Defense: Neue EU-Förderung für KMU und Start-ups

Aus der IHKDefense: Neue EU-Förderung für KMU und Start-ups

Das Programm AGILE für schnelle Innovationen im Verteidigungsbereich könnte Anfang 2027 starten.

Autor: Daniel Boss; (c) Adobe.stock/Kyryl Gorlov; Stand 08/2026

Wachsende internationale Spannungen, hybride Bedrohungen und Angriffe auf Infrastrukturen, Abhängigkeiten von kritischen Technologien – die deutsche und europäische Wirtschaft agiert in einem deutlich unsichereren Umfeld als noch vor einigen Jahren. Vor diesem Hintergrund setzt die EU verstärkt darauf, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren sowie eigene technologische und industrielle Fähigkeiten auf- und auszubauen.

Dazu passt diese gute Nachricht für die kleinen und mittleren Unternehmen im Bezirk der IHK Düsseldorf, die sich mit neuen Defense-Technologien befassen: Der Rat und das Europäische Parlament haben eine vorläufige politische Einigung über den Vorschlag zur Einrichtung des Programms für agile, schnelle Innovation im Verteidigungsbereich, kurz AGILE, erzielt. Dr. Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer Standortpolitik bei der IHK Düsseldorf und Fachpolitischer Sprecher für Wirtschaft und Verteidigung von IHK NRW, sieht in dem Instrument sowohl eine Unterstützung bei der Produktentwicklung als auch eine Verkaufsförderung. „Das Programm ist ein zusätzlicher Baustein für Unternehmen beim Aufbau oder der Ausweitung ihrer Geschäftsmodelle.“

EU-Förderprogramm AGILE: 115 Millionen Euro für Defense-Innovationen

Ausgestattet wird AGILE mit Finanzmitteln in Höhe von 115 Millionen Euro. Nach derzeitiger Planung könnte das Programm bereits Anfang des kommenden Jahres starten. Laut offiziellen Angaben aus Brüssel liegt der Schwerpunkt neben etablierten KMUs auch auf Start-ups und Scale-ups, die an neuen und disruptiven Verteidigungsgütern arbeiten. Dazu gehört auch die Anpassung ziviler Technologien für Verteidigungsanwendungen. Ziel ist es, die Lücke zwischen der Entwicklung innovativer Technologien und ihrem tatsächlichen Einsatz zu schließen. Gleichzeitig soll AGILE für hohes Tempo stehen: Vorgesehen ist eine Förderentscheidung innerhalb von nur vier Monaten. Damit soll das Programm eine schnelle und flexible Ergänzung zu den bestehenden EU-Instrumenten für die Verteidigungsindustrie bieten. 

Defense: KMU und Start-ups schneller in die Beschaffung bringen

Ebenfalls Ziel ist es, die Vernetzung von KMU mit großen Hauptauftragnehmern der Verteidigungsindustrie zu erleichtern, also zum Beispiel mit der Bundeswehr. Eine gezielte Kontaktvermittlung soll dazu beitragen, dass die im Rahmen von AGILE geförderten Technologien und Produkte schneller in bestehende Wertschöpfungs- und Beschaffungsketten gelangen und tatsächlich zum Einsatz kommen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem beschleunigten Zugang zu Test- und Versuchseinrichtungen. Dadurch soll ein wesentliches Hindernis für KMU bei der Entwicklung, Erprobung und Markteinführung neuer Verteidigungsgüter abgebaut und der Weg von der Innovation bis zur Einsatzreife verkürzt werden.

„AGILE wird Innovationen im Verteidigungsbereich durch KMU in der gesamten Union beschleunigen und zeigen, dass KMU und Start-ups die technologischen Lösungen für den Fähigkeitenbedarf Europas bereitstellen und dazu beitragen können, die strategischen Abhängigkeiten Europas zu verringern“, heißt es in einer Mittelung des Europäischen Rats – verbunden mit einem finanziellen Ausblick: Dies werde Argumente dafür liefern, dass im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) mehr Unterstützung für KMU-Innovationen bereitgestellt werde.

Fördermittel und Beratung für Unternehmen im Defense-Bereich

Nach Aussage von Experte Biedendorf dürfte das aktuell geplante Programm schon bald Bestandteil der IHK-Fördermittelberatung werden. Mit diesem Service unterstützt die IHK Düsseldorf Unternehmen bei der Suche nach passenden Zuschüssen, zinsgünstigen Krediten oder anderen Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Vorhaben. Besonders interessant für Unternehmen im Defense-Bereich sind zudem IHK-Beratungen zum Thema Beschaffungswesen der Bundeswehr sowie Vernetzung mit möglichen Partnern im Baltikum oder der Ukraine. „Für hiesige Unternehmen gibt es eine Fülle an Möglichkeiten, sich über Themen mit Verteidigungsbezug zu informieren und auszutauschen“, so Biedendorf.

In diesem Zusammenhang verweist er auch auf Formate wie die Velberter Sicherheitsgespräche, veranstaltet von der IHK Düsseldorf, den Wirtschaftsförderungen Velbert und Heiligenhaus sowie dem Verein Die Schlüsselregion. Die dritte Auflage findet am 1. Oktober statt. Zudem soll die erfolgreiche Webinar-Reihe Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft der IHK-Initiative Rheinland (IIR) 2027 fortgesetzt werden. 

Weitere Informationen zu den Förderprogrammen der IHK Düsseldorf finden Sie hier.

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