Live-Podcast: Internationale Talente als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

Aus der IHKLive-Podcast: Internationale Talente als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

Der Fachkräftemangel zählt seit Jahren zu den größten Herausforderungen für Unternehmen in Düsseldorf und im Kreis Mettmann. Nach aktuellen Prognosen könnten bis 2035 mehr als 100.000 Stellen unbesetzt bleiben. Gleichzeitig gewinnen internationale Fachkräfte zunehmend an Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts langfristig zu sichern. Doch wie gelingt es, Talente aus dem Ausland zu gewinnen, erfolgreich zu integrieren und dauerhaft zu halten?

Autorin: Dagmar Haas-Pilwat; (c) IHK Düsseldorf; Stand 07/2026

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Live-Podcasts „Wirtschaft Düsseldorf Unplugged“, den die IHK Düsseldorf gemeinsam mit dem Rotonda Business Club und mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Düsseldorf veranstaltete. Unter dem Titel „Internationale Talente für Düsseldorf – Chancen, Herausforderungen und Perspektiven“ diskutierten Moderatorin Andrea Greuner, Sternekoch Thomas Bühner („La Vie“ in Düsseldorf und „La Vie by Thomas Bühner“ in Taipeh), Pascal Lehnert, Geschäftsführer der Alltagshilfe Lehnert GmbH, sowie Mario Nicolay von der Bundesagentur für Arbeit und Ansprechpartner für das Projekt „Hand in Hand for International Talents“.

Bürokratie bremst Fachkräfteeinwanderung

Einigkeit herrschte auf dem Podium darüber, dass die Herausforderungen bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte weit vor dem ersten Arbeitstag beginnen. Komplexe rechtliche Vorgaben, langwierige Anerkennungsverfahren, Visa- und Aufenthaltsprozesse sowie Fragen der kulturellen Integration stellen viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.

Thomas Bühner berichtete aus eigener Erfahrung: Trotz Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit dauerte es rund ein Jahr, bis zwei Mitarbeiterinnen aus Vietnam ihre Tätigkeit in seinem Sternerestaurant auf dem Metro-Campus aufnehmen konnten. „Zwischenzeitlich hatte ich große Zweifel, dass es überhaupt klappt“, sagte der Gastronom. Sein Appell: Die bürokratischen Hürden müssten weiter abgebaut und die Verfahren deutlich vereinfacht werden.

Auch Mario Nicolay sieht Handlungsbedarf. Zwar erleichtere das seit 2020 geltende Fachkräfteeinwanderungsgesetz den Zugang qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten zum deutschen Arbeitsmarkt. Dennoch seien viele Verfahren weiterhin zu langwierig und wenig transparent. „Ein entscheidender Hebel ist die Digitalisierung der Behörden“, betonte Nicolay. Bürokratie und Verwaltung seien nach wie vor die größten Bremsen für eine erfolgreiche Fachkräfteeinwanderung.

Neue Wege im Recruiting

Wie Unternehmen dem Fachkräftemangel mit innovativen Ansätzen begegnen können, zeigte Pascal Lehnert. Gemeinsam mit seiner Frau Vanessa gründete er 2024 die Alltagshilfe Lehnert GmbH, die inzwischen mehr als 30 Mitarbeitende beschäftigt.

„Wir sind kein Pflegedienst, sondern unterstützen Menschen zuverlässig im Alltag – etwa bei der Hausarbeit, der Begleitung zu Terminen oder bei Besorgungen“, erklärte Lehnert. Während der Bedarf an solchen Dienstleistungen kontinuierlich steige, werde qualifiziertes Personal immer knapper.

Das Unternehmen setzt deshalb bewusst auf unkonventionelle Wege: Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger erhalten eine Chance, zudem spielt Social Media eine zentrale Rolle bei der Personalgewinnung. Mit Erfolg – rund 80 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber stammen aus dem Ausland. „Nicht alle sprechen perfekt Deutsch. Gerade in einem Beruf, in dem der persönliche Kontakt zu den Kundinnen und Kunden im Mittelpunkt steht, ist das durchaus eine Herausforderung“, so Lehnert.

Integration entscheidet über den Erfolg

Die Diskussion machte deutlich, dass erfolgreiche Fachkräftesicherung weit über die Rekrutierung hinausgeht. Entscheidend ist, internationalen Talenten auch das Ankommen in Deutschland zu erleichtern. Bezahlbarer Wohnraum, Sprachförderung, Unterstützung bei Behördengängen sowie Hilfe im Alltag sind wesentliche Faktoren dafür, dass Fachkräfte langfristig bleiben.

„Die Menschen müssen sich wohlfühlen, damit sie hierbleiben wollen“, brachte Thomas Bühner den entscheidenden Punkt auf den Punkt. Denn, so der Sternekoch: „Heimweh ist eine schwere Krankheit.“

Die Botschaft des Abends war eindeutig: Internationale Fachkräfte sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Damit ihre Integration gelingt, braucht es jedoch schnellere Verwaltungsverfahren, weniger Bürokratie und eine Willkommenskultur, die weit über den Arbeitsplatz hinausreicht.


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