südostasiatischen Staaten. Das Land wirkt schon seit den 1960er Jahren an den rechtlichen GruAutorin: Natascha Plankermannndlagen des Bündnisses mit und übernahm 2025 turnusgemäß den Vorsitz – mit den Leitthemen Inklusivität und Nachhaltigkeit. Die Sonderwirtschaftszone Johor, ein Gemeinschaftsprojekt Malaysias mit Singapur, gilt als zusätzlicher Einstieg für internationale Unternehmen. Johor gehörte auch in Düsseldorf zu den lebhaft diskutierten Themen.

Brücken bauen, faire Handelsbedingungen schaffen

Moderator Roland Mauss, Chapter Initiator des GMRT Düsseldorf und CFO bei Oryx Stainless AG, betonte ebenso wie Dr. Arnd Nenstiel, Vorsitzender der OAV (German Asia-Pacific Business Association), welches Gewicht Malaysia für Deutschland inzwischen hat. Die OAV versteht sich dabei als Brückenbauerin: Sie will dafür sorgen, dass beide Länder vom Innovationsgeist des jeweils anderen profitieren.

Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International bei der IHK Düsseldorf, holt das Publikum auf den Boden der Kammerarbeit zurück. Internationales Geschäft voranzutreiben sei Teil der DNA der IHK, sagt er. Doch dieses Engagement werde derzeit auf eine harte Probe gestellt: Zölle, Handelskonflikte, unsichere Lieferketten. Umso wichtiger sei es, sich mit Nachdruck für faire Handelsbedingungen und robuste Lieferketten einzusetzen. In dieser Hinsicht punktet Malaysia: Die Partnerschaft mit Deutschland wächst seit fast 70 Jahren.

Botschafter Jamil: Stillstand ist keine Option

Mohamad Razdan Jamil, Botschafter von Malaysia in Berlin, knüpft direkt an. Er sieht sich als jemand, der symbolisch zwei Hüte trägt: Deutschland soll in Malaysia sichtbarer werden, aber das gelte auch umgekehrt. Nach seinem Eindruck kennen bislang zu wenige deutsche Mittelständler das wirtschaftliche Potenzial des Landes. Dabei ist Malaysias Wirtschaft 2025 um rund 5,2 Prozent gewachsen und hat damit selbst die eigenen Prognosen übertroffen. Für 2026 rechnet die Weltbank trotz globaler Unsicherheiten noch mit einem Plus von rund 4,4 Prozent.

Als Kernbereiche der Zusammenarbeit benennt der Botschafter vier Felder. Erstens Halbleiter: Malaysia sieht sich als sechstgrößten Exporteur der Welt und kontrolliert rund 13 Prozent des globalen Marktes für Chip-Verpackung, -Montage und -Tests. Zweitens die Energiewende, für die deutsches Know-how und deutsches Material für erneuerbare Energien gefragt sind. Drittens künstliche Intelligenz: Malaysia will bis 2030 zur AI Nation werden. Dafür gibt es einen eigenen Aktionsplan mit dem Ziel, Zehntausende neue Jobs zu schaffen. Den vierten Bereich bilden gut ausgebildete Menschen.

Diese vier Felder hängen eng zusammen. Ein Land, dass sich zur AI Nation wandeln will, baut Rechenzentren, die nicht nur Strom, sondern auch Wasser für die Kühlung brauchen. Hier will Malaysia von deutschem Know-how bei der Abwasseraufbereitung und dem intelligenten Wassermanagement profitieren.

Über Malaysia, betont der Botschafter, öffne sich hiesigen Unternehmen der Zugang zum gesamten asiatischen Markt. Und noch ein Punkt liegt ihm am Herzen: Deutschland soll bei malaysischen Studierenden bekannter werden. Dafür sagt Jamil Unterstützung zu.

MIDA rechnet vor, warum sich der Schritt lohnt

Nach dem Diplomaten übernimmt Sukri Bin Abu Bakar, Direktor der Malaysian Investment Development Authority (MIDA) in Frankfurt am Main. Er erklärt, warum sich eine Investition in Malaysia lohnt: eine strategisch günstige Lage mitten in Südostasien, eine investorenfreundliche Politik, ein fortschrittliches industrielles Ökosystem und sichere Lieferketten. Hinzu kommen 18 Freihandelsabkommen, die Malaysia zum Tor für einen Markt von rund 4,9 Milliarden Menschen in ASEAN und darüber hinaus machen. Über die Trans-Pacific-Partnership (CPTPP) erstreckt sich die Reichweite sogar bis nach Kanada, Mexiko, Peru und Chile.

Bin Abu Bakar spricht auch über malaysische Ingenieurinnen und Ingenieure, die nach dem Vorbild „Made in Germany“ ausgebildet wurden, sowie über neue Anreize für Investoren. Aktuell gilt in Malaysia das New Incentive Framework, das Steuervergünstigungen künftig direkter an messbare wirtschaftliche Wirkung koppelt, statt sie nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Wer im malaysischen Bildungssystem nach Talenten sucht, findet zudem ein dichtes Netz an Universitäten, das Fachkräfte im Land ausbildet.

Wasser und KI in der Praxis

Wie sich die Themen Wasser, Energie und künstliche Intelligenz in der Praxis verzahnen, zeigt kurz darauf Aaron Linnhoff, Manager Global Government & Public Affairs bei der Wilo Group, WILO SE. Sein Vortrag mit dem Titel „From Drops to Data: WATER AI in Malaysia and the Region“ verdeutlicht die Zusammenhänge: Datenzentren brauchen Kühlwasser, Wasserleitungen brauchen intelligente Überwachung gegen Lecks, und beides lässt sich mit Sensorik und KI-gestützter Steuerung deutlich effizienter machen. Der Pumpenhersteller mit Hauptsitz in Dortmund ist selbst seit gut 15 Jahren mit einer eigenen Landesgesellschaft in Malaysia vertreten. Er versorgt von dort aus die gesamte Region – ein anschauliches Beispiel für die zuvor vorgestellte Reichweite.

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